Teilplan Kalk im Regionalrat
Entscheidung frühestens 2019

Lengerich/Lienen -

Regionalplan Münsterland – Sachlicher Teilplan Kalkstein. Dieser Punkt stand am Montag auf der Tagesordnung des Regionalrats. Wer sich eine Entscheidung darüber, wie es mit dem Kalksteinabbau im Teutoburger Wald weitergeht, erhofft hatte, ging leer aus. Das Gremium hat diesen Tagesordnungspunkt lediglich zur Kenntnis genommen.

Dienstag, 18.12.2018, 06:15 Uhr aktualisiert: 18.12.2018, 06:20 Uhr
Wenn die Arbeiten ruhen, sind Expeditionen im Dyckerhoff-Steinbruch möglich. Vor fünf Jahren hatte das Werk eingeladen und demonstrierte dabei auch, wie der Kalkstein mittels Sprengstoff aus dem Berg gelöst wird.
Wenn die Arbeiten ruhen, sind Expeditionen im Dyckerhoff-Steinbruch möglich. Vor fünf Jahren hatte das Werk eingeladen und demonstrierte dabei auch, wie der Kalkstein mittels Sprengstoff aus dem Berg gelöst wird. Foto: mba

Damit ist weiter offen, ob die Unternehmen Dyckerhoff (Lengerich) und Calcis (Lienen) die von ihnen angestrebte Verlängerung der Abgrabungsgenehmigung erlangen können. Zwar hatte der Regionalrat schon im Juni beschlossen, dass es keine neuen Abgrabungsfläche im Teutoburger Wald geben soll. Doch die Fraktionen von CDU , FDP und SPD im Regionalrat hatten nach Hintertürchen für die beiden Unternehmen gesucht.

Die Sozialdemokraten regten an zu prüfen, ob eine tiefere Abgrabung genehmigungsfähig sein könnte. Die Christdemokraten und die Liberalen wollten geklärt wissen, ob die im Teutoburger Wald in unmittelbarer Nähe der Steinbrüche ausgewiesenen Naturschutzareale verkleinert werden können. Mit ihrer Mehrheit im Regionalrat brachten Union und Freidemokraten diesen Antrag auf den Weg. Ergebnis? Offen!

Das Thema Kalkabbau kontra Naturschutz kocht seit Jahrzehnten immer wieder mal hoch. 1999, so schien es, wurde ein Schlussstrich gezogen. Die damals ausgesprochene Genehmigung für weitere Abgrabungen sollte zugleich das letztmalige „Ja“ zur Kalksteingewinnung im Teuto sein.

Ob die in der Summe beantragten rund 60 Hektar Fläche für weitere Abgrabungen jemals genehmigt werden? Was dagegen spricht ist die Ausweisung dieses Areals als Schutzgebiet – und zwar nach den strengen FFH-Richtlinien der Europäischen Union.

Bleibt das Thema Versorgungssicherheit. Doch das greift in diesem Fall nicht, sieht doch der neue Teilplan Kalk 910 Hektar Abbauflächen im Münsterland vor – 280 Hektar mehr als im alten Plan. Doch das hilft den beiden Firmen Dyckerhoff und Calcis nicht, da diese Zusatzflächen nicht mal in der Nähe des Teuto liegen.

Als Trost wird bei den Lengericher Zementwerkern gesehen, dass der Kalksteinabbau nicht nur als in Dyckerhoffs, sondern im öffentlichen Interesse bewertet wird. Folgerichtiger Schritt aus Sicht von Dyckerhoff: Eine Prüfung, ob eine Aufhebung der Teilflächen des FFH-Gebietes durch die EU-Kommission in Frage kommen könnte.

Dass die Versorgung mit Rohstoff von anderen Flächen erfolgen könnte – dieses Argument ist für das Lengericher Werk nicht nachvollziehbar. „Die als Alternative ausgewiesenen Flächen sind reine Theorie“, stellt Werksleiter Franz-Josef Barton wenige Tage nach der Regionalratsitzung fest. Nachgewiesenermaßen sei so „keine wirtschaftliche Zementproduktion“ möglich.

„Kaum nachvollziehbar“ ist für den Zementhersteller zudem die Absage an das Angebot, für jeden Hektar Naturschutzfläche, der in Anspruch genommen wird, vier Hektar als Kompensationsfläche herzurichten.

Doch zunächst will sich die Firma auf die Nutzung der genehmigten Flächen konzentrieren. Ein Teil davon ist die Vorbereitung der geplanten Tieferlegung des Steinbruchs Hohne. Kalkabbau und Zementwerk in Lengerich, davon ist der Werksleiter überzeugt, „werden noch für mehrere Jahrzehnte ihren Beitrag zur Versorgung der Bevölkerung und der Wirtschaft mit hochwertigen Zementprodukten leisten“.

Wovon die Bürgerinitiative (BI) Pro Teuto nicht ausgeht. Aus ihrer Sicht ist die Entscheidung des Regionalrats ein „großer Erfolg für den Naturschutz“, weil keine neuen Kalkabbauflächen ausgewiesen werden sollen. Von Gefahr gebannt kann aus Sicht der Umweltschützer keine Rede sein.

In neuen Verfahren könnten wieder Erweiterungsflächen im Teuto beantragt werden. Das könnte den Unternehmen helfen, wenn die Änderungen des Landesentwicklungsplans wie angedacht umgesetzt würden. Mit der Folge, dass sich das aus Sicht der BI „sehr negativ auf den Schutz des Teutoburger Waldes auswirken“ könnte.

Und schließlich, das wird ebenfalls im Juni nach der Sitzung des Regionalrat deutlich, könnte noch ein Plan B zum Tragen kommen. Denn alles unter zehn Hektar Fläche ist für den Regionalplan nicht von Belang. Dort könnte also Kalkstein abgebaut werden – wenn dem kein anderes Recht entgegensteht. Einige Miniaturflächen im Teuto sind tatsächlich ohne FFH-Status.

Ende November kündigt Dyckerhoff an, mit Rodungen am Steinbruch beginnen zu wollen. Dabei handelt es sich nach Firmenangaben um Flächen, deren Abgrabung in der laufenden Genehmigung von 1999 vorgesehen sei, aber bislang noch nicht in Anspruch genommen wurden.

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