Radverkehrskonzept des Kreises
In Lengerich liegt vieles im Argen

Lengerich -

Der Kreis setzt auf die Beteiligung der Radfahrer bei der Erstellung eines Radverkehrskonzepts. In Lengerich ist davon rege Gebrauch gemacht worden – zahlreiche Schwachstellen und Lücken im Netz wurden benannt.

Montag, 05.11.2018, 06:30 Uhr
Veröffentlicht: Montag, 05.11.2018, 06:22 Uhr
Zuletzt bearbeitet: Montag, 05.11.2018, 06:30 Uhr
Straßen in Lengerich, bei denen Radfahrer Handlungsbedarf sehen, sind Saerbecker Damm, Ibbenbürener Straße und Osnabrücker Straße. Der Radweg an der Brochterbecker Straße (von oben links im Uhrzeigersinn) wird als „wenig sinnvoll“ eingeschätzt.
Straßen in Lengerich, bei denen Radfahrer Handlungsbedarf sehen, sind Saerbecker Damm, Ibbenbürener Straße und Osnabrücker Straße. Der Radweg an der Brochterbecker Straße (von oben links im Uhrzeigersinn) wird als „wenig sinnvoll“ eingeschätzt. Foto: Michael Baar

Raus aus dem Auto, rauf aufs Rad. Dieses Ziel hat der Kreis Steinfurt. Um es zu erreichen, setzt er auf die Mithilfe derjenigen, die jetzt schon in die Pedale treten und wissen, wo es Schwachstellen im Radwegenetz gibt. Die Kreisverwaltung hat dazu aufgerufen, Ideen zum Radverkehrskonzept beizusteuern (www.radverkehrskonzept-steinfurt.de). Bis zum 16. November kann die jetzt schon umfangreiche Liste ergänzt werden.

In Lengerich gibt es gleich mehrere Stellen, an denen Bürgerinnen und Bürger Handlungsbedarf sehen – bei überörtlichen Verbindungen. Beispiel Osnabrücker Straße: Auf niedersächsischer Seite endet der Radweg in Natrup-Hagen an der Landesgrenze. Auf Lengericher Seite – Fehlanzeige. Dieser Radweg hätte überörtliche Bedeutung, wäre für den Tourismus wichtig und ermögliche die Fahrt nach Osnabrück per Rad, egal ob zum Stadtbummel oder zur Arbeit, so ein Vorschlag.

„An der Osnabrücker Straße ist die Stadt schon lange dran“, sagt Jürgen Kohne . Auch der Stadtmarketingverein „Offensive“ habe sich schon mal hinter dieses Projekt geklemmt. Das Problem: Die Osnabrücker Straße ist eine Landesstraße. Für Radwege an diesen Verbindungen gibt es eine Prioritätenliste. Auf der steht die Osnabrücker Straße ziemlich weit hinten. Unter anderem, weil die entsprechenden Grundstücke nicht bereitstehen, erläutert der Wirtschaftsförderer der Stadt.

Was mehreren Fietzen-Fahrern unter den Nägeln brennt – nimmt man die Zahl der Einträge als Grundlage –, ist der Saerbecker Damm. „Ein gut befahrbarer Fahrradweg fängt leider erst ab dem Kanal an, bis dahin ist der Weg weit, beschwerlich und gefährlich“, lautet ein Eintrag in der Liste.

Ist bei der Planung der neuen Kanalbrücke ein Radweg berücksichtigt worden, fragt sich ein anderer Teilnehmer. Das Teilstück auf Lengericher Gebiet ab Wechter Straße Richtung Saerbeck ist aus seiner Sicht gefährlich – „schmal, viele schnellfahrende Autos“ – insbesondere für Familien mit Kindern oder Radler mit Anhängern „nicht angenehm befahrbar“. Gleiches gelte für den Abschnitt des Saerbecker Damms zwischen Wechter Straße und Aldruper Damm.

