Glasfaserausbau dauert länger als geplant
Millionen-Vorhaben verlangt Geduld

Lengerich/Tecklenburger Land -

Rund ein halbes Jahr länger als geplant wird wohl der Glasfaserausbau in den Außenbereichen von Lengerich, Tecklenburg, Lienen und Ladbergen dauern. Das sagt Martin Schnitzler, Geschäftsführer der Stadtwerke-Tochter Teutel. In deren Verantwortung liegt das 40-Millionen-Euro-Vorhaben. Mit dem Stand der Dinge ist Schnitzler gleichwohl zufrieden.

Dienstag, 16.04.2019, 05:18 Uhr aktualisiert: 16.04.2019, 05:20 Uhr
Auf der Karte zeigt Martin Schnitzler den aktuellen Stand des Glasfaserausbaus in den Außenbereichen von Lengerich, Tecklenburg, Lienen und Ladbergen. An vielen Stellen sind Baustellen eingerichtet und schauen die Kabel aus der Erde.
Auf der Karte zeigt Martin Schnitzler den aktuellen Stand des Glasfaserausbaus in den Außenbereichen von Lengerich, Tecklenburg, Lienen und Ladbergen. An vielen Stellen sind Baustellen eingerichtet und schauen die Kabel aus der Erde. Foto: Paul Meyer zu Brickwedde

Verlängerung bei einem 40-Millionen-Euro-Vorhaben: Der Glasfaserausbau in den Außenbereichen von Lengerich, Tecklenburg, Ladbergen und Lienen wird länger dauern als geplant. Abgeschlossen sein sollten die Arbeiten ursprünglich Ende des Jahres. Martin Schnitzler schätzt nun, dass es Sommer 2020 wird. Die Förderung durch Bund und Land, die über 38 Millionen Euro zur Verfügung stellen, sei aber nicht in Gefahr.

Der Geschäftsführer der Stadtwerke-Tochter Teutel, die den Ausbau verantwortet, erklärt gegenüber den Westfälischen Nachrichten , dass ein entsprechender Verlängerungsantrag Anfang April auf den Weg gebracht worden sei. Der beinhalte ein detaillierte Darstellung, warum das ursprüngliche Ziel nicht zu erreichen sei. „Wir sind nicht die ersten“, verweist Schnitzler darauf, dass auch andernorts nicht alles problemlos über die Bühne geht. Als wesentliche Gründe für die Verzögerungen in Lengerich und Umgebung benennt er die begrenzten Ressourcen der beauftragten Firmen in Verbindung mit schwierigen geologischen Gegebenheiten, die hier und da die Tätigkeit der Arbeitskolonnen ins Stocken gebracht hätten.

Dass nun einige Monate oben draufkommen, ändert für Schnitzler nichts an der aus seiner Sicht guten Zwischenbilanz: „51 Prozent der geplanten Trassen in Lengerich, Tecklenburg, Ladbergen und Lienen sind verlegt. Was die Teutel hier mit den involvierten Tiefbau-Unternehmen aus der Region geschafft hat, ist eine überragende Leistung. Erschließungsarbeiten in dieser Dimension sind eine enorme Herausforderung für jeden Infrastrukturdienstleister.“

Vor rund 13 Monaten war der erste Spatenstich für die Tiefbauarbeiten erfolgt. Parallel dazu führt die Teutel den Breitbandausbau in den Ortskernen in Eigenregie fort. Schnitzler, der auch Stadtwerke-Chef ist, kündigt an, dass Ende 2022 bis auf eine Ausnahme überall in den vier Kommunen Glasfaser liegen wird. Einzig in Tecklenburg-Stadt werde man sich länger gedulden müssen – was den enorm schwierigen Bodenverhältnissen dort geschuldet sei. In zwei bis drei Monaten wolle die Teutel ein Konzept vorstellen, wie auch dieses Aufgabe bewältiget werden kann.

Glasfaserausbau, Erdgasumstellung, Gründung zweier neuer Gesellschaften mit regionalen Partnern (WN berichteten) – Teutel und Stadtwerke haben aktuell mehr als nur eine große Aufgabe vor der Brust. Um die zu bewältigen, werde der Belegschaft einiges abverlangt, resümiert Schnitzler weiter. „Jeder Mitarbeiter ist bei weit über 100 Prozent.“ Das könne sicher nicht ewig auf dem Level weitergehen, sei aber momentan unvermeidlich. Wenn dann noch wie zuletzt rund 60 000 Jahresendabrechnungen hinzukommen, die abgearbeitet werden müssen und bei denen auch zahlreiche Telefonate mit Kunden anstehen, seien die Grenzen definitiv erreicht.

Johannes Beckering, Bereichsleiter Organisationsentwicklung, erklärt dazu, dass die Stadtwerke reagiert hätten. Der eigentliche Anspruch sei, dass Kunden nicht in einem betriebsfremden Callcenter landen. Doch angesichts der extrem hohen Auslastung habe man sich entschlossen als „dritte Stufe“ auf externe Hilfe bei der Abarbeitung von Anrufen zurückzugreifen. Er und Schnitzler bitten angesichts der „besonderen Umständen“ um Verständnis, wenn in diesen Wochen und Monaten nicht immer alles wie gewünscht läuft.

Der Geschäftsführer erzählt als Beispiel, dass bei der Verlegung der Glasfaseranschlüsse in die Häuser immer wieder einmal Sonderwünsche von Eigentümern geäußert würden. Die könnten von den 20 Kolonnen-Teams angesichts der engen Taktung aber einfach nicht berücksichtigt werden. Das Abarbeiten der Hausanschlüsse ist auch der Bereich, der sich über das Ende des Jahres hinaus verzögern wird. „Insbesondere durch die Entfernungen zu den Trassen erfordert die individuelle Erschließung im Außenbereich aufwendige Tiefbauarbeiten“, informieren die Stadtwerke.

Erste Früchte ernten die Teutel und die vier Städte und Gemeinden in Sachen Glasfaserausbau bereits. Die Nachfrage sei fast überall groß und es habe auch schon Unternehmensansiedlungen gegeben, die explizit mit der Infrastrukturmaßnahme begründet worden seien. Allein in Lengerich-Stadt würde sich Schnitzler wünschen, dass noch mehr Bürger zugreifen. „Aber das ist hier wohl der Konkurrenzsituation mit anderen Anbietern geschuldet.“

Unabhängig von solchen Detailfragen betont Schnitzler: „Der Anspruch, jedem Haushalt, egal ob im Ortskern oder auf dem Land, einen Glasfaseranschluss zu bieten, hat deutschlandweit Vorbildcharakter.“

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