Lesung mit Christel Herrmann
Den Lebensmut nicht verloren

Lengerich -

„Das Glas ist halb voll, nicht halb leer.“ Dieses Lebensmotto hat sich Christel Herrmann zu Eigen gemacht. Und sie gab es den Besuchern ihrer Lesung am Montagabend als Botschaft mit auf den Weg. Das, was die Lengericherin über sich und ihren Umgang mit der Krankheit ALS (Amyotrophe Lateralsklerose) in ihren Büchern berichtet, wird die Zuhören sicher noch nachhaltig beschäftigen.

Dienstag, 19.02.2019, 19:15 Uhr aktualisiert: 20.02.2019, 16:52 Uhr
Jürgen Herrmann las aus dem Buch seiner Frau Christel, begleitet von Sophie Wasowski und Dr. Roswitha Apelt (von links).
Jürgen Herrmann las aus dem Buch seiner Frau Christel, begleitet von Sophie Wasowski und Dr. Roswitha Apelt (von links). Foto: Anne Reinker

Über 50 Besucher waren in den Veranstaltungsraum der Stadtsparkasse gekommen. Allein schon das ein Zeichen für das großes Interesse wohl nicht zuletzt an den persönlichen Erfahrungen, die die Autorin in den vergangenen Jahren gemacht hat.

2010 bekam Christel Herrmann die Diagnose, dass sie an der seltenen und nicht heilbaren Nerven-Krankheit leidet. Wie die verläuft, erläuterte Dr. Roswitha Apelt den Gästen. Im Mittelpunkt aber stand das inzwischen vierte Buch von Christel Herrmann, „Heute ist ein guter Tag zum Glücklichsein“, das sie mit Hilfe eines speziellen Computersystems mit ihren Augen schrieb.

Auszüge, auch aus den anderen Büchern, las ihr Mann Jürgen Herrmann stellvertretend vor. Sie geben Einblicke in die Gefühlswelt der Erkrankten und die ihres Mannes, handeln von der Widerstandskraft, dem wirklich Wichtigen und von Hoffnung und Lebensmut.

Nach den ersten Symptomen in Händen und Füßen war die Diagnose für das Ehepaar Herrmann ein Schlag. Zumal eine Lebenserwartung von nur noch bis zu fünf Jahren prognostiziert wurde. „Sie haben noch einiges vor sich“, sprach Dr. Roswitha Apelt am Montag ihre Patientin an und erinnerte an den berühmten 2018 verstorbenen Wissenschaftler Stephen Hawking, der über 50 Jahre mit ALS lebte.

Ihre Eindrücke und Erinnerungen an Urlaubsreisen, an „gute und schlechte Tage“ hielt Christel Herrmann fest. „Oft bin ich dem Heulen nah“, schrieb sie 2010. Vier Jahre später handelt das nächste Schriftwerk vom Aufenthalt in einer Kurzzeitpflege und den immer größer werdenden körperlichen Einschränkungen. Auch die neue Partnerin ihres Mannes, Sophie Wasowski, thematisierte sie. „Ich war selber erstaunt, dass ich nicht eifersüchtig bin“, so Christel Herrmann. „Wir lieben uns noch, aber anders.“ Ihr Mann wurde durch Sophie Wasowski „aufgefangen“ und es „ist wieder eine Perspektive für ihn da“.

Heute sind es die kleinen Genüsse, auf die es für die Lengericherin ankommt. „Es mag alles erdrückend aussehen, es ist aber nicht so“, so Christel Herrmann. Ihre Schilderung der Freude am Genuss von Bandnudeln, wozu es die Zustimmung der Heimleitung, der Küche und des Pflegedienstes ihrer Einrichtung brauchte, erzeugte bei den Zuhörern Heiterkeit. In den vergangenen Monaten habe es viele Tage gegeben, an denen sie am liebsten Winterschlaf gehalten hätte, schreibt die Lengericherin. „Aber das kann ich ja immer noch, wenn ich in die Urne riesele“, brachte sie die Besucher mit ihrem schwarzen Humor zum Lachen.

Die Eindrücke der Zuhörer brachte eine Besucherin anschließend auf dem Punkt: „Danke, dass Sie uns an Ihrem Leben teilhaben lassen.“

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