VR-Bank Kreis Steinfurt
Der Millionen-Mausklick

Lengerich -

Alles wird anders. Wird komplett neu: Das gilt für ausnahmslos alle 527 Mitarbeiter der VR-Bank Kreis Steinfurt. Ob Kundenberater oder Vorstand, an allen Standorten, in allen Filialen und Büros gibt es neue Software für alle Computer, Laptops, Tablets, Geldautomaten, Kontoauszugsdrucker. Am zweiten März-Wochenende ist es soweit: Nach vier Jahren Vorbereitung, nach mehr als 11 000 Stunden Mitarbeiterschulung und ebenso vielen Stunden Projektarbeit macht sich die VR-Bank computertechnisch fit für die digitale, die mobile Zukunft.

Mittwoch, 06.03.2019, 12:43 Uhr aktualisiert: 06.03.2019, 12:50 Uhr
Computer, Bildschirme, Telefone und ein sehr motiviertes Team: Die Software-Umstellung für über 700 Computer und alle SB-Terminals bei der VR-Bank Kreis Steinfurt am kommenden Wochenende kann kommen. Im Leitstand werden alle Fäden zusammenlaufen. Michael Kellinghaus (3.von links) und Christoph Roß (rechts) werden ihn managen.
Computer, Bildschirme, Telefone und ein sehr motiviertes Team: Die Software-Umstellung für über 700 Computer und alle SB-Terminals bei der VR-Bank Kreis Steinfurt am kommenden Wochenende kann kommen. Im Leitstand werden alle Fäden zusammenlaufen. Michael Kellinghaus (3. von links) und Christoph Roß (rechts) werden ihn managen. Foto: Henrichmann

Nur einer. Ein kleiner Mausklick am Laptop. Der rechte Zeigefinger von Christoph Roß (36) wird das erledigen. Wird nach zwei Jahren intensiver Vorarbeit ein Mega-Projekt in Gang setzen. Dieser eine Klick wird alle Computer der VR-Bank in Lengerich außer Betrieb nehmen. Alle Geldautomaten, alle Kontoauszugsdrucker, das Online-Banking, die mobile VR-Banking-App und, und, und . . .

Nichts geht mehr, ein ganzes Wochenende lang. Nicht nur in Lengerich, überall im Geschäftsgebiet der VR-Bank Kreis Steinfurt. Termin für den Mausklick ist am kommenden Freitag, 8. März, genau um 12 Uhr. In der Bank wurde dafür ein Veranstaltungsraum komplett umgemodelt: Für ein heißes Wochenende lang steht dort der Leitstand für die komplette Software-Umstellung an über 700 Computern in 46 Geschäftsstellen – inklusive SB-Center –, an 80 Geldautomaten und 75 SB-Geräten. Christoph Roß – er ist mitverantwortlich dafür, dass alles rund läuft am Leitstand – geht locker ran an diesen Mausklick, der die Bank in die digitale Zukunft klicken wird: „Wir sind sehr gut vorbereitet“, sagt er.

Der Raum für diese Schalt- und Kontrollzentrale bei der anstehenden Software-Umstellung findet sich in der ersten Etage der Hauptstelle Rheine. Der Raum ist groß. An den nüchternen, büromöbel-hellbraunen Tischen ist reichlich Platz für Christoph Roß und Michael Kellinghaus (42). Sie werden gemeinsam mit einem Team von über 20 Mitarbeitern aus allen Standorten den Leitstand managen.

Hektische Betriebsamkeit ist zu erwarten, „aber wir sind gut vorbereitet“, sagt Roß. Die IT-Experten der Bank haben den Leitstand mit Bildschirmen, Laptop-Rechnern und Telefonen ausgestattet. Sie haben etliche Meter Kabel stolpersicher auf den Boden geklebt und eine Telefonzentrale mit acht Arbeitsplätzen eingerichtet. Freitag, der 8. März, kann kommen.

