Juniorwahl am HAG
Lehrstunden für die Demokratie

Lengerich -

Die Europawahl ist auch am Hannah-Arendt-Gymnasium ein wichtiges Thema. Es gibt eigens ein Projekt aus diesem Anlass. Und das bietet den teilnehmen Schülern sogar die Möglichkeit abzustimmen – und das bereits am Donnerstag, drei Tage vor dem offiziellen Urnengang.

Dienstag, 21.05.2019, 06:03 Uhr aktualisiert: 21.05.2019, 06:10 Uhr
Birgit Meiners (links) und Nane Knümann sind Initiatorinnen des Projekts Juniorwahl, in dem sich Schüler der Jahrgangsstufe 9, der EF und der Q1 mit der Europawahl auseinandersetzen.
Birgit Meiners (links) und Nane Knümann sind Initiatorinnen des Projekts Juniorwahl, in dem sich Schüler der Jahrgangsstufe 9, der EF und der Q1 mit der Europawahl auseinandersetzen. Foto: Michael Baar

Politikmüdigkeit? Kein Bock auf die Europawahl ? Davon kann am Hannah-Arendt-Gymnasium keine Rede sein. Die Wahlprogramm der im Bundestag vertretenen Parteien sind unter die Lupe genommen worden. Es wird über europäische Themen diskutiert. Der knapp einen Meter lange Wahlzettel ist ebenso Thema wie das ganze Drumherum, damit am 26. Mai die Wahlberechtigten ihre Stimme abgeben können.

Triebfedern hinter diesem Projekt sind Nane Knümann und Birgit Meiners . Die beiden Jung-Lehrerinnen haben die Juniorwahl an anderen Schulen kennengelernt. Am HAG setzen sie es jetzt in die Tat um. „Ohne die Unterstützung der Fachschafts-Kollegen und der Schulleitung wäre das nicht möglich gewesen“, betonen sie gleich zu Beginn des Gespräches. Was mehr ist als eine reine Höflichkeitsfloskel, wie sich herausstellt.

Schüler an Demokratie heranführen, Politik in die Schule, zu den Schülern holen. In diesen wenigen Worten fassen die Pädagoginnen zusammen, worum es im Projekt geht. Dicke Bretter bohren mussten sie nicht, als sie die Juniorwahl in der Jahrgangsstufe 9, der EF und der Q1 vorstellten. „Die Schüler waren aufgeschlossen, wollten wissen, wie so eine Wahl läuft“, beschreibt Nane Knümann die Präsentation des Projekts.

Keine Fünf-Prozent-Hürde, Wahlprogramm, Wahlbenachrichtigungen – „davon hätte längst nicht jede und jeder gehört“, schmunzelt Birgit Meiners. Aber der aktuelle Bezug zum Urnengang am 26. Mai brach das Eis. „Intensiver haben sich die Schüler die Programme der im Bundestag vertretenen Parteien angeschaut“, erzählt Nane Knümann. Angesichts von 40 Parteien auf dem Wahlzettel sei eine Vorauswahl unumgänglich gewesen. „Natürlich hatte aber jeder die Chance, sich auch mit den Programmen der anderen Parteien auseinanderzusetzen“, betont sie.

Programm studieren ist das eine, die Inhalte in Rollenspielen vermitteln etwas anderes. Und da hätten sich die Gymnasiasten richtig ins Zeug gelegt. „Einer hat seine Rolle so überzeugend gespielt, dass er anschließend mehrfach betonen musste, es sei nur eine Rolle gewesen und habe nichts mit seiner eigenen Einstellung zu tun“, beschreibt Birgit Meiners die Intensität des Unterrichtsprojekts.

Warum Nationalisten, die Europa ablehnen, ins EU-Parlament wollen, bot ebenso Gesprächsstoff wie die Frage der Grenzsicherung in Europa. „Daraus hat sich in der Q1 eine Diskussion über das Thema gemeinsame EU-Armee entwickelt“, berichtet Birgit Meiners.

Am Donnerstag, 23. Mai, wird von den Projektteilnehmern am HAG gewählt. Das Wahllokal in der Studiobühne ist von 8.30 bis 13.30 Uhr geöffnet. Rund 20 Schüler packen tatkräftig mit an, damit alles so läuft wie drei Tage später, am Tag der eigentlichen Wahl zum EU-Parlament.

Ausgezählt wird am HAG auch, vom Wahlvorstand. Bekanntgegeben wird das Ergebnis aber erst am Montag, 27. Mai. Es ist Stillschweigen vereinbart worden über das Ergebnis der Auszählung. Ein Argument der Schüler für dieses Vorgehen: Das Ergebnis am HAG könnte zur Wahlbeeinflussung führen. „In manchem Haushalt ist über das Projekt gesprochen, diskutiert worden“, haben die beiden Pädagoginnen immer wieder gehört.

Schluss ist nach dem Auszählen der Stimmen und der Bekanntgabe des Ergebnisses noch lange nicht. Dann wird das Ergebnis mit seinen Auswirkungen auf die Zusammensetzung des EU-Parlaments verfolgt und analysiert. Ob sich die Resultate am HAG mit dem Wahlergebnis decken, spielt keine große Rolle. „Die Schüler sind engagiert, freuen sich über Einblicke in das System Demokratie und erkennen idealerweise, dass Politik kein Event ist, sondern Tagesgeschäft, für das man sich einsetzen muss“, fassen Nane Knümann und Birgit Meiners zusammen.

Wenn sich einer oder einige der Projektteilnehmer in der Jugendorganisation einer Partei engagieren würde, fänden sie das gut. Das gilt auch für das Thema Juniorwahl. Dieses Projekt sollte dauerhaft am Hannah-Arendt-Gymnasium etabliert werden.

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