Debatte um Abitur-Bewertungen
Das Abi gibt es nicht geschenkt

Lengerich -

Werden „Einser-Abi“ verschenkt? Der Philologenverband fordert strengere Bewertungen von Abiturienten. Wie steht Angelika Heitmann, Leiterin des Hannah-Arendt-Gymnasiums, zu diesem Thema? Die WN haben nachgefragt.

Samstag, 12.01.2019, 12:50 Uhr aktualisiert: 12.01.2019, 16:53 Uhr
Um die zunehmende Zahl von Einser-Abituren ist eine Diskussion entbrannt. Angelika Heitmann (kleines Bild), Leiterin des Hannah-Arendt-Gymnasiums, betont, dass das Abitur keinesfalls geschenkt werde.
Um die zunehmende Zahl von Einser-Abituren ist eine Diskussion entbrannt. Angelika Heitmann (kleines Bild), Leiterin des Hannah-Arendt-Gymnasiums, betont, dass das Abitur keinesfalls geschenkt werde. Foto: Tobias Kleinschmidt

Diese Schlagzeile dürfte Schüler wie Lehrer gleichermaßen aufgerüttelt haben. „Das geschenkte Einser-Abi“ titelte der Mantelteil unserer Zeitung vor wenigen Tagen und löste damit auch in den hiesigen Lehrerzimmern eine Debatte aus. Denn hat derjenige, der mit tollen Leistungen glänzt, diese womöglich nachgeschmissen bekommen? Der Philologenverband jedenfalls fordert strengere Bewertungen von Abiturienten in Deutschland. Wie die Schulleiterin des Hannah-Arendt-Gymnasiums in Lengerich, Angelika Heitmann , darüber denkt? Die WN haben nachgefragt.

Angelika Heitmann kann sich mit der Forderung des Lehrerverbandes nach eigener Aussage „durchaus anfreunden“. Zwar betont sie, dass den Schülern das Abitur am Hannah-Arendt-Gymnasium nach wie vor „keinesfalls geschenkt“ werde. Dass der Notenschnitt an ihrer wie an allen Schulen steige und die Zahl der Einser-Abiturienten zunehme, diesen Eindruck hingegen bestätigt sie sehr wohl – und ist damit keineswegs glücklich.

„Es gibt eine Tendenz, dass eine Eins zur Selbstverständlichkeit wird. So verliert die Bestnote zweifellos an Wert“, ärgert sich die HAG-Schulleiterin und macht das unter anderem an tendenziell vereinfachten Aufgabenstellungen während des Abiturs und veränderten Bewertungsschemata seit Einführung des Zentralabiturs fest.

Was ihr besonders bitter aufstößt, ist die sehr große Bandbreite an Leistungen, die heute mit einem „Sehr gut“ bewertet werden. So gilt aktuell, dass nur 90 Prozent der Aufgaben gelöst werden müssen, um eine Eins zu erhalten. „Das schmälert im Vergleich die herausragenden Leistungen derjenigen, die sich eine Eins wirklich verdient haben“, sagt die Schulleiterin. Außerdem führe es bei einem Teil der Schüler zu einer falschen Selbsteinschätzung, was beispielsweise die Bewältigung eines späteren Studiums anbelange. Auch dieses prangert der Lehrerverband an.

Doch was tun, wenn die äußeren Rahmenbedingungen entsprechend gesteckt sind? „Wir setzen schon früh auf eine intensive Beratung unserer Schüler zu Berufs- und Studienfeldern und zeigen ihnen auch alternative Bildungschancen auf“, erläutert Angelika Heitmann. Von einem distanziert sich die Lengericherin aber sehr wohl: dem Vorwurf, dass Gymnasien mit guten Notendurchschnitten in Konkurrenzkampf zueinander treten. Diesen weist sie entschieden zurück.

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