Katholische Gemeinde legt Konzept vor
Kinder vor Missbrauch schützen

Lengerich/Tecklenburger Land -

In allen Bereichen der katholischen Kirchengemeinde Seliger Niels Stensen – vom Kindergarten bis zur Messdienerarbeit – gelten ab sofort feste Vorgaben zum Schutz von Kindern und Jugendlichen vor sexuellem Missbrauch. Ein entsprechendes Konzept ist erarbeitet und vom Kirchenvorstand beschlossen worden.

Freitag, 23.11.2018, 02:46 Uhr aktualisiert: 23.11.2018, 03:00 Uhr
Wer haupt- oder ehrenamtlich in der katholischen Kirchengemeinde mit Kindern arbeiten möchte, muss ab sofort ein erweitertes Führungszeugnis vorlegen.
Wer haupt- oder ehrenamtlich in der katholischen Kirchengemeinde mit Kindern arbeiten möchte, muss ab sofort ein erweitertes Führungszeugnis vorlegen. Foto: dpa

Wie können Kinder und Jugendliche vor sexueller Gewalt und Machtmissbrauch bewahrt werden? Das ist die zentrale Frage hinter dem „Institutionellen Schutzkonzept“, das jetzt von der katholischen Kirchengemeinde Seliger Niels Stensen vorgestellt worden ist. Im Bistum Münster sind alle Pfarreien und Institutionen aufgerufen, ein solches Konzept zu erstellen. Anlass sind die in den vergangenen Jahren bekanntgewordenen Missbrauchsfälle innerhalb der Kirche.

Pfarrer Peter Kossen sagte bei der Vorstellung des mehrseitigen Papiers, dass es unter anderem darum gehe, potenzielle Täter abzuschrecken. Gelingen soll das durch schärfere Vorgaben bei der Auswahl von Personen, die haupt- oder ehrenamtlich in der Kinder- und Jugendarbeit tätig werden. So heißt es in dem Konzept: „Bei Dienstbeginn und dann alle fünf Jahre sehen wir von haupt- und ehrenamtlich Mitarbeitenden in kinder- und jugendnahen Arbeitsbereichen das erweiterte Führungszeugnis ein. (. . .) Mit diesem Instrument soll bestmöglich verhindert werden, dass verurteilte Täter/innen (durch zum Beispiel einen Einrichtungswechsel) Zugang zu Kindern und Jugendlichen finden.“

Silvia Schwarze , die als ehrenamtliche Präventionsfachkraft in der Gemeinde federführend mit dem Thema befasst ist, betonte, dass die „Sensibilisierung“ aller in die Kinder-und Jugendarbeit involvierten Personen ebenfalls ein zentrales Element sei – angefangen beim katholischen Kindergarten bis hin zu den Betreuern von Freizeiten. Für sie alle werden regelmäßige Schulungen verpflichtend. Schwarze und Kossen berichteten weiter, dass natürlich vieles im Umgang mit Kindern und Jugendlichen „intuitiv“ richtig gemacht werde. Die Mitarbeiter und Helfer sollen jedoch in die Lage versetzt werden, ihr Verhalten auch zu reflektieren. Im Konzept finden sich zu diesem Komplex Unterpunkte wie „Angemessenheit von Körperkontakt“, „Beachtung der Intimsphäre“ oder auch „Zulässigkeit von Geschenken“.

Das Duo räumte im Gespräch mit den WN ein, dass zumindest in der ersten Zeit die Gefahr der „Übersensibilisierung“ ebenso bestehe wie die Gefahr, dass sich vor allem im Ehrenamtlichen-Bereich der ein oder andere abwende, weil er das Gefühl bekommen könnte, „bespitzelt“ zu werden. Dem wolle man versuchen, beizeiten entgegenzuwirken. „Wir spielen keine Polizei“, bringt es Pfarrer Kossen auf den Punkt.

Schwarze stellte weiter fest, dass ihre bisherigen in der Gemeinde gemachten Erfahrungen zeigen, dass es hier und da zunächst zwar durchaus eine gewisse Zurückhaltung bei dem Thema gebe, dass die Menschen im Nachgang von Gesprächen und Besprechungen aber immer wieder Lob äußern würden.

Die Umsetzung des Schutzkonzeptes beinhaltet des weiteren eine Analyse der genutzten Gebäude, um zu klären, ob es beispielsweise nicht einsehbare Räume gibt. Pfarrer Kossen berichtet in diesem Zusammenhang, dass bei Kinderbeichten schon länger die Regel gelte, diese nicht in geschlossenen Räumen anzubieten, sondern sie „sichtbar, aber nicht hörbar“ abzulegen.

Und was ist, wenn Missbrauch doch passiert? Kossen versichert zunächst einmal, dass es seines Wissens nach zumindest seit den 1970er Jahren keinen solchen Fall in der Gemeinde gegeben habe. Wäre es anders, „würde es noch eine ganz andere Schärfe geben“, glaubt der Pfarrer. In Zukunft soll gesichert sein, dass Personen, die einen Verdacht haben, wissen, wie sie sich zu verhalten haben. Denn, so Kossen und Schwarze, „falsche Kommunikationswege können katastrophale Folgen haben“ – für das Opfer, aber auch für fälschlicherweise Beschuldigte, Im Konzept werden entsprechende Aussagen zu „Beschwerdewegen“ inklusive der Angabe externer und interner Beratungsstellen gemacht. Ansprechpartner für Verdachtsfälle sitzen beim Bistum, erläutern Kossen und Schwarze. Diese seien hoch qualifiziert und hätten zu entscheiden, ob gegebenenfalls die Staatsanwaltschaft eingeschaltet wird. Bei Priestern und Ordensleuten sei dieser Schritt sogar bei „nicht verifizierten Fällen“ vorgesehen, so Kossen. Das sei ein durchaus riskanter Schritt, den die Kirche nun „aufgrund der Geschichte“ aber gehe.

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