Hermannsweg: Umleitung wegen Steinbrucherweiterung
Ist der Pfad „nicht zumutbar“?

Lengerich/Lienen -

An der Grenze zwischen Lengerich und Lienen müssen Wanderer auf dem Hermannsweg seit Kurzem einen Umweg in Kauf nehmen. Grund ist die Erweiterung eines Dyckerhoff-Steinbruchs. Von der Bürgerinitiative Pro Teuto, den Grünen und Umweltverbänden kommt Kritik.

Freitag, 29.03.2019, 05:42 Uhr aktualisiert: 29.03.2019, 05:50 Uhr
Vor dem Tor, das nun den Weg über den „alten“ Hermannsweg versperrt, versammelten sich zahlreiche Demonstranten.
Vor dem Tor, das nun den Weg über den „alten“ Hermannsweg versperrt, versammelten sich zahlreiche Demonstranten. Foto: Pro Teuto

Wer den Hermannsweg vom Wanderparkplatz an der Sudenfelder Straße gen Lienen in Angriff nimmt, wird seit Kurzem nach wenigen Metern mit einer neuen Situation konfrontiert. Ein Zaun und ein Tor versperren den bisherigen Weg. Eine Umleitung über einen schmalen Pfad, der in einem Bogen nördlich der alten Route verläuft, ist nun die Alternative. Der Grund dafür ist die Erweiterung des nahen Steinbruchs durch Dyckerhoff . Das Unternehmen greift nun auf Flächen zurück, die bereits vor vielen Jahren für den Abbau freigegeben worden waren. Eine Entwicklung, die nicht zuletzt bei Umweltverbänden auf Kritik stößt.

Zu erleben war das am vergangenen Wochenende, als Vertreter von Pro Teuto, Greenpeace, Nabu, Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland und ANTL zusammen mit Mitgliedern von Bündnis 90/Die Grünen und engagierten Bürgern zum zweiten Mal in diesem Jahr zu einer „Waldwanderung für den Erhalt des Teutos“ aufbrachen. Nach Angaben der Verantwortlichen musste die ursprünglich geplante Tour abgebrochen werden, da wenige Tage zuvor der alte Hermannsweg mit einem Tor verschlossen worden war.

„Pro Teuto beanstandet die Genehmigungspraxis der zuständigen Behörden in diesem Fall ganz massiv“, heißt es dazu in einer Pressemitteilung. Der Hermannsweg sei einer der bekanntesten Wanderwege der Republik und ein „sehr wichtiger touristischer Anziehungspunkt für den Bereich Lengerich/Lienen“. Für die große Gruppe und insbesondere einige ältere Teilnehmer sei der neue Pfad „nicht zumutbar“ gewesen. Weiter wird gefragt, warum „diese gut ausgebaute und bekannte Wanderpiste einfach komplett gesperrt“ und durch einen „schmalen Trampelpfad“ ersetzt werden dürfe, der die Nutzer „ins Dickicht des angrenzenden FFH-Naturschutzgebietes“ führe.

Die Antwort liefert aus Sicht von Dyckerhoff Steffi Fischer , Leiterin des Bereichs Umwelt- und Öffentlichkeitsarbeit. Sie verweist zum einen auf die erwähnte, bereits lange vorliegende Genehmigung und auf eine Pressemitteilung (WN, 15. Januar). In der hieß es: „Als vorbereitende Maßnahme für den Abbau wird im Nordwesten des Steinbruchs Höste bereits in den nächsten Wochen der Hermannsweg verlegt. Zurzeit verläuft der Wanderweg noch auf circa 330 Metern über die künftige Abbaufläche. Der neue Verlauf macht eine Ausbuchtung nach Norden und ist dadurch etwa 70 Meter länger.“ Weiter wurde darauf verwiesen, dass die Verlegung mit der Gemeinde Lienen – auf deren Gebiet befindet sich die fragliche Fläche – abgestimmt worden sei und auch die Stadt Lengerich, der Kreis und der „Träger des Hermannswegs“ informiert worden seien.

Fischer betonte gestern gegenüber den Westfälischen Nachrichten weiter, dass bei diesen Gesprächen ausdrücklich vereinbart worden sei, den neuen Pfad möglichst naturnah zu gestalten und die Natur möglichst wenig in Mitleidenschaft zu ziehen. „Wir befinden uns ja schließlich in einem FFH-Gebiet.“ Die Dyckerhoff-Sprecherin merkt weiter an, dass es ähnliche Abschnitte auch andernorts auf dem Hermannsweg gebe und beispielsweise der „Hexenpfad“ in Tecklenburg ebenfalls eine vergleichbare Struktur habe.

Von dem vielen Holz, das momentan rechts und links des Pfades liegt, solle ein Teil noch beiseite geschafft werden, der andere Teil als Totholz in dem Schutzgebiet bleiben. Weiter kündigte Fischer an, dass, sollte es entsprechende Rückmeldungen geben, Veränderungen wie beispielsweise eine Verbreiterung des Pfades möglich seien. Zur Kritik der Organisatoren der Demonstration sagte sie, dass es in Sachen Steinbrucherweiterung natürlich unterschiedliche Standpunkte gebe. Aber dass die Gestaltung der Umleitung kritisiert werde, „kann ich nicht ganz nachvollziehen“.

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