Windmöller & Hölscher
Wunsch ist noch nicht Wirklichkeit

Lengerich -

Der Nationale Pakt für Frauen in MINT-Berufen setzt sich seit dem Jahr 2008 dafür ein, dass Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik von mehr Frauen bei der Berufswahl den Zuschlag erhalten. Das Unternehmen Windmöller & Hölscher ist das 300. Mitglied des Pakts. In der Feierstunde wurde deutlich, dass es vom Wunsch zur Wirklichkeit kein einfacher Weg ist.

Samstag, 09.03.2019, 06:33 Uhr aktualisiert: 09.03.2019, 06:50 Uhr
Nach der offiziellen Feierstunde ließ sich Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (vorne rechts) durch das W & H-Technikum führen und die Maschinen erläutern.
Nach der offiziellen Feierstunde ließ sich Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (vorne rechts) durch das W & H-Technikum führen und die Maschinen erläutern. Foto: Michael Baar

Deutschland ist die vierstärkste Wirtschaftsnation der Erde, stellt zugleich „nur“ ein Prozent der Weltbevölkerung. „Es geht uns so gut wie noch nie“, stellt Anja Karliczek fest. Im gleichen Atemzug warnt die Bundesbildungsministerin, dass „der Fachkräftemangel zur Wachstumsbremse werden“ könnte. Mit einschneidenden Folgen für die Wohlstandsgesellschaft. Ein Rezept zum Gegensteuern: Mehr Frauen in MINT-Berufe.

Ob Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften oder Technik: vor elf Jahren hat sich der Nationale Pakt für Frauen in MINT-Berufen gegründet. Beim Start waren 46 Unternehmen dabei. Mit dem Lengericher Verpackungsmaschinenbauer Windmöller & Hölscher wurde am Freitag das 300. Mitglied begrüßt. Das Familienunternehmen bemüht sich, Frauen für einen Job zu begeistern, tut sich damit aber schwer. Das räumt CEO Dr. Jürgen Vutz bei der Feierstunde ein.

„Wir sind nicht da, wo wir hinwollen“, konstatiert er angesichts einer Frauenquote von acht Prozent im Unternehmen. Dass in den vergangenen sechs Jahren 650 neue Mitarbeiter eingestellt wurden, belegt das enorme Potenzial des Weltmarktführers. „Leider waren darunter nur 37 Frauen.“ Hier müsse W & H an sich arbeiten, schließlich „liegt es nicht an der Qualifikation, sondern an fehlenden Bewerbungen von Frauen“.

Für Jürgen Vutz sind Fachkräfte der Brennstoff für den Motor, damit die deutsche Wirtschaft auf dem Weltmarkt bestehen kann. „Deutschland ist einer der größten Technologie-Exporteure.“ Bildung sei der wichtigste Rohstoff und da seien Frauen ein unverzichtbarer Bestandteil. Auch für den „hidden champion“ Windmöller & Hölscher mit seinen weltweit 3000 Mitarbeitern, davon 2000 am Standort Lengerich, von denen 1700 einen MINT-Ausbildungshintergrund haben.

Dass der Nationale Pakt schon etwas bewirkt hat, belegt Sybille Benning mit Zahlen. 2008 hätten 60 000 Frauen ein Studium im MINT-Bereich aufgenommen, zehn Jahre später seien es 115 000 gewesen. Fast jeder dritte MINT-Studierende sei damit weiblich, so die Bundestagsabgeordnete und Vize-Vorsitzende des Ausschusses für Bildung, Forschung und Technikfolgenabschätzung. „Die Gestaltung des digitalen Zeitalters ist ohne Frauen gar nicht denkbar“, stellt die Münsteranerin fest.

Kommentar

Zwischen Ausbildung und Job hakt es

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Die Zahl der Studentinnen, die sich in einem Fach aus den Bereichen Mathematik, Information, Naturwissenschaften, Technik eingeschrieben haben, hat sich in den vergangenen zehn Jahren fast verdoppelt. Das ist für den Wirtschaftsstandort Deutschland wichtig. Der Nationale Pakt für Frauen in MINT-Berufen reklamiert das als Erfolg seiner Arbeit.

Doch diese Fachkräfte scheinen in der Fläche nicht anzukommen. Vergeblich bemüht sich das Unternehmen Windmöller & Hölscher, den Frauenanteil unter den Beschäftigten signifikant zu erhöhen. Dabei ist der Maschinenbauer ein Weltmarktführer auf Wachstumskurs, teilt sich das Problem mit vielen Mittelständlern.

Zwischen Ausbildung und Einstieg in den Arbeitsmarkt klemmt es. An den weichen Faktoren – Kinderbetreuung, flexible Arbeitszeit – kann es nicht liegen. Den jungen Frauen scheint etwas zu fehlen. Die Frage was, ist ungleich einfacher gestellt als eine Antwort gegeben. Michael Baar

Für Anja Karliczek stehen drei Dinge fest: Junge Frauen bringen von der Schule und der sozialen Kompetenz her beste Voraussetzungen mit. Frauen schauen anders auf Probleme, sie geben Impulse und fördern die Kreativität. Jeder Mensch sollte eine individuelle Lebensperspektive haben, den Beruf ergreifen zu können, der zu ihm passt. „Wir können auf keinen verzichten, müssen jedem eine Chance ermöglichen.“

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