Historischer Atlas für Lengerich
Viel mehr als eine Kartensammlung

Lengerich -

Auch wenn der Ausgangspunkt das erste Katasterblatt aus dem 19. Jahrhundert ist – die Informationen über Lengerich, die im entsprechenden Band der Buchreihe „Historischer Atlas westfälischer Städte“ enthalten sind, reichen wesentlicher weiter in die Vergangenheit.

Donnerstag, 21.03.2019, 06:24 Uhr aktualisiert: 21.03.2019, 06:50 Uhr
Von einer „kleinen Stadtgeschichte“ sprach Dr. Mechthild Black-Veldtrup bei der Präsentation des elften Bandes in der Reihe „Historischer Atlas westfälischer Städte“, der sich mit Lengerich befasst.
Von einer „kleinen Stadtgeschichte“ sprach Dr. Mechthild Black-Veldtrup bei der Präsentation des elften Bandes in der Reihe „Historischer Atlas westfälischer Städte“, der sich mit Lengerich befasst. Foto: mba

Das ist am Dienstagabend beim Vortrag von Dr. Christof Spannhoff deutlich geworden. Er sprach anlässlich der offiziellen Vorstellung dieses Werkes.

Der Historiker hatte einen ungewöhnlichen Ansatz für seinen Vortrag gewählt: „Warum ist Lengerich Stadt geworden und Lienen nicht?“ Die Ausgangslage sei ähnlich gewesen: Lage am Deetweg, der am Südrand des Teutoburger Waldes verlief. Was dem heutigen Erholungsort, in dem der Referent wohnt, damals fehlte, „war die Kreuzung mit dem Verbindungsweg von Osnabrück nach Münster“. Die Strecken haben sich in etwa dort gekreuzt, wo heute der Rathausplatz ist.

„Diese verkehrsgünstige Lage war für Lengerich von Vorteil.“ Seit dem 13. Jahrhundert habe es eine Zollstelle gegeben, Die dadurch erzielten Einnahmen hätten die Entwicklung des Ortes gefördert. Ebenfalls ein Plus   für Lengerich war der Bau einer Kirche. „Im zehnten oder elften Jahrhundert ist das erste Gotteshaus errichtet worden. Genau lässt es sich nicht mehr feststellen“, so Christof Spannhoff.

Sicher sei nur, dass das vor 1150 gewesen sein muss. Ein zweiter Bau wurde nach einem Brand in jenem Jahr auf den Fundamenten des abgebrannten Gebäudes errichtet. Doch auch diese Kirche blieb nicht lange stehen. „Kurz vor dem Jahr 1250 ist ein dritter Kirchenbau umgesetzt worden.“ Damals wurde das Gotteshaus auf die Breite des heutigen Hauptschiffs ausgedehnt, berichtete er. Ein erster Turm wurde im 12. oder 13. Jahrhundert gebaut. In seiner heutigen Ausdehnung ist er dann 1350 errichtet worden.

Wann die Kirche zum Wallfahrtsort geworden ist, stehe nicht fest. Urkundliche überliefert sei nur eine Eintragung aus dem Jahr 1321, „in dem ein blühender Kult“ erwähnt werde. Der Pilgerstrom förderte die Entwicklung der Stadt, fand aber im Jahr 1538 ein jähes Ende, als Graf Konrad von Tecklenburg das lutherische Bekenntnis in seinem Hoheitsgebiet anordnete.

Über den Dreißigjährigen Krieg und das Lengericher Conclusum führte Christof Spannhoff die Zuhörer bis in die Neuzeit. Der Bau des Eisenbahntunnels – nachdem die Entscheidung für Lengerich gefallen war als Ort, an dem der Teuto unterquert werden soll – führte zu einem weiteren Aufschwung.

Unterstützt durch Bilder und Karten, würzte der Referent seine Ausführungen immer wieder mit kleinen Anekdoten. Die Zuhörer dürften sich gut unterhalten gefühlt haben.

Das der Historische Atlas über Lengerich „relativ dick“ geworden sei, begründete Dr. Mechthild Black-Veldtrup von der Historischen Kommission für Westfalen augenzwinkernd mit der Tatsache, dass Christof Spannhoff im Nachbarort wohne. „Eigentlich hat er eine kleine Stadtgeschichte geliefert“, stellte sie fest. „Einen besseren Autor für Lengerich kann ich mir nicht vorstellen“, lobte sie.

Bürgermeister Wilhelm Möhrke fand das Buch aus zwei Gründen bemerkenswert: Zum einen zeige es sehr anschaulich auf, wie sich die Stadt entwickelt habe. Zum anderen sei es erst die elfte Kommune in Westfalen, die in diesem historischen Zusammenhang präsentiert werde.

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