Emilie Peter betreibt eine Maßschneiderei
Nichts von der Stange

Lengerich -

Der Umgang mit Stoff, Nadel und Faden liegt Emilie Peter im Blut – und so erfüllte sie sich schließlich einen lang gehegten Traum. „Lady Emmi“ heißt ihr Atelier wenige Meter neben dem Römer. Seit Anfang des Jahres betreibt sie dort eine Maßschneiderei.

Dienstag, 23.04.2019, 05:23 Uhr aktualisiert: 23.04.2019, 17:22 Uhr
Emilie Peter sitzt an einer Industrienähmaschine. An der kann sie am besten mit dickem Jeansstoff arbeiten.
Emilie Peter sitzt an einer Industrienähmaschine. An der kann sie am besten mit dickem Jeansstoff arbeiten. Foto: Paul Meyer zu Brickwedde

Emilie Peter war eigentlich auf dem besten Wege, eine lange Familientradition fortzuführen. In fünfter Generation lernte sie das Schneiderhandwerk und arbeitete zunächst auch in dem Beruf. Doch dann gab es 1990 einen tiefen Einschnitt in ihr Leben. Aus Kasachstan ging die Spätaussiedlerin nach Deutschland. Mit der Schneiderei als Erwerbstätigkeit war es erst einmal vorbei. Die heute 63-Jährige verdiente stattdessen ihre Brötchen als Reinigungskraft am Hannah-Arendt-Gymnasium in Lengerich. Doch der Umgang mit Stoff, Nadel und Faden liegt Emilie Peter offenkundig im Blut – und so erfüllte sie sich schließlich einen lang gehegten Traum.

„Lady Emmi“ heißt ihr Atelier wenige Meter neben dem Römer. Seit Anfang des Jahres arbeitet die Lengericherin in dem kleinen Ladenlokal. Es sei eine Mischung aus Hobby und Nebentätigkeit, beschreibt sie den Stand der Dinge. Am HAG sorgt sie derweil immer noch für saubere Klassenräume und Flure.

Den Weg in die Teil-Selbstständigkeit hat nicht zuletzt Lebensgefährte Guido Kluge geebnet. Er wusste zu gut, wie wichtig die Arbeit für Emilie Peter ist und redete ihr zu, das Wagnis einzugehen. Vor etwa drei Jahren ging es in der Bahnhofstraße schließlich los, zum Jahreswechsel folgte der Umzug an die neue Adresse. Die Werkstatt dort richtete Guido Kluge ein. Nun hat die 63-Jährige ein Reich, in dem sie schalten und walten kann.

Zu ihren Dienstleistungen gehören die üblichen Änderungen und Ausbesserungen. Doch ihr besonderes Augenmerk legt Emilie Peter auf die Maßschneiderei. Wer möchte, kann sich bei ihr einen Anzug, ein Hemd oder eine Jeans fertigen lassen. Meist geht es jedoch um Kleider, wenn die Kundschaft ein Unikat wünscht. Um festliche Kleider beispielsweise für eine Hochzeit oder den Abiball.

Bevor sie ans eigentliche Werk geht, spricht die Schneiderin ausführlich mit ihren Kunden. Das sei wichtig, betont sie und fügt hinzu: „Ich berate ehrlich.“ Soll heißen: Wenn sie als Profi andere Ansichten als die spätere Kleidträgerin vertritt, versucht sie zu erklären, warum sie dieses oder jenes empfiehlt oder von diesem oder jenem abrät. Oft sei es so, dass gerade Kundinnen mit Bildern von Kleidern zu ihr kommen. So wie auf den Fotos soll es dann auch bei ihnen werden. Im Zweifel könne all das schon einmal dazu führen, dass am Ende ein Auftrag nicht zustande kommt. „Aber das nehme ich in Kauf.“

Geht es an die eigentliche Arbeit, heißt es, die passenden Stoffe finden, Maße nehmen, Schnittmuster erstellen, zuschneiden und schließlich nähen. „20 Stunden aufwärts“ betrage die Arbeitszeit für ein Abendkleid. Das habe seinen Preis, auch dessen müsse sich jeder bewusst sein.

Dass sie gleichwohl keine Reichtümer verdient, kümmert die 63-Jährige nicht sonderlich. „Ich genieße die Arbeit hier einfach. Ich finde dabei Ruhe, das ist gut für die Seele.“ Lohn sei für sie zudem, wenn die Menschen mit dem, was sie macht, zufrieden sind. Stolz erzählt die Schneiderin, dass sie auch schon Kundschaft aus London und Hamburg gehabt habe. „Das kam durch familiäre Verbindungen nach Lengerich zustande.“ Und Emilie Peter berichtet von einer Frau, die sich von ihr alle drei Monate ein neues Etuikleid anfertigen lässt. So etwas zeige ihr, dass das Vertrauen in ihr Können vorhanden ist.

Offenbar hat die über 20-jährige berufliche Pause nicht geschadet. „Privat daheim bin ich natürlich immer dabei geblieben“, sagt die 63-Jährige mit einem Lächeln. Nun, das dürfte sicher geholfen haben. Aber wenn das Schneiderhandwerk in der Familie so tief verwurzelt ist, dann dürfte auch das seinen Teil dazu beitragen, dass Emilie Peters das einmal Erlernte tief in sich trägt.

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