„Tag der Megalithik“ in Lengerich
Grabsteine sind älter als gedacht

Lengerich -

eim „Tag der Megalithik“ haben Besucher am Sonntag die 5000 Jahre monumentale Grabanlage in Wechte erkundet. Sie haben an Führungen teilgenommen, Schmuck gebastelt und getöpfert. Und sie haben erfahren, dass die Gräber noch älter sind als ursprünglich gedacht.

Sonntag, 28.04.2019, 15:24 Uhr aktualisiert: 29.04.2019, 18:37 Uhr
Der Archäologe Dr. Wolfgang Stapel führt eine Gruppe durch die Megalith-Grabanlage.
Der Archäologe Dr. Wolfgang Stapel führt eine Gruppe durch die Megalith-Grabanlage. Foto: Katja Niemeyer

Bei der Eröffnung des „Tages der Megalithik“ in Wechte am Sonntagmorgen fühlte sich Bürgermeister Wilhelm Möhrke an seine Jugend erinnert, wie er vor 60 Jahren die damalige Grundschule in Antrup besuchte und von dort einen Ausflug zu dem Megalith-Grab unternahm. „Das war sehr beeindruckend“, sagte der Lengericher Verwaltungschef und schlug den Bogen in die heutige Zeit.

Denn so beachtlich die monumentale Grabanlage auch sein mag, fristet sie aus seiner Sicht doch eher ein Schattendasein. Das könnte sich in Zukunft aber womöglich ändern. Denn Möhrke kündigte in seiner Eröffnungsrede an, das Grab mehr in den Fokus des Stadtmarketings zu rücken. „Wir sollten die Grabstelle bekannter machen“, erklärte der Bürgermeister zu Beginn der ersten von insgesamt drei Führungen, zu der sich an diesem Vormittag rund 30 interessierte Besucher eingefunden hatten.

„Tag der Megalithik“ in Lengerich

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  • Experten informieren über 5000 Jahre alte monumentale Grabanlage Foto: Katja Niemeyer
  • Anhand alter Werkzeug-Funde aus Knochen kann das Alter der Grabanlage näher bestimmt werden.

    Foto: Katja Niemeyer
  • Der Archäologe Dr. Wolfgang Stapel führt eine Gruppe durch die Megalith-Grabanlage.

    Foto: Katja Niemeyer
  • Catrin Becker von der Altertumskommission in Westfalen lud zum Schmuck-Basteln ein.

    Foto: Katja Niemeyer
  • Der Archäologe Dr. Wolfgang Stapel führt eine Gruppe durch die Megalith-Grabanlage.

    Foto: Katja Niemeyer
  • Der Archäologe Dr. Wolfgang Stapel führt eine Gruppe durch die Megalith-Grabanlage.

    Foto: Katja Niemeyer
  • Experten informieren über 5000 Jahre alte monumentale Grabanlage Foto: Katja Niemeyer
  • Lara und Lukas töpferten und Anleitung der Archäologin Dr. Claudia Siemann.

    Foto: Katja Niemeyer

Diese wurden sodann vom Archäologen Dr. Bernhard Stapel über die Herkunft dieses mehr als 5000 Jahre alten Teils der Menschheitsgeschichte direkt vor der Haustür der Lengericher informiert. Stapel, der als wissenschaftlicher Referent bei der LWL Archäologie angestellt ist, berichtete von neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen, nach denen das Megalith-Grab älter ist als bis vor Kurzem angenommen wurde. Demnach entstand es wohl bereits schon 3450 Jahre vor Christus und gehört nach Überzeugung von Stapel damit zu den ältesten Gräbern dieser Art in Westdeutschland. Bislang waren die Forscher davon ausgegangen, dass es zwischen 3200 und 3300 Jahre her ist, dass die Bauern, die zu jener Zeit damit begannen Viehzucht und Ackerbau zu betreiben, die Steine aufstellten.

Wie Stapel und seine Forscherkollegen zu der Überzeugung gelangten? Indem sie ein besonderes Messverfahren, die sogenannte C-14-Methode, anwendeten, mit der sich das Alter von organischen Bestandteilen relativ genau bestimmen lässt. Grundlage hierbei ist der radioaktive Zerfall des Kohlenstoff-Isotops C-14. Stirbt ein Lebewesen, nimmt die Menge von C 14 in seinem Körper immer mehr ab. „Wir haben an diesem Grab das Glück gehabt, dass wir Werkzeuge gefunden haben, die aus Tierknochen hergestellt wurden“, so Stapel. Zusammen mit der Archäologin Dr. Kerstin Schierhold hat er kürzlich ein neues Heft in der Reihe „Megalithgräber in Westfalen“ mit den jüngsten Erkenntnissen zu der Grabstelle, die sich versteckt in einem Hinterhof an der Brochterbecker Straße befindet, herausgegeben.

Einen Eindruck davon, wie die Menschen vor 5000 Jahren in der Region lebten, vermittelt ein aus Ton nachgemachter Trichterbecher mit Einstichmotiven. „Wir wissen nicht, welche Farbe die Verzierungen hatten, aber wir konnten die Form der Becher rekonstruieren“, erläuterte der Archäologe.

An einem weiteren Stand hatte Catrin Becker von der Altertumskommission für Westfalen, die den „Tag der Megalithik“ organisiert hatte, Schalen mit Schmuck-Anhängern aufgestellt, mit denen Kinder nach Vorbildern, die in dem Großsteingrab gefunden wurden, Schmuck herstellen konnten. „Damals verwendeten die Menschen Tierzähne, Bernstein und Rosenquarz, um sich zu schmücken“, erläuterte Becker. Ein paar Stände weiter lud die Archäologin Dr. Claudia Siemann Kinder dazu ein, Keramikgefäße zu töpfern – ebenfalls nach jungsteinzeitlichem Vorbild. Die achtjährige Lara und der elfjährige Lukas waren die ersten, die sich ans Werk machten. „Hier wurden 5000 Jahre alte Scherben gefunden“, wusste Lukas zu berichten.

Unter die Besucher hatte sich auch Judith Stöckmann gemischt. Die junge Mutter wohnt seit zwei Jahren in Lengerich und hatte in unserer Zeitung von dem „Tag der Megalithik“ erfahren, wie sie erzählte. „Ich wusste bis dato gar nicht, dass es hier so etwas Spannendes gibt“, ergänzte die Studentin. Für sie offenbar keine Frage: „Da muss ich hin.“

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