Die Trends der Gartensaison
Bunt und bienenfreundlich

Lengerich -

Am 20. März ist Frühlingsanfang. Für Garten- und Balkonbesitzer ein Termin, an dem sich die Gedanken spätestens auf die bevorstehenden warmen Monate richten. Dann soll wieder viel Zeit im Freien verbracht werden. Doch bevor man es sich auf Terrasse oder Balkon gemütlich macht, ist einiges an Vorbereitung zu erledigen. Michael Reiffenschneider, Gärtnermeister mit der Fachrichtung Garten- und Landschaftsbau und eigenem Unternehmen, hat im Gespräch mit WN-Redakteur Michael Baar verraten, was es zu beachten gilt und was angesagt ist.

Samstag, 16.03.2019, 12:21 Uhr aktualisiert: 16.03.2019, 12:30 Uhr
So farbenfroh könnte ein bienenfreundliches Staudenbeet aussehen. Angesagt sind nach Angaben von Michael Reiffenschneider Outdoorküchen mit Hochbeet-Kräutergarten sowie in die Gartenlandschaft integrierte Pools. Das wird beispielsweise durch Spalierobst erreicht.
So farbenfroh könnte ein bienenfreundliches Staudenbeet aussehen. Angesagt sind nach Angaben von Michael Reiffenschneider Outdoorküchen mit Hochbeet-Kräutergarten sowie in die Gartenlandschaft integrierte Pools. Das wird beispielsweise durch Spalierobst erreicht. Foto: Reiffenschneider

Gartenstühle herausholen, hinsetzen und genießen – so einfach ist es doch nicht?

Reiffenschneider: Das könnte man so machen. Für entspannte Stunden im heimischen grünen Raum sollte man allerdings einige Vorbereitungen treffen.

Das heißt für Gartenbesitzer?

Reiffenschneider: Der Boden sollte in Augenschein genommen werden. Ist er verunkrautet, sollte er ausgewechselt werden. Dazu nimmt man guten Mutterboden und Kompost, beispielsweise aus dem Werk des Kreises Steinfurt in Saerbeck. Bei Blühstreifen sollte der Boden mit Sand abgemagert werden. Dann setzen sich nicht die Gräser durch, sondern die Blühpflanzen.

Das Insektensterben ist ein großes Thema, auch für Gartenbesitzer, die gegensteuern wollen?

Reiffenschneider: Das ist in der Tat ein Trend. Blühwiesen sind angesagt. Pflanzen wie Echinacea, Rosen oder blühendes Efeu, eventuell Schafgarbe und Storchenschnabel sind eine gute Futterquelle für Insekten.

Gilt das auch für Obstbäume?

Reiffenschneider: Ja. Vor rund zehn Jahren haben sich viele Gartenbesitzer von ihren Obstbäumen getrennt. Jetzt pflanzen wir in jedem zweiten Garten Spalierobst. Die Bäume werden nur zwei bis zweieinhalb Meter hoch, bringen eine Obsternte und locken in der Blüte Insekten an.

Ob Blumen, Stauden oder Bäume – sollte man bei der Auswahl etwas beachten?

Reiffenschneider: Für Blüten gilt, je einfacher sie gebaut sind, desto leichter haben es Insekten, an ihre Nahrungsquelle zu gelangen. In gefüllte Blüten kommen sie nicht hinein. Schön ist natürlich auch, wenn man auf die Mischung der Gewächse achtet.

Bedeutet das das Aus für immergrüne Pflanzen?

Reiffenschneider: Keineswegs. Immergrüne Hecken, Lebensbäume oder Lorbeer, um Beispiele zu nennen, werden immer noch nachgefragt. Da geht es dann meistens um die Abgrenzung des Grundstücks.

Zum Streitthema sind die „Gärten des Grauens“ geworden: mit Steinen gefüllte Metallgeflechte. Zu Recht?

Reiffenschneider: Ein Vorgarten oder Garten, der von Steinen dominiert wird, ist sicherlich kein schöner natürlicher Anblick.

Haben diese Gabionen auch Vorteile?

Reiffenschneider: Für Eidechsen und andere Tiere ist das ein guter Rückzugsort, das sollte nicht vergessen werden.

Aber diese Steingebilde sind pflegeleicht?

