Schulentwicklungsplanung: Zentrale Rolle für Bonhoeffer-Realschule
Fünf unter einem Dach

Lengerich -

Eine besondere Rolle dürfte in den kommenden Jahren dem Gebäude der Bonhoeffer-Realschule zukommen. Unter dessen Dach sollen, so aktuelle Pläne, zeitweise Kinder und Jugendliche von bis zu fünf Schulen unterrichtet werden.

Donnerstag, 04.04.2019, 05:19 Uhr
Schüler von fünf verschiedenen Schulen könnten demnächst zeitweise im Gebäude der Bonoeffer-Realschule unterrichtet werden.
Schüler von fünf verschiedenen Schulen könnten demnächst zeitweise im Gebäude der Bonoeffer-Realschule unterrichtet werden. Foto: Paul Meyer zu Brickwedde

Lengerichs Schullandschaft wird in den kommenden Jahren im weiterführenden Bereich (Sekundarstufe) mächtig in Bewegung geraten. Eine zentrale Rolle dürfte dabei die Bonhoeffer-Realschule spielen. Unter ihrem Dach sollen laut dem Konzept, das Schulplaner Dr. Detlef Garbe am Dienstagabend im Schulausschuss vorstellte, zeitweise Kinder und Jugendliche von bis zu fünf Schulen unterrichtet werden. Ein Ansinnen, das nicht überall auf Zustimmung stößt.

Wesentliche Ursache für die vorgesehenen Änderungen ist der Neubau für die Gesamtschule und der sukzessive Aufbau der noch jungen Schule. Deren Fünft- bis Sechstklässler sind am Standort Lengerich momentan noch in der ehemaligen Gutenberg-Hauptschule untergebracht. Deren räumliche Kapazitäten sind aber begrenzt, der weitere Zuwachs dort ab 2020/2021 nicht zu stemmen.

Zudem laufen die Bonhoeffer- und die Bodelschwingh-Realschule bis zum Ende des Schuljahres 2021/2022 aus. Sie benötigen somit schrittweise immer weniger Platz. Garbe schlägt nun vor, dass die verbleibenden Bodelschwingh-Realschüler mit Start des Schuljahrs 2020/2021 in den Bonhoeffer-Komplex umziehen. Ihre alte Schule soll „unter Gesichtspunkten der Stadtentwicklung“ aufgegeben und „anderweitig genutzt werden“, heißt es im Entwurf der Schuleentwicklungsplanung Teil 2.3.

Auf Anfrage der WN sagte Lengerichs Wirtschaftsförderer Jürgen Kohne am Mittwoch, dass es für das Areal nach wie vor keine konkrete Nachfolgelösung gebe. Stand ist demnach nach wie vor der, der bereits im Stadtentwicklungskonzept beschrieben wird. Darin ist von einer „Rahmenplanung Marktplatz/Bodelschwingh-Realschule“ die Rede – mit dem Ziel einer „städtebaulichen Neustruktur“. Angegangen werden solle dieses Thema im kommenden Jahr, so Kohne. Die Verwaltung gehe momentan davon aus, dass die Bodelschwingh-Realschule im Zuge des Vorhabens abgerissen wird. Zu entscheiden habe darüber am Ende aber der Stadtrat.

Zu hören war immer wieder, dass Lidl an einer Ansiedlung interessiert sei. Im Gegenzug könnte dann die diskutierte neue Rettungswache an den bisherigen Lidl-Standort an der Ecke Ladberger Straße/Bodelschwinghstraße entstehen.

Neben den verbliebenen Realschülern und Gesamtschülern sollen auch Gymnasiasten vom HAG im Bonhoeffer-Gebäude Platz finden. Das ist bereits aktuell der Fall, zwei Klassenräume stehen ihnen momentan zur Verfügung.

Schlussendlich kämen, so denn die Garbe-Ideen Realität werden, als fünftes noch Azubis der Verpackungstechnologie zum Zuge. Der Ableger des Berufskollegs Tecklenburger Land ist derzeit ebenfalls noch in der alten Hauptschule beheimatet, soll nun aber bereits zum kommenden Schuljahr dauerhaft ins oberste Geschoss der Bonhoeffer-Realschule umziehen.

Konkret geht es um zwei Klassen mit 42 Auszubildenden, von denen nach Angaben von Jörg Hesselmann (Fachdienstleiter Schule, Sport, Kultur) 23 eine Stelle in einem Lengericher Betrieb haben. Würde für die beiden sogenannten Bezirksfachklassen keine Lösung in Lengerich gefunden, drohte am Ende auch der Verlust von Ausbildungsplätzen in der Stadt.

Garbe verwies während seiner Ausführungen darauf, dass Schulen, Stadt und Kreis in die Erstellung des Konzeptes eingebunden worden seien. Der CDU-Fraktionsvorsitzende Klaus Reiher warf gleichwohl die Frage in den Raum, wie die betroffenen Schüler mit der ungewöhnlichen Konstellation umgehen werden. „Finden die sich zurecht?“ Und Anne Engelhardt (Grüne) richtete den Blick auf die Stellungnahmen zur Schuleentwicklungsplanung Teil 2.3.

Unter denen findet sich auch ein einstimmiger Beschluss der Schulkonferenz der Bodelschwingh-Realschule, in dem es heißt, dass sich das Gremium „entschieden“ gegen die Unterbringung in der Bonhoeffer-Realschule ausspricht. Zur Begründung wird auf die aktuell gemachten Erfahrungen im Zusammenleben von Bodelschwingh-Realschülern und Zehntklässlern der Hauptschule Tecklenburg, die momentan ebenfalls an der Schulstraße unterrichtet werden, verwiesen. Die Mitglieder der Schulkonferenz hegen demnach „erhebliche Zweifel, dass eine vernünftige pädagogische Arbeit und gute Qualität des Unterrichts in einem Gebäude sichergestellt werden kann, in dem fünf verschiedene Schulen untergebracht sind“.

Der Schulausschuss stimmte einstimmig für die vorgestellten Pläne. Das letzte Wort hat am Dienstag, 9. April, der Stadtrat.

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