Großprojekt für alle Volksbanken in der Region

 Agree21 wurde speziell für Bank-Nutzungen entwickelt. Die Umstellung auf das neue Computer-Programm ist eines der größten Projekte, das die Volksbanken der Region je bewältigt haben. Und eines der teuersten: Computertechnik, IT und EDV sind sehr kostenintensiv, erklärt Bereichsleiter Michael Bücker (Ibbenbüren), einer der beiden Projektleiter für die Software-Umstellung. Gewünscht hat man sich die Umstellung bei der VR-Bank nicht. Schon seit Ewigkeiten arbeitet die Bank in Sachen EDV mit einem Dienstleister aus Münster zusammen: Die GAD (Gesellschaft für automatische Datenverarbeitung; knapp 2000 Mitarbeiter) ist quasi das Rechenzentrum für die lokale VR-Bank. Die GAD fusionierte 2014 mit dem IT-Dienstleister Fiducia (Karlsruhe) zu einem neuen Konzern, der rund 900 genossenschaftliche Banken in ganz Deutschland betreut. Im Zuge der Fusion wurde auf Grundlage der Fiducia-Software „Agree21“ entwickelt, auf die nun etwa 400 Volksbanken umstellen. So läuft seit 2014 das Mega-Projekt Software-Umstellung. VR-Bank-Experten waren beteiligt, mit der Fiducia & GAD IT AG die technischen Grundlagen zu entwickeln. Seit 2016 hat ein 15-köpfiges Kern-Projektteam die Umstellung hausintern intensiv vorbereitet. Insgesamt waren über 100 Mitarbeiter beteiligt. Vom seit 15 Jahren genutzten, alten Software-Programm namens „Bank21“, das alle Mitarbeiter in- und auswendig kennen, bleibt fast nichts übrig. „Agree21“ ist ein komplett neues, so genanntes Kernbanksystem zur Verwaltung von Kundendaten, für Überweisungen und Wertpapiergeschäfte, für Bank-Automaten und für online wie auch mobile Bank-Anwendungen – kurz gesagt für alle Aktivitäten.

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Ab dem späten Vormittag ist der Leitstand besetzt. Wenn das mit dem Mausklick erledigt sein wird, wenn die VR-Bank quasi „offline“ ist, geht es los mit der Arbeit für die Installation der neuen Software mit Namen „Agree21“. Zeitdruck: Montagmorgen – spätestens – muss alles wieder ordentlich laufen. Damit die Kunden wieder Geld holen können, Kontoauszüge drucken und damit das Online-Banking wieder läuft.

„Wir erledigen am Freitagnachmittag die ersten Schritte für die Software-Umstellung“, sagt Christoph Roß. Zahllose Kontrollen, viele Vorbereitungen, immer wieder Tests – das Leitstand-Team wird alle Hände voll zu tun haben. Alleine ist man dabei nicht: Zur Unterstützung sind etliche Mitarbeiter aus dem Rechenzentrum der Fiducia & GAD IT AG dabei. Der Dienstleister aus Münster hat die neue Software „Agree21“ entwickelt und schon über 100 Volksbanken bundesweit umgestellt.

„Wenn alle Vorbereitungen erledigt sind, können wir am Leitstand nichts mehr machen“, sagt Christoph Roß. Und deshalb ist am späten Freitagnachmittag Feierabend angesagt. Fast: „Natürlich haben wir alle Rufbereitschaft. Handy am Bett, so wird das sein“, sagt Roß. Nötig ist das, weil in der Nacht zum Samstag, 9. März, insgesamt 16 Stunden lang die neue Software per Datenleitung online auf alle Rechner und SB-Geräte an allen Standorten aufgespielt wird.

Während Lengerich schläft, werden aus dem Rechenzentrum in Münster 126 000 Datensätze für Privat- und 13 000 für Firmenkunden sowie über 400 000 Kontendaten an die Rechner der VR-Bank in der Region übertragen. Wenn´s hakt, klingeln die Handys. Aber: Optimismus – „unter normalen Umständen passiert da nichts. Wir hatten ja schon Testläufe, es wird klappen.“ Christoph Roß und Michael Kellinghaus sind ganz sicher.

