Vortrag: Klug reagieren auf Populismus und Fremdenfeindlichkeit
Von Sorgen und Mythen

Lengerich -

Wie man auf ausländerfeindliche und populistische Parolen reagieren kann und wie sich Fakten von Vorurteilen und Gerüchten unterscheiden lassen: Diese Fragestellungen standen auf Freitag im Mittelpunkt eines Vortrags des Migrationsexperten Dr. Andreas Fisch. Das Kommunale Integrationszentrum des Kreises Steinfurt hatte am Freitag zu einem vierstündigen Workshop in die Räume der Stadtverwaltung eingeladen. Viele zum Teil ehrenamtlich tätige Bürger sowie Mitarbeiter aus der Verwaltung nahmen daran teil.

Sonntag, 02.12.2018, 18:12 Uhr aktualisiert: 03.12.2018, 17:12 Uhr
Informativ und kenntnisreich: Dr. Andreas Fisch sensibilisierte seine Zuhörer auf Einladung des Integrationszentrums des Kreises Steinfurt für Gespräche mit Populisten.
Informativ und kenntnisreich: Dr. Andreas Fisch sensibilisierte seine Zuhörer auf Einladung des Integrationszentrums des Kreises Steinfurt für Gespräche mit Populisten. Foto: Gernot Gierschner

Dr. Andreas Fisch leitet an der Kommende Dortmund (Sozialinstitut) seit ihrer Einrichtung 2007 die Fachbereiche „Wirtschaftsethik und Kirchliche Dienstgeber/innen“. Zuvor war er unter anderem als fachlicher Berater für den Deutschen Caritasverband Freiburg tätig, nahm vielerorts Lehraufträge an und arbeitete als Referent für Theologische Bildung im Erzbistum Köln.

Im ersten Teil seiner Ausführungen zeigte Fisch detailliert die Methoden und Strategien auf, mit denen Populisten und Verschwörungstheoretiker arbeiten, wie das Aneinanderreihen von Negativbeispielen, um mit Masse statt mit Argumenten zu überzeugen oder durch Verallgemeinerungen subjektiver Erfahrungen. Aus „ein Muslim hat sich frauenfeindlich verhalten“ werde „alle Muslime sind frauenfeindlich“, schilderte er ein Beispiel. Beliebt bei Populisten sei auch, etwas unbewiesen zu behaupten und ständig zu wiederholen, bis es den Anschein von Wahrheit erweckt („da muss doch was dran sein“). Fisch erläuterte, wie man mit Fakten und Statistik diesen Strategien entgegenwirken könne und gab den Teilnehmern ein Beispiel mit an die Hand.

Die Behauptung: „Die meisten Flüchtlinge kommen nach Deutschland“. Fakt aber sei, dass (Stand 2016) von weltweit 65,5 Millionen Flüchtlingen 52,4 Millionen in den Herkunftsregionen verblieben sind und Deutschland lediglich 280 000 aufgenommen hat. Damit liegt Deutschland laut Fisch prozentual zur Einwohnerzahl gesehen an fünfter Stelle in der Europäischen Union oder wie er bildhaft fragte: „In einer Diskothek vergnügen sich 1000 Deutsche und jetzt kommen vier Flüchtlinge dazu, ist das eine bedrohliche Asylanten-schwemme?“

„Klug reagieren auf Populismus“ hieß es dann im zweiten Teil der Veranstaltung. Fisch diskutierte mit den Teilnehmern Gesprächsmuster und gab Beispiele dafür, wie man zu konstruktiven Gesprächen – auch mit Populisten – kommen könne. „Ein Fanatiker kann sicher nicht in einem Gespräch überzeugt werden, aber es ist wichtig zu widersprechen“, hob der Migrationsexperte hervor. „Schweigen bedeutet Zustimmung und wird von der Umwelt auch so wahrgenommen“, machte Fisch deutlich.

Gleichzeitig gab er aber auch Anregungen für das eigene Verhalten im Alltag. Man solle sich immer folgende Fragen stellen: „Will ich jetzt in diese Auseinandersetzung gehen? Welche Motivation hat mein Gegenüber? Habe ich Mitstreiter oder ist es zu gefährlich, jetzt aktiv zu werden?“

„Begegnen Sie dem Anderen im Gespräch immer mit Wertschätzung. Hinterfragen Sie gewagte Thesen und treten Sie falschen Behauptungen und Unterstellungen bestimmt entgegen. Darüber hinaus kann mit etwas mehr Gelassenheit auf beiden Seiten eine lebendige Integration gelingen,“ gab Fisch den Teilnehmern zum Abschluss mit auf den Weg.

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