Kindertagesstätte in Hohne
Die Kuh ist noch nicht vom Eis

Lengerich -

Auf dem Gelände der Grundschule Hohne wird eine Kindertagesstätte gebaut. So viel ist sicher. An welcher Stelle des Areals, ist offen. Dem Vorschlag der Verwaltung, den Bau südlich zur Lienener Straße hin zu errichten, folgt der Stadtrat am Dienstagabend nicht.

Donnerstag, 08.11.2018, 06:30 Uhr
Veröffentlicht: Donnerstag, 08.11.2018, 06:22 Uhr
Zuletzt bearbeitet: Donnerstag, 08.11.2018, 06:30 Uhr
Der Bolzplatz (im Vordergrund) könnte Standort für eine Kita an der Grundschule Hohne werden. Bevorzugt wird von der Verwaltung allerdings ein Platz auf dem Schulgelände zur Iburger Straße hin. Ein Grund dafür: Dort könnte eine Erweiterung der geplanten Drei-Gruppen-Anlage einfacher realisiert werden.
Der Bolzplatz (im Vordergrund) könnte Standort für eine Kita an der Grundschule Hohne werden. Bevorzugt wird von der Verwaltung allerdings ein Platz auf dem Schulgelände zur Iburger Straße hin. Ein Grund dafür: Dort könnte eine Erweiterung der geplanten Drei-Gruppen-Anlage einfacher realisiert werden. Foto: Michael Baar

Der Grund: „Aus der Vorlage ist die Abwägung der Verwaltung für diesen Vorschlag nicht zu erkennen“, formuliert Andreas Kuhn . Jetzt soll in der Ratssitzung am 12. Dezember die Standort-Entscheidung fallen.

Die Vorbehalte des SPD-Fraktionsvorsitzenden basieren auch auf einer Informationen, „die heute Nachmittag um 15 Uhr per Mail gekommen ist“. Absender: die stellvertretende Schulleitung, die Bedenken gegen die Variante A äußert. Als ein Nachteil wird eine Teilbeschattung der Offenen Ganztagsschule (OGS) durch den Kindergarten genannt. „Wir wollen die Vorlagen künftig so, dass der Weg der Verwaltung für einen Vorschlag nachvollziehbar ist“, fordert Andreas Kuhn.

Alexander Osenberg zeigt sich überrascht von der E-Mail, die er auch gegen 15 Uhr gelesen habe. „Wir haben am vergangenen Dienstag noch mit dem Kollegium gesprochen“, berichtet er. Bei sechs Metern Gebäudeabstand und einer eingeschossigen Kita sieht der Fachdienstleiter Zentrale Gebäudewirtschaft kein Problem wegen einer möglichen Beschattung der OGS.

Ob denn die Argumente der Schule nicht bekannt gewesen seien, will Klaus Reiher wissen. Den Einwand des Bürgermeisters, die Mail sei erst am Mittag in der Verwaltung eingetroffen, wischt der CDU-Fraktionsvorsitzende beiseite. „Das hat Herr Osenberg doch wohl mündlich erfahren bei dem Gespräch, oder?“ Als der bestätigt, ist das Wasser auf die Mühlen des Christdemokraten. „Wir brauchen Informationen, weil der Rat entscheidet. So einen Schnellschuss jetzt lehne ich ab, die Verwaltung ist nicht offen zur Politik.“ Beifall aus allen Fraktionen erhält seine Feststellung „wir sollen dann die Prügel einstecken? Das sehe ich nicht ein, so geht´s nicht“.

„Viele Missverständnisse“

Von „vielen Missverständnissen“ spricht Gisela Marstatt-Stienecker in Bezug auf das Schreiben der Grundschule Hohne. Die kommissarische Schulleiterin verweist auf den Fertigbau-Trakt, in dessen Nachbarschaft die Kita gebaut werden könnte. Dieser Trakt müsse renoviert werden, verweist sie unter anderem auf das Problem Feuchtigkeit. Darauf sei im Gespräch mit der Verwaltung hingewiesen worden, worauf diese gebeten habe, das Thema erst in der Grundschule zu belassen.Kindergartenkinder sollen viel draußen sein, stellt sie fest. Deshalb sei eine Idee, die Ausrichtung der Räume im Fertigbau-Trakt zu ändern: Der Flur werde von der Nord- auf die Südseite verlegt, die Räume der vier Klassen entsprechend von Süd nach Nord. Als „übersichtliche Lösung“ bewertet sie den Gedanken, die Offene Ganztagsschule in die Räume der jetzigen provisorischen Kita zu verlegen.Während der Bauphase rechnet sie damit, dass sich die Arbeiten auf dem südlichen Areal an der Lienener Straße als größere Störung erweisen werden, als ein Kita-Bau auf dem jetzigen Bolzplatz zum Schrägweg hin.

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Worauf Wilhelm Möhrke einräumt, dass „die Vorlage eventuell nicht ausführlich genug“ gewesen sei. Kein Verständnis hat der Bürgermeister dafür, dass von der stellvertretenden Schulleitung kurz vorher „so ein Pamphlet“ geschickt werde.

Eine etwas andere Sicht auf den Inhalt der Mail hat Jens Kröger. Der FDP-Fraktionsvorsitzende „hat Verständnis für einige Argumente“, zudem seien ja auch Eltern beteiligt. „Komplett überrascht“ ist die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen von der Mail. Sandra Kätker fordert mehr Fingerspitzengefühl für mündliche Beiträge wie im Gespräch in der Schule. Wichtig sei jetzt die Antwort auf die Frage: „Wie bekommen wir die Kuh vom Eis?“

Die Platzierung der Sozialräume zu den Nachbargebäuden könnte doch eine Lösung sein, verweist Björn Schilling ( SPD ) auf die in jüngster Zeit in der Stadt gebauten Kindertagesstätten. Walter Schallenberg ( CDU ) will wissen, ob denn ein Ratsbeschluss bis zum 12. Dezember Zeit hätte. „Dass würde zu Verschiebungen führen, wäre aber für eine gründliche Entscheidung sicher wichtig“, antwortet ihm Alexander Osenberg.

Kommentar

Berechtigte Kritik

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Da läuft etwas schief. Nicht zum ersten Mal bemängeln Ratsmitglieder, dass der Informationsfluss aus der Verwaltung besser sein könnte. Jüngstes Beispiel ist die geplante Kindertagesstätte auf dem Gelände der Grundschule Hohne.

Eine dünne Vorlage, ein nicht nachvollziehbarer Entscheidungsvorschlag und in der Sitzung dann die Erkenntnis, dass wesentliche Dinge nicht benannt worden sind. So geht´s nicht.

Die Kritik der Kommunalpolitiker ist einmal mehr berechtigt. Bleibt die Frage, warum die Verwaltung noch keine Abhilfe geschaffen hat? Michael Baar

Auf Antrag von Ulrich Weiß wird eine Sitzungspause eingelegt, damit Gisela Marstatt-Stienecker, kommissarische Leiterin der Grundschule Hohne, den Standpunkt der Schule erläutern kann. Danach wird auf Antrag des Bündnisgrünen das Thema vertagt. Zunächst sollen sich Schulausschuss und Planungsausschuss mit dem Kita-Bau beschäftigen, bevor der Stadtrat am 12. Dezember eine Entscheidung trifft.

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