Sie und ihr Team müssen am Samstag früh aus den Federn: Ab 7 Uhr ist der Leitstand wieder voll besetzt. Der Anzug bleibt im Schrank, locker ist angesagt. Extra gemachte „Agree21“-T-Shirts sorgen auch optisch für Teamgeist am Leitstand: „Da wird gearbeitet, da braucht man keinen Anzug“, sagt Roß. Was man aber braucht, sind Kaffee und Brötchen. Auch eine Gulaschsuppe für mittags ist geordert, süße Nervennahrung und gesundes Obst werden über den stressigen Tag helfen.

„Das ist eben keine Routine. Das ist ein ganz besonderer Tag“, blickt Roß nach vorne. Wenn das Team in Rheine die ersten Tests und Kontrollen der nächtlichen Datenübertragung erledigt hat, ist am Samstag ab 11.30 Uhr für ausnahmslos alle 527 VR-Bank-Mitarbeiter Dienst angesagt. Alle Arbeitsplätze in allen Geschäftsstellen werden besetzt. Alle Computer werden hochgefahren – und es wird getestet, ob wirklich alles läuft mit der neuen Software. Ein spannender Tag. Ein Tag mit Hunderten von Telefonaten am Leitstand: positive Rückmeldungen wenn´s gut läuft, hektische, wenn´s Probleme gibt. Erstes Ziel: Die SB-Geräte müssen wieder funktionieren und die Girocards wieder freigeschaltet werden.

Michael Kellinghaus wird der erste sein, der genau weiß, ob wirklich alles im grünen Bereich ist: Am Samstag – geplant für 11.15 Uhr – geht der Mitarbeiter der VR-Bank mal kurz spazieren. Verlässt den Leitstand und macht etwas, dass er im Normalfall wohl nicht tun würde: Er geht zu einem beliebigen Bankautomaten eines Mitbewerbers. „Ich mache die Probe aufs Exempel. Ich werde 400 Euro mit meiner Girocard von meinem privaten Konto abheben.“

Spuckt der Geldautomat was aus, wird Kellinghaus ganz bestimmt zufrieden lächeln. Und er wird sofort sein Handy zücken, wird die Kollegen im Leitstand anrufen und Bescheid sagen. Er macht das auch, wenn´s nicht geklappt hat.

Mit Zuversicht wird sich am Samstag auch Bank-Vorstand Ulrich Weßeler in Emsdetten in sein Auto setzen und nach Rheine fahren. Auch sein Kollege Hubert Overesch kommt zum Leitstand in die Bank-Zentrale. Logisch, dass auch die beiden wissen möchten, ob das Mega-Projekt Software-Umstellung gut läuft. Und ein bisschen Formalkram sowie die letztendliche Freigabe der Umstellung durch die Chefetage müssen die beiden zudem erledigen.

Der Rest des Samstags ist „strukturiertes Arbeiten nach einem minutengenauen Fahrplan“, sagt Christoph Roß. Die Kollegen aus den Geschäftsstellen verabschieden sich wieder, wenn dort alles reibungslos geklappt hat. Für das Leitstand-Team wird irgendwann am Abend Schluss sein. Genau dann, wenn alle davon überzeugt sind, dass ab Montagmorgen der tägliche Normalbetrieb wieder laufen kann. Wenn also der Mausklick in die digitale Zukunft erfolgreich bewältigt worden ist.

Gibt es einen „Notfallplan B“? Ja, gibt es: Sonntag. Sonntag ist quasi der Reserve-Tag für Problemlösungen aller Art. Und Nacharbeiten geht auch: Der Leitstand für die Software-Umstellung der VR-Bank wird noch die ganze Woche besetzt sein. Sicher ist sicher.

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