Anna Muntzos ist die erste Dialog-Architektin
Die Arbeit einfacher machen

Lengerich -

Sie skizziert und designt Dialoge für Roboter und künstliche Intelligenzen. „Ich will Arbeitsprozesse vereinfachen“, bringt es Anna Muntzos auf einen für technischen Laien verständlichen Ausdruck. Die 29-Jährige darf sich Deutschlands erste Dialog-Architektin nennen. Was hinter dieser Bezeichnung steckt?

Mittwoch, 01.05.2019, 06:29 Uhr aktualisiert: 02.05.2019, 18:48 Uhr
Anna Muntzos darf sich Deutschlands erste Dialog-Architektin nennen.
Anna Muntzos darf sich Deutschlands erste Dialog-Architektin nennen. Foto: privat

Wenn zwei oder mehr Menschen miteinander reden nennt man das Dialog. Architektur ist nichts anderes als die ursprünglich lateinische Bezeichnung für Baukunst, ein Architekt sozusagen ein oberster Handwerker. Und eine Dialog-Architektin? Baut die Gespräche? Wenn es jemand wissen muss, dann ist das Anna Muntzos . Die gebürtige Kattenvennerin darf sich Deutschlands erste Dialog-Architektin nennen.

Ihre Definition dessen, was sie tut, stellt nicht so technik-affine Menschen vor ein Problem: „Dialoge für Roboter und Künstliche Intelligenzen zu skizzieren und zu designen.“ Oder, einfach ausgedrückt, „Arbeitsprozesse vereinfachen“, sagt die ehemalige Abiturientin des Hannah-Arendt-Gymnasiums im Gespräch mit den WN . Inzwischen hat sie ihr Studium abgeschlossen, arbeitet für die Firma deep white in Bonn.

Germanistik und Kulturanthropologie hat die 29-Jährige studiert. Den etwas ungläubigen Blick ihres Gegenübers entwaffnet sie mit einem Lächeln. „Anthropologie, das umfasst Geschichte, Soziologie, Kultur, Geografie, Pädagogik und Psychologie“, zählt sie auf. Nicht in der Vergangenheit, sondern in der Gegenwart. In ihrem Studium hat sie für sich den Schwerpunkt Identitätsbildung von einzelnen Menschen und Gruppen gewählt.

Nach dem Studium ist sie zunächst im Marketing einer IT-Firma tätig. „Da bin ich über meine Schwester reingekommen“, berichtet sie. Als sich die Geschäftsführer trennen, nimmt sie der eine mit in seine neue Firma deep white. „Mit Marketing habe ich nichts mehr am Hut, ich bin tief ins Alltagsgeschäft eingebunden.“ So, wie sie das sagt, scheint sie der Werbetrommel nicht nachzuweinen.

Wie das Vereinfachen von Arbeitsprozessen aussehen kann, beschreibt Anna Muntzos anhand mehrerer Beispiele. Eine Firma, deren Buchführung auf Excel-Tabellen und Papier-Ausdrucken in Ordnern beruhe, könnte auf den digitalisierten Rechnungslauf umstellen. Ob per E-Mail oder Fax, „das PC-System erkennt, wer die Rechnung haben muss, wer sie gegenzeichnen darf und wo sie aufbewahrt werden muss“, schildert sie die Vorzüge dieses papierfreien Vorgehens.

Ein einfaches Beispiel, betont sie. Ihre Arbeit geht viel tiefer. „Künstliche Intelligenz soll in Computersystemen menschliches Denken nachahmen. Dazu gehört, dass Chatbots (Anmerkung der Redaktion: textbasierte Dialogsysteme) die menschliche Sprache verstehen. Nicht nur Schlagworte, sondern Sinnzusammenhänge“, erläutert sie. „Wenn jemand Berlin sagt, soll durch Künstliche Intelligenz erkannt werden,                                               ob sich die Person für einen Urlaub, ein Restaurant, eine Kulturveranstaltung oder etwas anderes interessiert und entsprechende Vorschläge machen.“ Am einfachsten ist das, wenn der Fragende ein internetfähiges Gerät benutzt, zum Beispiel ein Smartphone. Es sind etliche Hürden, die die Dialog-Architektin bei ihrer Arbeit                                                   überspringen muss: Junge sprechen anders als Alte, von regionalen Unterschieden ganz abgesehen. Den Umgang Quatsch-Fragen und Witze sollte das System ebenso beherrschen - „das hat sich bei Alexa und Co herausgestellt“ - wie ganz persönliche Umgangsformen unter seinen Benutzern. Damit nicht genug: „Ironie und Sarkasmus funktionieren in Technik überhaupt nicht“, nennt sie ein weiteres Hindernis.

Manchmal sind es auch banal erscheinende Aspekte, die über Erfolg oder Misserfolg entscheiden, wenn Firmen auf Chatbots setzen. Siezen oder Duzen? Eher lustig oder ernst? „Der Chatbot muss zur Unternehmenskultur passen“, nennt sie die zentrale Voraussetzung. Zeigt der Technik-Gesprächspartner dabei leicht kindliche Züge, verbessert das die Akzeptanz. „Kindern werden Fehler eher verziehen“, schmunzelt Anna Muntzos.

Für ihre Firma entwickelt sie die Dialoge für „Diwi“, so der Name des technischen Dialogpartners. „Ich schreibe alles auf, das dann von Technikern in Computersprache übersetzt, sprich programmiert wird“, hat sie vom Schreiben nicht gelassen Dafür hat die 29-Jährige immer schon ein Faible gehabt, deshalb auch ihr Praktikum in der WN-Lokalredaktion Lengerich.

Zwei Dinge sind ihr wichtig, das ist im Gespräch immer wieder deutlich geworden: Sie will jungen Mädchen Mut machen, Jobs in der vermeintlich „männlichen“ digitalen Branche anzunehmen. Und, Technik soll den Menschen die Arbeit erleichtern, sie nicht ersetzen.

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