Reiffenschneider: Ein Irrglaube. Ob gekieste Flächen oder Gabionen, Flugbesamung fördert die Entstehung von Unkraut zwischen den Steinen. Das muss herausgezupft werden. Laub legt sich auf und zwischen die Steine. Mit den Jahren bilden sich Moose.

Was wäre die Alternative?

Reiffenschneider: Bodendecker und Stauden. Die geben dem Unkraut keinen Platz und sehen schöner aus. Außerdem ermöglichen sie das Versickern von Regenwasser, im Gegensatz zu Schotter, unter dem oft eine Plastik- oder Vliesdecke ausgelegt ist.

Und die Privatsphäre?

Reiffenschneider: Muss nicht auf der Strecke bleiben. Bäume und hohe Gräser sorgen dafür, binden Feinstaub und produzieren Sauerstoff.

Wohin geht der Trend bei der Gartengestaltung?

Reiffenschneider: Eindeutig in Richtung Erholung, Wellness, Gesundheit. Der Garten wird zum Rückzugsort, in dem man sich mit der Familie oder Freunden trifft.

Und auch mal den Grill anfeuert?

Reiffenschneider: Sicherlich, aber auch da geht es in Richtung Gartenküche zum Grillen oder Kochen.

Eine Küchenzeile im Garten?

Reiffenschneider: Ja, eine Outdoor-Küche ist keine Seltenheit, ebenso wie Kamine, die mehr als nur Feuer und Wärme spenden.

Dann dürfte eine Kräuterecke nicht fehlen, oder?

Reiffenschneider: Natürlich nicht. Die wird gerne als Hochbeet angelegt mit verschiedenen Kräutern außen und einem Blüher, beispielsweise einer Rose, in der Mitte.

Wie hoch sollte ein Hochbeet denn sein?

Reiffenschneider: 90 Zentimeter sind ein gutes Maß. Dann sind die Kräuter auch für Senioren problemlos zu erreichen, selbst wenn man auf einen Rollator angewiesen ist. Zudem bildet                                                                       ein Hochbeet ein natürliches Hindernis für Schnecken und Kaninchen.

Und die Kinder . . .

Reiffenschneider: . . . freuen sich über einen Naschgarten. Ein kleiner, abgetrennter Bereich, in dem beispielsweise Erdbeeren oder Himbeeren wachsen.

Wer keinen Garten, sondern einen Balkon hat, geht leer aus?

Reiffenschneider: Keineswegs. Ob Erdbeere oder Himbeere, die wachsen auch in Töpfen der Ernte entgegen.

Wann sollte man im Frühjahr mit dem Pflanzen beginnen?

Reiffenschneider: Wenn es frostfrei ist, so Mitte bis Ende März. Gibt es doch einmal Spätfröste, sollten die Pflanzen mit einem übergelegten Vlies geschützt werden.

Hat der heiße und lange Sommer im vergangenen Jahr zu Reaktionen bei ihren Kunden geführt?

Reiffenschneider: Bewässerung ist bei jedem dritten Kunden ein Thema. Eine Beregnungsanlage lässt sich mit wenig Aufwand installieren.

Werden Swimmingpools ebenfalls verstärkt nachgefragt?

Reiffenschneider: Schwimmbecken, Tauchbecken oder Whirlpool sind regelmäßig ein Thema. Gerade bei Swimmingpools geht der Trend zu einem naturnah gestalteten Umfeld, was das Becken dann eher wie einen Schwimmteich erscheinen lässt.

Was tut sich beim Thema Beleuchtung?

Reiffenschneider: Punktuelle Illumination ist angesagt. Dadurch kann man gerade auch im Winter optische Akzente setzen, in dem ein Baum oder Gras angestrahlt wird.

Sie haben 33 Mitarbeiter, darunter acht Auszubildende. Ist es leicht, junge Leute für den Beruf zu begeistern?

Reiffenschneider: Es ist ein abwechslungsreicher Beruf, das erkennen viele Heranwachsende, wenn sie ein Praktikum bei uns machen. Nach Abschluss der Schule bewerben sie sich dann bei uns.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6473205?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F105%2F175%2F
Live-Auftritt krönt Teilnahme von Steinfurterin bei „Dein Song“
Finale von Kika-Sendung: Live-Auftritt krönt Teilnahme von Steinfurterin bei „Dein Song“
Nachrichten-Ticker