Durchschnittsweg ist 10,8 Kilometer lang

24 Prozent aller Wege im Kreis Steinfurt werden mit dem Fahrrad zurückgelegt. Allerdings, so die Kreisverwaltung, werden immer noch viele Wege im Nahbereich mit dem Auto bewältigt. Bei Entfernungen unter einem Kilometer ist das in zwölf Prozent der Fahrten der Fall, bei Distanzen zwischen einem und zwei Kilometern in 36 Prozent der Fälle. Die durchschnittliche Wegelänge im Kreis beträgt 10,8 Kilometer.Mit dem Radverkehrskonzept will die Kreisverwaltung das bestehende Radwegenetz optimieren, falls erforderlich ausweiten und qualitativ verbessern. Die Anbindung an Haltestellen von Bus und Bahn gehören ebenso dazu wie gute Abstellanlagen für die Fietzen. Rad-Ausleihstationen sind ein weiteres Thema, das berücksichtigt werden soll.

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Aus Sicht eines Radtouristen hat ein anderer Teilnehmer an der Befragung den Saerbecker Damm betrachtet. Er sieht in der Kreuzung mit der Wechter Straße einen Knotenpunkt, weil es von dort nach Ladbergen, Tecklenburg, Saerbeck und Lengerich gehe – ohne Radwege. Dabei sei der Saerbecker Damm „eine für Radfahrer überaus interessante Strecke“.

Der Stadt ist die für Radfahrer schwierige Lage auf dem Saerbecker Damm bekannt. „Wir begleiten das Konzept des Kreises“, sagt Holger Lange . Wünschenswert aus Sicht des Mitarbeiters im Fachdienst Straßenbau wäre beispielsweise auch eine Radwegeverbindung als Lückenschluss zwischen Aldruper Damm und Feldweg.

„Die Fahrt auf der Landstraße zwischen Lienen und Lengerich ist sehr gefährlich“, lautet der Kommentar zu einer weiteren, nicht vorhandenen Radwegeverbindung. Gleich zwei Teilnehmer schlagen vor, auf der annähernd parallel verlaufenden Schafstraße den Radfahrern Vorfahrt zu gewähren – durchgehend.

Vernichtend liest sich das Urteil über die Ibbenbürener Straße zwischen dem Kreisverkehr Wechte und Brochterbeck. Dort „fahren nur sehr unerschrockene, wenn nicht sogar waghalsige Radfahrer“, ist zu lesen.

Als wenig sinnvoll aus Sicht der Teilnehmer ist die Regelung auf der Brochterbecker Straße zwischen Kreisverkehr Kronenburg und Autobahn-Unterführung. Der kurze Radweg auf der Südseite der Straße sei benutzungspflichtig ausgeschildert. „Dies führt dazu, dass Radfahrer zwei Mal die Straßenseite wechseln müssen auf einer Strecke von 300 Metern und in Konflikt mit Pkw an der Einfahrt zum Teutopark kommen.“ Ein Vorschlag lautet, die Benutzungspflicht auf dem 300-Meter-Stück aufzuheben.

Unabhängig vom Radverkehrskonzept, an dem der Kreis strickt, hat die Stadtverwaltung die innerstädtischen Verbindungen im Blick. So wäre eine Strecke vom Bahnhof am Schulzen­trum vorbei bis in die Stadt wünschenswert, nennt Holger Lange ein Beispiel.

Doch oft werden Überlegungen von den Begebenheiten vor Ort ausgebremst. So auf der Ringeler Straße zwischen Kaufland und Südring. „Da wären Radfahrstreifen wünschenswert“, sagt der Fachdienst-Mitarbeiter. Doch das scheitert an der zu geringen Breite der Fahrbahn. „Da braucht man einen langen Atem“, ist er überzeugt.

Hinweise, wo etwas getan werden sollte aus Sicht der Radfahrer, erwartet Holger Lange aus dem Fahrradklima-Test des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs (ADFC). Zusammen mit der Klimaschutzmanagerin der Stadt, Christiane Elias, könnte Vorschläge auf ihre Realisierung geprüft werden.

Und wie steht´s mit dem Geld? Die Finanzierung laufe vorhabenabhängig, erläutert der Straßenbau-Fachmann. Einen Extra-Topf für Radwege gibt es im städtischen Haushalt nicht.

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