Gesamtschule legt Präventionsprogramm vor
Im Kampf gegen Cybermobbing

Lengerich -

Beleidigt, bedroht, verunglimpft – laut einer Studie wird mehr als jeder zehnte Schüler im Internet attackiert. Auch Lengericher Kinder und Jugendliche gehen online nicht immer freundlich miteinander um. Im Kampf gegen Cybermobbing hat die Gesamtschule jetzt ein Präventionsprogramm auf den Weg gebracht.

Samstag, 06.04.2019, 06:09 Uhr aktualisiert: 06.04.2019, 06:20 Uhr
Laut einer Studie ist mehr als jeder zehnte Schüler schon einmal online beleidigt, bedroht oder verunglimpft worden.
Laut einer Studie ist mehr als jeder zehnte Schüler schon einmal online beleidigt, bedroht oder verunglimpft worden. Foto: Oliver Berg/dpa

Beleidigt, bedroht, verunglimpft – laut einer Studie wird mehr als jeder zehnte Schüler in Deutschland im Internet attackiert. Auch Lengericher Kinder und Jugendliche gehen online nicht immer freundlich miteinander um. Davon ist Antje Galle , Deutschlehrerin an der Gesamtschule Lengerich/Tecklenburg, überzeugt. Im Kampf gegen Cybermobbing hat die Schule jetzt ein umfangreiches Präventionsprogramm auf den Weg gebracht.

Früher prügelten sich die Schüler auf dem Schulhof. Heute verschicken sie ihre verbalen Angriffe mit einem Klick auf ihrem Smartphone in die virtuelle Welt. Laut einer Studie der Organisation „Bündnis gegen Cybermobbing“ gaben 13 Prozent der befragten Kinder und Jugendlichen an, schon über das Internet gemobbt worden zu sein. Noch mehr, nämlich 13,4 Prozent, bezichtigen sich selbst, Hass im Netz verbreitet zu haben.

Cybermobbing, sagt Wilhelm Rinschen , Sozialarbeiter an der Gesamtschule Lengerich/Tecklenburg, „gehört zum Alltag der Schüler“. Fast jeder sei in Whatsapp-Gruppen organisiert, bei sozialen Netzwerken wie Instagram und Twitter aktiv. „Das an sich ist auch in Ordnung. Die Schüler haben Spaß daran, sich online zu vernetzen.“ Zum Problem werde es nur dann, wenn ein Schüler zum Beispiel systematisch ausgegrenzt oder beschimpft wird. „Anders als früher, als eine Prügelei bald vergessen war, sind Opfer von Cybermobbing den Tätern heute permanent ausgesetzt.“

Die Motive sind unterschiedlich. „Bei Jungs geht es häufig darum, sich einen höheren Platz in der Rangordnung zu erkämpfen. Mädchen tragen demgegenüber eher Zickenkriege aus“, erklärt der Schulsozialarbeiter.

Laut der Studie spielt oftmals Rache (28 Prozent) eine Rolle, weil man selbst gemobbt wurde. „Die Schüler schaukeln sich gegenseitig hoch. Wer angefangen hat, ist dann nur noch schwer zu sagen“, weiß Rinschen aus Erfahrung. Am häufigsten (45 Prozent) führten die Befragten jedoch als Grund schlichtweg an, dass „die Person die Attacke verdient hat“.

An der Gesamtschule Lengerich/Tecklenburg will man nicht die Augen verschließen vor den Schikanen im Netz. Wie Deutschlehrerin Galle berichtet, umfasst das Präventionsprogramm neben Unterrichtseinheiten, in denen unter anderem richtiges Rollenverhalten geübt wird, auch sogenannte Medienkompetenztage, an denen der richtige Umgang mit Handys trainiert wird. Vor Kurzem war außerdem die Kinder- und Jugendbuchautorin Judith Le Huray für eine Lesung aus ihrem Buch „Vernetzt gehetzt“, das Cybermobbing thematisiert, zu Gast in der Schule.

Bei der Bekämpfung der unsäglichen Kommentare im Netz sieht die Schule aber auch die Mütter und Väter in der Pflicht, betont Galle. „Manche Eltern interessieren sich nicht für das Thema, andere haben die Erwartung, dass die Lehrer sich kümmern. Das kann die Schule allein aber nicht leisten“, macht die Lehrerin deutlich.

Bei dem Präventionsprogramm wurden deshalb auch die Eltern mit ins Boot geholt. Bei einer Infoveranstaltung hoffen die Pädagogen, sie für das Thema zu sensibilisieren. Und auch zu dem Festakt, bei dem Schülern feierlich der zuvor erworbene Handy-Führerschein überreicht werden soll, sind die Eltern eingeladen. „Für den Führerschein müssen die Schüler eine Prüfung ablegen“, erläutert Galle. Was sie hierfür wissen müssen? „Dass es zum Beispiel verboten ist, jemanden gegen dessen Willen zu fotografieren. Dass auch in Klassenräumen keine Bilder gemacht werden dürfen. Und dass man niemanden beleidigen darf.“

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6521398?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F105%2F175%2F
Mehr Buchen, bitte!
Buchen unter Eichen: Förster Holger Eggert zeigt einen "zweischichtigen Bestand."
Nachrichten-Ticker