Eisenbahnfreunde Lengerich
Immer noch unter Dampf

Lengerich -

Seit 40 Jahren gibt es den Verein Eisenbahnfreunde Lengerich. Ursprünglich von Modellbahn-Enthusiasten gegründet, erfolgte zunächst ein Schwenk in Richtung Schmalspurbahn. Die H0-Freunde haben sich aber längst an die 600 Millimeter Spurweite auf dem Außengelände gewöhnt.

Sonntag, 19.05.2019, 08:00 Uhr
Dieses Bild zeigt Eisenbahnfreunde vor ihrem Vereinsheim, dem ehemaligen Stellwerk LN.
Dieses Bild zeigt Eisenbahnfreunde vor ihrem Vereinsheim, dem ehemaligen Stellwerk LN. Foto: Eisenbahnfreunde Lengerich

Vor über 40 Jahren, im Frühjahr 1978, wurde die Idee einer Vereinsgründung für den Bau einer Modelleisenbahn-Anlage erstmals in kleinem Kreis ausgesprochen. Drei Hohner Jungs, namentlich Holger Gräler, Uwe Hilgemann und Detlev Höhn (damals im Alter von 17 bis 19 Jahren), haben eine Initiative ins Leben gerufen, um eines der vom Abriss bedrohten Stellwerke im Bahnhof Lengerich zu retten und es zum Treffpunkt und Vereinsheim für Gleichgesinnte herzurichten. Die zunächst mehrfach losen Zusammenkünfte in verschiedenen Gaststätten, führten am 19. Mai 1979 zur Gründung des Vereins „Eisenbahnfreunde Lengerich e.V.“ durch zwölf Hobby-Eisenbahner aller Altersgruppen. Mehrere Mitglieder wanderten von im Umfeld befindlichen Modelleisenbahn-Clubs ab, da sie nun vor Ort ihr Hobby ausüben konnten.

Die Standortsicherung für das zukünftige Vereinsheim, das damals noch im Betrieb befindliche Stellwerk Lengerich-Nord „ LN “, war zu dem Zeitpunkt noch nicht endgültig gesichert. Erst im Lauf des Jahres wurde ein langfristiger Mietvertrag vom damaligen Vereins-Vorstand mit dem ersten Vorsitzenden Hugo Althoff und Wilhelm Stieneker (zweiter Vorsitzender) unterzeichnet.

Im März 1980 wurde das Stellwerk LN außer Betrieb gesetzt, das neue ging in Betrieb. Zum dem Zeitpunkt eines der modernsten Stellwerke der damaligen Deutschen Bundesbahn . Nun war das alte Gebäude herzurichten. Böden mussten im ehemaligen Spannwerksraum aufgefüllt, die neue Zwischendecke eingebaut, Mauern gezogen, Wände tapeziert und gestrichen sowie die Außenbereiche hergestellt werden. Aus dem damals zweiten Stellwerk „Lf“ im Bahnhof, auf der östlichen Bahnhofsseite, wurde vor dem Abriss eine Holzdecke ausgebaut, um sie im LN einzubauen.

Nach vielen Monaten harter Arbeit und sonntäglichen Treffen bei einer heißen Tasse Tee oder Suppe im ehemaligen Stellwerksraum im Obergeschoss, mit einem herrlichen Blick auf einen Teil des Gleisfeldes des Bahnhofs, kamen erste Überlegungen für die künftige Nutzung des Gebäudes und den geplanten Bau einer Modellbahn auf.

Aber, es kam anders. Im   Sommer 1981 kam Uwe Stieneker, seit über 20 Jahren erster Vorsitzender, mit der Idee, eine Feldbahnlok aus dem Emsland zu holen und zu versuchen, diese in Betrieb zu nehmen. Mit Erfolg. Die Lok wurde abgeladen und sprang dank Überbrückungskabel und einer starken Batterie an. Der heutige zweite Vorsitzende Thomas Hakmann, ausgebildeter Kfz-Mechaniker, nahm die damalige V1, heutige Lok „Hohne“, in Betrieb. In diesem Moment waren die Interessen und Ziele andere als bei der Gründung des Vereins gedacht.

40 Jahre Verein Eisenbahnfreunde Lengerich

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  • An Tagen der offenen Tür erfreuen sich die Fahrten mit der Feldbahn großer Beliebtheit bei den Besuchern.

    Foto: Eisenbahnfreunde Lengerich
  • Eine bunte Auswahl an Lokomotiven und Wagen gibt es im Westfälischen Feldbahnmuseum.

    Foto: Eisenbahnfreunde Lengerich
  • Die letzte Kipplore vom Kalkwerk Tecklenburg rekonstruieren die Eisenbahnfreunde.

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  • Gefahren wird auch bei kaltem Wetter, beispielsweise wenn besondere Gäste kommen wie diese Gruppe aus Ungarn.

    Foto: Eisenbahnfreunde Lengerich
  • Studenten des Historischen Seminars der Uni Münster zeigten in der Museumshalle vor einigen Jahren die Ergebnisse ihrer Studienarbeit zum Thema KZ-Außenlager im Lengericher Eisenbahntunnel.

    Foto: Michael Baar
  • Diese beiden Loks stehen im Jahr 2014 bereit, um beim Tag der offenen Tür Gäste übers Museumsgelände zu fahren.

