Hotel „Haus Werlemann“: Auf Rundgang mit dem Investor
Letzte Einblicke vor dem Abriss

Lengerich -

Da ein Messingtürgriff, dort ein alter Bakelitschalter. Bei einem Rundgang durch Haus Werlemann, dessen Abriss bevorsteht, kann man abtauchen in längst vergangene Zeiten. Investor Hendrik Olliges kann verstehen, dass viele Lengericher bei dem Gedanken an den Abriss sentimental werden.

Mittwoch, 13.02.2019, 05:49 Uhr aktualisiert: 13.02.2019, 06:02 Uhr
Das Mobiliar ist weitgehend ausgeräumt worden aus dem ehemaligen Hotel „Haus Werlemann“. Doch die Spuren der Zeit und der Geschäfte sind auch jetzt noch an vielen Stellen zu entdecken. Mit dem weitgehenden Abriss des Gebäudes ist dieses Kapitel Lengericher Geschichte bald beendet.
Das Mobiliar ist weitgehend ausgeräumt worden aus dem ehemaligen Hotel „Haus Werlemann“. Doch die Spuren der Zeit und der Geschäfte sind auch jetzt noch an vielen Stellen zu entdecken. Mit dem weitgehenden Abriss des Gebäudes ist dieses Kapitel Lengericher Geschichte bald beendet. Foto: Paul Meyer zu Brickwedde

Das Stöbern und Gucken lohnt sich. Da ein Messingtürgriff, der sicher an die 100 Jahre alt ist, dort der wunderbare Fliesenboden im Schankraum, der vielen „Haus Werlemann“- Besuchern in Erinnerung bleiben wird, und in der Küche stehen einige volle Glühweinflaschen, deren Inhalt wohl kaum noch Abnehmer finden wird. Hendrik Olliges schaut sich ebenfalls ein wenig um. Der 48-Jährige ist der Investor, der die Immobilie in der Altstadt erworben hat. Dass es eine Menge Lengericher gibt, die beim Gedanken an den bevorstehenden Abriss sentimental werden, kann der Mann aus dem Emsland verstehen.

„Ich habe ein Faible für alte Architektur“, sagt Olliges. Das dürfte auch ein Grund dafür sein, dass er sich darauf eingelassen hat, die prägnante Fassade zur Fußgängerzone stehen zu lassen. Die Mehrkosten, die das verursacht, könnten in den sechsstelligen Euro-Bereich gehen, schätzt er. Trotzdem hat er vor rund eineinhalb Jahren den Kaufvertrag unterzeichnet und danach die konkrete Planung in Angriff genommen.

Im Projektentwicklergeschäft sei er seit 15 Jahren und mit der Drogeriekette Rossmann arbeite er schon lange zusammen, erzählt der Investor weiter. Dadurch sei auch das Vorhaben in Lengerich zustande gekommen. Die Stadt und die Lage hätten ihm gefallen. Faktoren, die ihren Teil dazu beigetragen haben, dass er nun die Realisierung des Großvorhaben konkret angeht.

„Der Abrissbagger soll nächste Woche kommen“, kündigt Olliges an. Zuvor laufen noch einige Vorarbeiten. Strom und Wasser sind bereits abgestellt. Vieles vom Inventar ist weg. Wohin? Manches sei noch über die Voreigentümer gelaufen, so der 48-Jährige. Während er das sagt, ist aber auch noch ein Mann im Haus, der sich für Lokalgeschichte interessiert. Er sucht nach Interessantem und wird fündig. Zudem ist der in Steinfurt ansässige Denkmalpflege-Werkstoffhof auf das Objekt aufmerksam gemacht worden. Fotos haben Mitarbeiter bereits gemacht, nun wollen sie in den nächsten Tagen das ein oder andere Fundstück retten. Die Fliesen sollen unter anderem dazu gehören.

Olliges ist in diesen Dingen gerne behilflich. Aber er wird bei allem Interesse penibel auf seinen Zeitplan schauen. Der sieht vor, dass der Abriss in den nächsten vier bis sechs Wochen über die Bühne geht. Bereits im Herbst soll der Neubau dann fertig sein und Rossmann eröffnen. 700 Quadratmeter Verkaufsfläche werde der Drogeriemarkt haben. Im Obergeschoss entstehen nach Angaben von Olliges zudem zwei Wohnungen, die jeweils knapp 100 Quadratmeter groß sein werden. Während er den Markt für zwölf Jahre vermietet – „plus Verlängerungsoption“ –, will er die Wohnungen verkaufen. Zur Schulstraße hin wird es 30 bewirtschaftete Parkplätze geben, die Dauerparker auch mieten können.

In einem kleinen Raum, der offenbar einmal als Büro gedient hat, ist vieles zurückgeblieben und türmt sich nun auf Tischen oder liegt verstreut auf dem Boden. Darunter sind auch Baupläne. Sie stammen aus dem Februar 1963, sind also 56 Jahre alt. Darauf zu sehen sind Ansichten des Anbaus, der damals konzipiert wurde. Sie dokumentieren, dass das Hotel „Haus Werlemann“ schon in der Vergangenheit Veränderungen erlebt hat. Doch das, was nun bevorsteht, hat eine andere, größere Dimension. Der Besucher, der sich für Historisches interessiert, kommentiert es positiv: „Immerhin bleibt ja die Außenwand zur Fußgängerzone stehen.“

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