Eurobahn unter Druck
Das Warten wird zur Gewohnheit

Lengerich -

Die Eurobahn steht massiv unter Druck. Wie berichtet, wird nun sogar über eine Vertragskündigung nachgedacht. Betroffen wäre auch die RB66, die Lengerich anfährt. Die WN haben die Stimmung unter Fahrgästen erkundet.

Donnerstag, 22.11.2018, 05:33 Uhr aktualisiert: 22.11.2018, 17:50 Uhr
Schnee und Ostwind machten das Warten auf die Eurobahn am Dienstag zu einer ungemütlichen Angelegenheit.
Schnee und Ostwind machten das Warten auf die Eurobahn am Dienstag zu einer ungemütlichen Angelegenheit. Foto: Gernot Gierschner

Fünf Minuten Verspätung zeigt die Anzeigentafel für die RB 66 in Richtung Münster an. Gerade ist ein ICE durchgerauscht und hat den feinen Schnee über den Bahnsteig gewirbelt. Es ist kein Vergnügen, bei Temperaturen um den Gefrierpunkt und Ostwind auf dem Bahnsteig in Lengerich zu stehen und auf den Zug zu warten. Da braucht es Geduld. Die ist bei den Verantwortlichen des Zweckverbands Schienen-Personen-Nahverkehr (NWL) in Bezug auf die Eurobahn offenbar kaum mehr vorhanden. Am Dienstag berichteten die WN , dass über eine Vertragskündigung nachgedacht wird. Grund sind die immer wieder auftretenden Probleme auf den verschiedenen Eurobahn-Strecken. Das würde auch die Regionalbahn 66 zwischen Münster und Osnabrück betreffen. Die Lokalredaktion hat das zum Anlass genommen, sich am Bahnhof bei Fahrgästen umzuhören.

Und noch einmal fünf Minuten, murmelt ein junger Mann mit dem Skateboard. „Jetzt müssen wir warten, bis der ICE den Streckenabschnitt verlassen hat, erst dann darf der Zug nach Münster fahren. Das geht praktisch jeden Tag so!“ Glücklich und zufrieden hört sich das nicht an.

Im Wartebereich des Bahnhofs hält sich Birgit Liedmaier auf. Sie ist auf die regelmäßige Zugverbindung angewiesen und berichtet von ihren Schwierigkeiten mit der Eurobahn. „Von Anfang an gab es Probleme. Immer wieder sind die Züge ausgefallen. Das ist nicht nur ärgerlich, sondern immer mit viel Mühen verbunden.“ Sie bemängelt neben den Verspätungen vor allem die mangelhafte Kommunikation des Unternehmens. „Fast ein Jahr musste ich auf die Erstattung meiner Taxikosten warten und mein Mann über ein halbes Jahr!“ Fällt ein Zug aus und muss der Kunde dann mehr als 20 Minuten warten, hat er das Recht, seine Fahrt mit einem Taxi fortzusetzen. Er soll die Fahrtkosten – tagsüber bis zu 25 Euro und in den Abend- und Nachtstunden (20 bis 5 Uhr) bis zu 50 Euro pro Person – dann ersetzt bekommen.

Ähnliches berichtet Doris Walker: „Ich bin Lehrerin und darf eigentlich nicht zu spät kommen. Die Regelung mit dem Taxi hat einen Haken. Bei 25 Euro muss ich mir drei, vier Mitreisende suchen, mit denen ich das Taxi teilen kann. Aber auf Grund der verzögerten Abwicklung finde ich auf dem Bahnsteig niemanden mehr, der dazu bereit ist.“

Kevin Lindemann ist häufig auf verschiedenen Strecken unterwegs. Er sagt: „Es gibt nach Rheine die gleichen Probleme, entweder Verspätung oder es wird nur ein Waggon eingesetzt und du musst hoffen, dass du noch mitkommst.“

Es sind jedoch nicht nur solch kritische Stimmen zu hören. Zwei ältere Damen zum Beispiel sind zufrieden mit dem Angebot der Eurobahn. „Für die Verspätungen ist die Bundesbahn verantwortlich, weil immer die ICE-Züge vorgelassen werden müssen.“ Anderen Fahrgästen sind Verspätungen und Zugausfälle bisher nicht einmal aufgefallen.

Um 22.20 Uhr meldet die Eurobahn Probleme auf der RB66-Strecke: „Aufgrund einer Verspätung aus vorheriger Fahrt kommt es auf dem genannten Streckenabschnitt zu Verspätungen.“ An Gleis 3 stehen Ronny Rösner, Sabrina Wilms und Stefanie Kampmann. Sie warten seit einer halben Stunde auf ihren Zug nach Osnabrück. Alle drei sind Pendler, täglich auf die Bahn angewiesen und sichtlich genervt von der augenblicklichen Situation.

Ronny Rösner kommt von der Schicht und hat wie immer sein Fahrrad dabei. „Ich hab schon erlebt, dass es ab Natrup-Hagen nicht mehr weiter ging. Ich bin dann von da aus mit dem Rad nach Osnabrück gefahren.“ Sabrina Wilms erinnert an die massiven Schwierigkeiten zu Beginn des Jahres auf der Eurobahn-Strecke nach Hengelo, auf der es am Anfang auf Grund von fehlenden Zügen nur einen Bus-Ersatzverkehr gab. Stefanie Kampmann erzählt, dass ihr ein Zugbegleiter Materialmängel an Zahnrädern als Erklärung für fehlende Waggons gegeben habe. „Jetzt sind die Züge in der Werkstatt und werden repariert.“ Als der RB66 nach Osnabrück mit 38 Minuten Verspätung eintrifft, sind die Eurobahn-Kunden durchgefroren. An drei Türen des Zugs hängt ein Schild: „Defekt, außer Betrieb.“

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