31-Jähriger war vorbestraft
Sechs Monate Haft nach Hausfriedensbruch in Arztpraxis

Lengerich/Tecklenburg -

Der Mann hatte in einer Arztpraxis den Hausfrieden gebrochen, Monate später in einer Tedi-Filiale einen Kunden verletzt und beleidigt. Vom Amtsgericht Tecklenburg erhielt er jetzt die Quittung für sein Verhalten.

Dienstag, 19.03.2019, 12:44 Uhr aktualisiert: 19.03.2019, 13:33 Uhr
Das Amtsgericht Tecklenburg. 
Das Amtsgericht Tecklenburg.  Foto: Michael Baar

„Eine Bewährung halte ich nicht für richtig“, machte der Richter am Amtsgericht Tecklenburg deutlich, dass für ihn das Ende der Fahnenstange erreicht ist.

Einschlägig vorbestraft

Wegen Hausfriedensbruchs in einer Arztpraxis im Mai 2018, Beleidigung in Tateinheit mit übler Nachrede in einem Rewe-Markt (Mai 2018) sowie Körperverletzung und Beleidigung in einer Tedi-Filiale im November 2018 verurteilte er einen mehrfach einschlägig vorbestraften Mann aus Lengerich jetzt zu einer Freiheitsstrafe von sechs Monaten.

Während des ersten Hauptverhandlungstermins drei Wochen zuvor hatten Mitarbeiter der Praxis bestätigt, dass sich der 31-Jährige laut und aggressiv verhalten und sich über das deshalb verhängte Hausverbot hinweggesetzt hatte (WN berichteten). Im Rewe-Markt hatten Zeugen miterlebt, wie der Lengericher eine Bekannte beleidigt und ihr unterstellt hatte, sie würde ihre Geschwister bestehlen. Für die Körperverletzung und Beleidigung ein halbes Jahr später in der Tedi-Filiale gab es ebenfalls Zeugen, die gesehen hatten, dass der Angeklagte einen Mann in den Schwitzkasten genommen, ihn gegen ein Regal gedrückt und beschimpft hatte. Während der drei Taten stand der 31-Jährige unter laufender Bewährung.

Drei Zeuginnen befragt

In der Fortsetzungsverhandlung am Freitag sollten drei weitere Zeuginnen zu den Tatvorwürfen vernommen werden. Die Ehefrau des Angeklagten machte aber von ihrem Zeugnisverweigerungsrecht Gebrauch, so dass die Vorgeschichte zu der Attacke ihres Mannes auf den Zeugen im Tedi nicht geklärt werden konnte. Auch die zweite Zeugin, die bei dem Vorfall in der Nähe war, konnte kein Licht ins Dunkel bringen. Eine weitere Praxis-Mitarbeiterin bestätigte indes das wilde Gebaren des 31-Jährigen am Tag des Geschehens im Mai 2018.

Im Wesentlichen zutreffend sah der Vertreter der Staatsanwaltschaft denn auch die Anklagevorwürfe und forderte eine Geldstrafe von 1200 Euro. Er stützte sich auf die Aussagen der glaubhaften Zeugen und im Falle der Körperverletzung bei Tedi auf das Geständnis des Angeklagten.

Das war selbst dem Verteidiger des 31-Jährigen zu wenig. Wegen der einschlägigen Vorstrafen gehe es vielleicht in den Bereich einer kurzen Freiheitsstrafe, überlegte er laut. Die müsse aber zur Bewährung ausgesetzt werden, brach er eine Lanze für seinen Mandanten.

Dessen Bewährungshelfer hatte zwar keine günstige Prognose, sein rechtlicher Betreuer aber ein wenig Licht am Horizont gesehen, was den Umgang des Mannes mit Behörden und ähnlichen Institutionen angehe.

Tat unter laufender Bewährung

Das Gericht beeindruckte die Ausführungen wenig. Es führte nicht nur die Taten unter laufender Bewährung und das lange einschlägige Vorstrafenregister ins Feld, sondern relativierte auch die „Geständnisse ohne Einsicht“. Zudem habe der Angeklagte andere beschuldigt, ihn verletzt zu haben. „Sie werden sich nicht ändern“, stellte er klar, dass für ihn eine Bewährung nicht in Frage komme. „Mag sein, dass die Kammer das anders sieht“, machte er deutlich, dass er mit der Einlegung eines Rechtsmittels rechnet.

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