Innungsmeister stört sich an Kammer-Aussage
„Tarifvertrag gilt seit Jahren“

Lengerich -

Als Daniel Laumann vor Kurzem den Bericht über die Zahl der Friseurgeschäfte in Lengerich las (WN, 27. April), sorgte das bei dem 44-Jährigen nicht unbedingt für gute Laune. Zu sehr stieß er sich an Aussagen, die aus der Handwerkskammer (HWK) Münster kamen.

Samstag, 11.05.2019, 13:04 Uhr aktualisiert: 11.05.2019, 14:00 Uhr
Daniel Laumann mit seinen Innungskolleginnen Anja Mager Senge (Vorstandsmitglied, links ) und Susanne Dorsten (Obermeisterin der Innung im Kreis Steinfurt).
Daniel Laumann mit seinen Innungskolleginnen Anja Mager Senge (Vorstandsmitglied, links ) und Susanne Dorsten (Obermeisterin der Innung im Kreis Steinfurt). Foto: Friseurinnung Steinfurt

Der Lengericher, der seit seinem 17. Lebensjahr in dem Beruf ist und auch das Amt des Innungsmeisters im Kreis Steinfurt inne hat, sagt, die Branche haben in den vergangenen Jahren „so viel getan“, um das Image als auch die Bedingungen für die Beschäftigten zu verbessern. „Und dann so was.“

Konkret störten sich Laumann und auch seine Innungs-Kolleginnen Anja Mager Senge und Susanne Dorsten daran, dass seitens der Kammer der Eindruck vermittelt worden sei, dass Friseure oftmals nur den Mindestlohn (8.84 Euro pro Stunde) bekämen. „Dabei gibt es längst einen allgemein verbindlichen Tarifvertrag“, stellt der Lengericher klar. Die darin festgelegten Löhne seien „weit entfernt“ von dem vom Gesetzgeber festgelegten Minimum.

Ab dem 1. Juni sieht der Tarifvertrag beispielsweise für Gesellen und Gesellinnen, „die selbstständig arbeiten und die im modernen Friseurbetrieb verlangten Leistungen und Fachberatungen professionell beherrschen“, einen Stundenlohn von 11,91 Euro. Arbeiter mit Meisterprüfung, die einen Betrieb leiten, kommen auf 14,90 Euro. Dass sich daraus keine monatlichen Spitzengehälter ergeben, stellt Laumann nicht in Abrede. Aber es sei eben auch nicht so wenig, wie seiner Ansicht nach im Zuge der Mindestlohndebatte lange über die Medien vermittelt worden sei. Zudem gehe es um ein Niveau, das beispielsweise mit dem von Arzthelferinnen vergleichbar sei.

Der Friseurmeister macht mit Blick auf die Kunden aber auch eines klar: Wer sich für acht Euro die Haare schneiden lasse, sollte wissen, dass das zusammen mit dem Tarifvertrag „nicht geht“. Soll heißen, wer seinen Mitarbeitern angemessen bezahlt, braucht auch entsprechende Einnahmen.

Widerspruch erntet die HWK von Daniel Laumann auch für die Feststellung, dass man nicht in der Rolle eines Wettbewerbshüters sei, wenn es um die Zahl von Friseursalons in einer Kommune gehe. Das stimme nur bedingt, schränkt der Lengericher ein. Schließlich gebe es immer wieder Anfragen von Friseuren, die ohne Meisterbrief ein Geschäft eröffnen wollen. Ob es dann die entsprechende Sondergenehmigung gebe oder nicht, entscheide die Kammer. Und damit habe sie auch Einfluss auf die Konkurrenzsituation.

Der Innungsmeister nennt sich einen „Friseur mit Leib und Seele“. „Für mich ist es der schönste Beruf überhaupt“, sagt er und spricht unter anderem von der Kreativität, die er mit Kamm und Schere ausleben könne. In solchen Momenten dürfte dann auch der Frust über die nervende Mindestlohndebatte wie vom Fön weggeblasen sein.

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