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  • Das ehemalige Stellwerk LN, Vereinsheim der Eisenbahnfreunde Lengerich.

    Foto: nit
  • Das Vereinsheim ist Bestandteil der Modellbahnanlage im Obergeschoss des ehemaligen Stellwerks.

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  • Blick auf den Einfahrtbereich der Gleisanlagen auf der unteren Ebene.

    Foto: Eisenbahnfreunde
  • Neuestes Motiv auf der Modellbahnanlage ist dieser Kalk-Steinbruch.

    Foto: Michael Baar
  • Impression an einem Übergang der Modellbahnanlage.

    Foto: Michael Baar
  • Regelmäßig laden die Eisenbahnfreunde zum Gastfahren auf ihrer Anlage ein.

    Foto: Eisenbahnfreunde Lengerich
  • Blick ins Detail.

    Foto: Eisenbahnfreunde Lengerich
  • Zwei aneinander gekoppelte Dampfloks.

    Foto: Michael Dölling
  • Beim Tag der offenen Tür herrscht immer dichtes Gedränge an der Modellbahnanlage, so wie hier im Jahr 2012.

    Foto: Michael Baar

In den folgenden Jahren wurde Feldbahnbau der Spurweite 600 mm getätigt. Modellbahner wurden zu Feldbahnern, Kaufleute zu Lackierern und Handwerker aller Fachrichtungen waren gefordert. Ein erster Lokschuppen mit Schiebebühne wurde gebaut. Viele Eigenarbeiten wurden dank guter Vorplanung des langjährigen ehemaligen zweiten Vorsitzenden Günther Schliek, ein ausgebildeter Ingenieur, in Eigenregie umgesetzt. Der ehemalige Kohlenbunker wurde Lokschuppen. 1989 kam die nächste Großaufgabe auf die Eisenbahnfreunde zu: die äußere Renovierung des Vereinsheims. Inzwischen hatte der Verein über 30 Mitglieder.

Alte Farbe runter – die DB hatte 1977 noch einen Erstanstrich vorgenommen –, Fassade sanieren, neue Farbe drauf, Fenster streichen und so weiter. Nach Abschluss dieser Arbeiten kam es doch noch zum Bau der Modellbahnanlage – der Grundidee für die Vereinsgründung. Michael Stolze und Detlev Höhn übernahmen die Grundlagenplanungen. Mit dem Bau wurde 1990 begonnen. Mittlerweile ist die Modellbahnanlage in der Miba 6/2004 und im Eisenbahn-Journal 6/2014 der großen Modellbahnwelt vorgestellt worden. Auch im Eisenbahn-Magazin stand vor etwa 20 Jahren ein Kurzbericht.

Fertig wird die Anlage nie – im vergangenen Jahr wurde ein für Lengerich typisches Thema umgesetzt – ein Kalk-Steinbruch. Die Modellbahn hat mittlerweile eine Gleislänge von über 450 Metern auf vier Etagen. Das ist dem langen und schmalen, aber hohen Raum, dem ehemaligen Arbeitsplatz des Stellwerksbeamten, geschuldet.

Auch die Feldbahner haben eine enorme Expansion hingelegt. Anfang 2006 wurde mit dem Bau einer rund 480 Quadratmeter großen Ausstellungshalle begonnen. Diese Arbeiten wurden vor fünf Jahren mit den Außenanlagen abgeschlossen. Ergänzt werden die Ausstellungsflächen von zwei Loren-Ports, um den Großteil der Feldbahn-Wagen unter Dach zu bringen. Mittlerweile umfasst die Sammlung insgesamt 52 Lokomotiven und über 150 Wagen unterschiedlicher Hersteller und Bauarten aus Fabriken, Steinbrüchen, Torfwerken, Sandgruben und „Unter Tage“ von der Preussag aus Ibbenbüren. Zwei Dampflokomotiven gehören ebenfalls zur Sammlung. Eine hat im Steinbruch der Firma Dyckerhoff in den 1950er Jahren Dienst geleistet.

Der Verein ist auf drei Säulen aufgebaut: Erhalt des Stellwerkes LN – Baujahr 1900, denkmalgeschützt –, das Westfälische Feldbahnmuseum und die Modellbahnanlage der Spurweite HO. Vor circa drei Jahren konnten die Eisenbahnfreunde, Dank Unterstützung der Stadt, vieler Freunde und Gönner, das Vereinsgelände (etwa 11 500 m² Fläche) samt ehemaligem Stellwerk LN kaufen.

Die Arbeit hört nicht auf. Das Gebäude wird regelmäßigen Instandsetzungen unterzogen, die Feldbahn-Sammlung bietet noch mindestens für eine Generation die Möglichkeit, Fahrzeuge aufzuarbeiten und in Betrieb zu nehmen. Die Modellbahn-Technik ist so schnell, das ständig Erneuerungen und Erweiterungen auf der „To do Liste“ stehen. Auch die Eisenbahnfreunde wünschen sich mehr jüngere Leute. Heute hat der Verein 48 Mitglieder. Alle, die noch nicht bei den Eisenbahnfreunden zu Besuch waren, und die regelmäßigen Besucher haben Pfingsten Gelegenheit, beim „Tag der offenen Tür“ Einblicke in die Aktivitäten zu erhalten.  

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