Verein fordert Kastrationspflicht für Katzen
Unkontrollierbare Vermehrung

Lengerich -

Der Stadtrat in Lengerich wird sich am 22. Januar mit der Frage einer Kastrationspflicht für Katzen befassen. Einen entsprechenden Antrag hat der verein Katzenhilfe Lengerich gestellt. Grund sind die vielen herumstreunenden Tiere.

Samstag, 19.01.2019, 12:42 Uhr aktualisiert: 19.01.2019, 13:00 Uhr
Zuhauf gibt es nach Angaben des Vereins Katzenhilfe Lengerich herrenlose, streunende Tiere in der Stadt. Die seien meist sehr scheu und in einem gesundheitlich schlechten Zustand.
Zuhauf gibt es nach Angaben des Vereins Katzenhilfe Lengerich herrenlose, streunende Tiere in der Stadt. Die seien meist sehr scheu und in einem gesundheitlich schlechten Zustand. Foto: Katzenhilfe Lengerich

Laut dem Statistikportal statista.com gab es 2018 in Deutschland 8,8 Millionen Haustierbesitzer, die eine oder mehrere Katzen hielten. Über 13 Millionen Katzen soll es zwischen Alpen und Nordsee geben. Rechnet man diese Zahlen runter auf Lengerich, bedeutet das, dass ein paar Tausend Menschen und Miezen von einer Entscheidung des Stadtrates betroffen sein könnten. Der befasst sich in seiner Sitzung am Dienstag, 22. Januar, mit dem Thema „Kastrations-, Kennzeichnungs- und Registrierungspflicht für freilaufende Hauskatzen“. Zugrunde liegt dem ein Bürgerantrag des Vereins Katzenhilfe Lengerich. Dessen Vorsitzende Claudia Kliese hat gegenüber den WN erklärt, was es mit dem Vorstoß auf sich hat.

Demnach gibt es im Stadtgebiet zuhauf herumstreunende Katzenpopulationen. Der Verein kümmere sich um mehr als 20 dieser Gruppen. In manchen seien nur fünf Tiere, in anderen bis zu 30, bilanziert Kliese die Situation. Und immer hätten Bürger den Verein über deren Existenz informiert. „Die Dunkelziffer ist sicher hoch“, geht die Aktivistin davon aus, dass noch wesentlich mehr Streuner in Lengerich unterwegs sind.

Bei den Tieren handele es sich überwiegend um weggelaufene oder ausgesetzte Hauskatzen und deren Nachkommen. Sie seien meist sehr scheu, nicht mehr zu vermitteln und daher auch kein Fall fürs Tierheim. Was bleibe, sei die Betreuung durch den Verein Katzenhilfe.

Bekommt der einen Hinweis auf eine neue Gruppe, beginnt das Prozedere nach den Worten von Claudia Kliese mit dem Anfüttern. Mittels einer Wildkamera werde in einem nächsten Schritt ermittelt, um wie viele Tiere es geht. Nach und nach würden die Katzen anschließend eingefangen, zum Tierarzt gebracht, kastriert und untersucht. „Im vergangenen Jahr war nicht eine dabei, die gesund war.“ Vor allem der Befall mit Parasiten sei immer wieder ein großes Thema gewesen. Anschließend werden die Katzen am Fundort wieder frei gelassen und dann täglich von Helfern des Vereins gefüttert.

Um dem Problem Herr zu werden, schlägt die Katzenhilfe nun die Kastrationspflicht vor. Das Beispiel anderer Kommunen – Kliese nennt unter anderem Osnabrück, Senden und Borken, insgesamt existiere eine entsprechende Regelung in 671 Städten und Gemeinden – zeige, dass dieser Schritt auf Dauer Erfolge zeige. Dass es offenbar einen langen Atem braucht, führt die Vorsitzende mit Verweis auf einer Streunergruppe an der LWL-Klinik vor. Schon vor etwa 20 Jahre habe sich eine Bekannte des Falls angenommen. Damals sei es um rund 60 Tiere gegangen. „Heute sind es nur noch zwei.“

Ausnahmen von der Kastrationspflicht sollte es nach Ansicht der Vorsitzenden nur wenige geben. Eine würde natürlich für Züchter gelten. Und wer einen Stubentiger hat, der sich nur im Haus oder der Wohnung aufhält? „Das müssten dann die Besitzer entscheiden.“

Das Grundproblem hinter dem Thema wird im Antrag an den Rat geschildert. Darin heißt es: „Durch Hauskatzen, denen die Besitzer den Zugang ins Freie gewähren ohne diese kastrieren lassen zu haben, erhöht sich sowohl das Risiko der Vermehrung der wilden und verwilderten Katzen, als auch die ungewollte Vermehrung der Hauskatzen. Eine nicht unerhebliche Zahl des auf diese Art entstandenen, ungewünschten Katzennachwuchses wird entweder ausgesetzt oder landet auf direktem Weg in den Tierheimen oder bei der Katzenhilfe.“ Die verwilderten Exemplare seien mit ihrem „hohen Erregerpotenzial“ demnach wiederum ein Gesundheitsrisiko für Hauskatzen. Aber nicht nur für die. „Die erhöhte Population von Katzen stellt auch eine nicht unerhebliche Gefährdung des Menschen dar. Dabei sind in Sonderheit Menschen mit einem effizienzreduzierten Immunsystem gefährdet“, ist im Antrag zu lesen. Angeführt werden unter anderem Schwangere Kinder, Senioren und Asthmatiker.

Dabei weiß Claudia Kliese, dass eine Kastration mehr als ein paar Cent kostet. Etwa 150 Euro müsse man rechnen, sagt sie und fügt hinzu, dass das für manchen Halter wohl ein Problem sei. „Die Katzenhilfe ist da ab und an schon eingesprungen.“ Ob sie nun mit dem Vorstoß im Rat erfolgen haben wird, vermag die Vereinsvorsitzende nicht abzuschätzen. „Ich hoffe es einfach.“

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6330323?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F105%2F175%2F
Fußgänger bewusstlos geschlagen und beklaut
Raubüberfall: Fußgänger bewusstlos geschlagen und beklaut
Nachrichten-Ticker