Kirchengemeinde Seliger Niels Stensen
Einsamkeit hat viele Gesichter

Lengerich -

„Einsamkeit“ ist das Jahresthema der katholischen Kirchengemeinde Seliger Niels Stensen. Der Anstoß kommt aus dem Pastoralplan. Vorstellbar sind vielfältige Aktionen zum Thema, darin sind sich Pfarreirat und seelsorgerische Leitung einig. Ein Denkanstoß: Einsam fühlen können sich Menschen auch in einer Gemeinschaft.

Samstag, 08.12.2018, 06:16 Uhr aktualisiert: 08.12.2018, 06:20 Uhr
Das Jahresthema Einsamkeit ist auf dem Titel des Weihnachtspfarrbriefes ins Bild gerückt. Auf viele Denkanstöße, nicht nur aus der Gemeinde, setzten (kleines Bild von links) Ernst Willenbrink, Maria Beumer, Peter Kossen und Daniel Narberhaus.
Das Jahresthema Einsamkeit ist auf dem Titel des Weihnachtspfarrbriefes ins Bild gerückt. Auf viele Denkanstöße, nicht nur aus der Gemeinde, setzten (kleines Bild von links) Ernst Willenbrink, Maria Beumer, Peter Kossen und Daniel Narberhaus. Foto: mba

Einsamkeit, heißt das keine Kontakte zu anderen Menschen, keine Teilhabe am gesellschaftlichen Leben? Und das in Zeiten sozialer Medien mit ihrer kaum zu überblickenden Informationsflut? „Einsamkeit kann man sogar als Mitglied einer Gruppe spüren“, sagt Peter Kossen. Ein Beispiel dafür findet sich im neuen Pfarrbrief der katholischen Kirchengemeinde Seliger Niels Stensen. Mitglieder der Messdienergemeinschaft Maria Frieden Lienen machen das mit einer Foto-Story deutlich.

Die Kirchengemeinde hat „Einsamkeit“ zum Jahresthema ausgewählt. „Die Anregung kommt aus dem Pastoralplan“, erläutert Daniel Narberhaus, Vorsitzender des Pfarreirates. „Es ist eine Herausforderung“, räumt er im Gespräch mit den WN ein. Zugleich sieht er in dem Thema viele Ansatzpunkte, nicht nur in der Kirchengemeinde.

Dort ist der Leitende Pfarrer Peter Kossen nach eigenen Worten überrascht worden: „Das Familienzentrum St. Margareta hat das Thema aufgegriffen.“ Für ihn ein Indiz, dass es auch Einsamkeit geben kann, wenn man mitten im Leben steht. „Idealerweise ist das kein innerkirchliches Thema“, hofft er auf Impulse, Interesse von außen.

Erste Rückmeldungen aus der Kirchengemeinde gibt es bereits. Die Caritas will das Thema aufgreifen, die Frauengemeinschaft plant im Februar ein Besinnungswochenende. „Gemeinsam mit der Caritasgruppe gibt es Überlegungen in Richtung Besuchsdienst, nicht nur für ältere Leute“, sagt Diakon Ernst Willenbrink.

Bei der Frauengemeinschaft wird so etwas seit vielen Jahren praktiziert, erläutert Maria Beumer. Das Heft „Frau und Mutter“ werde den Mitgliedern immer persönlich gebracht. „Und da ist viel Gespür dabei. Beispielsweise wenn es darum geht, mit jemandem zu reden“, erläutert die stellvertretende Vorsitzende des Pfarreirats und Ansprechpartnerin für die kfd.

„Leitung kann einsam machen“, beschreibt Peter Kossen auf Nachfrage seine persönliche Erfahrung mit Einsamkeit. Manchmal habe er sich gefragt, ob er der einzige sei, der alles im Blick behalte. „Zum Glück erlebe ich das in Lengerich so nicht.“ Die Erleichterung ist nicht nur hör-, sondern auch spürbar.

Arbeitslosigkeit ist für Ernst Willenbrink ebenfalls ein Thema, bei dem Einsamkeit zu spüren ist. Das hat er vor 20 Jahren am eigenen Leib erfahren. „Mich hat meine Familie aufgefangen, anderen gelang das nicht“, blickt er auf diese Zeit zurück, als fast 150 Kolleginnen und Kollegen mit ihm von einem auf den anderen Tag ohne viele Worte vor die Tür gesetzt wurden.

Am Heiligen Abend nicht allein

„Einsamkeit und das Gefühl unerwünscht zu sein, ist die schlimmste Armut!“ Dieses Zitat stimmt nachdenklich. Deshalb lädt die katholische Kirchengemeinde Seliger Niels Stensen alle Menschen, die den Heiligen Abend alleine verbringen würden, ins Gemeindehaus St. Margareta in Lengerich ein.Beginn ist gegen 18.45 Uhr (nach dem Ende der Eucharistiefeier mit Krippenspiel in der Kirche) mit einem Empfang. Daran schließt sich ein gemeinsames einfaches Abendessen an. Natürlich kommen das Gespräch und die Weihnachtslieder nicht zu kurz, schreibt die Kirchengemeinde. Gegen 21.15 Uhr soll der Abend an der Krippe gemeinsam beendet werden. Es besteht die Möglichkeit, um 22 Uhr an der Christmette in der Kirche teilzunehmen.Um Planen zu können, nimmt das Pfarrbüro ( 0 54 81/ 84 61 590) Anmeldung bis zum 16. Dezember entgegen.

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Dass dieses Gefühl der Einsamkeit auch bei Prüfungen auftreten kann, bestätigt Maria Beumer. Beispielsweise, wenn ein Kind in der Schule die Klasse wiederholen muss. „Sicher muss man selbst was tun, um da rauszukommen. Aber Hilfe ist da auch sehr wichtig.“ Im gleichen Atemzug spricht sie von Willkommenskultur. Man müsse auf Neue zugehen, ihnen anbieten, aufgenommen zu werden. „Nicht jeder kann, wenn er in eine neue Umgebung kommt, auf andere zugehen.“

Elitäres Denken oder Sprachprobleme – nach Auffassung von Peter Kossen kann beides zu Einsamkeit führen. Einsamkeit, da sind sich die vier einig, sei ein Thema für alle Altersgruppen und Gesellschaftsschichten. Deshalb könnten sie sich Foren oder Gesprächspartner in den Orten der Kirchengemeinde vorstellen.

„Vernetzung wäre wichtig“, baut Maria Beumer darauf, dass dieses Jahresthema „Einsamkeit“ nicht auf die katholische Kirchengemeinde beschränkt bleibt, sondern Kreise in der ganzen Stadt zieht. „Es wir sicher noch Überraschungen geben“, sagt Daniel Narber-haus.

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