Hospiz-Verein mit neuer Struktur
Ziel ist immer ein Abschied in Würde

Lengerich -

Hauptamtliche Hilfe hat seit Anfang des Jahres der Hospiz-Verein Lengerich. Margarete Heitkönig-Wilp ist als Koordinatorin tätig – und entlastet damit nicht zuletzt die Vorsitzende Dr. Roswitha Apelt.

Samstag, 25.05.2019, 15:17 Uhr aktualisiert: 25.05.2019, 15:20 Uhr
Margarete Heitkönig-Wilp (rechts) entlastet als hauptamtliche Koordinatorin unter anderem die Vorsitzende des Hospiz-Vereins, Dr. Roswitha Apelt.
Margarete Heitkönig-Wilp (rechts) entlastet als hauptamtliche Koordinatorin unter anderem die Vorsitzende des Hospiz-Vereins, Dr. Roswitha Apelt. Foto: Michael Baar

Die Selbstbestimmung des Patienten ist das oberste Gebot. „Wir versuchen, den Bedarf des Menschen zu erkennen und zu erkunden, wie er seine Lebensqualität definiert“, sagt Dr. Roswitha Apelt . Keine leichte Aufgabe, die von den ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Hospiz-Vereins zu bewältigen ist. Schließlich befinden sind die betroffenen Menschen in der letzten Lebensphase.

Keine leichte Aufgabe auch für die Vorsitzende des rund 250 Mitglieder zählenden Vereins. Knapp 200 Personen sind in Grundkursen auf die Aufgabe als Sterbebegleiter vorbereitet worden seit der Gründung des Hospiz-Vereins Lengerich und Umgebung vor knapp 23 Jahren. Aktuell begleiten rund 35 Ehrenamtliche Menschen bei deren letzten Schritten im Leben.

„Manchmal habe ich mich schon ein Stück weit überfordert gefühlt“, räumt Apelt im Gespräch mit den WN ein. Auch wenn der Palliativ-Ärztin die Hospiz-Arbeit ans Herz gewachsen ist. Nach Jahresbeginn kann sie nun etwas durchatmen. Mit Margarete Heitkönig-Wilp hat der Verein seit Jahresbeginn eine hauptamtliche Koordinatorin mit einer 35-Stunden-Stelle.

Dieser Schritt hin zu einer bezahlten Mitarbeiterin ist im vergangenen Jahr im Verein intensiv diskutiert worden. Dass die Kosten von den Krankenkassen übernommen werden, hat die Entscheidung letztlich erleichtert. „Als wir beim Verband in Dortmund diesbezüglich vorsprachen, haben die uns nur gesagt, ,Ihr seid aber spät dran‘“, schmunzelt die 56-Jährige. Andere Hospiz-Vereine hätten diesen Schritt schon viel früher getan.

Die Voraussetzungen für die Arbeit als Koordinatorin bringt Margarete Heitkönig-Wilp mit, ist zudem vielen Mitgliedern als Leiterin der Hospiz-Grundkurse bekannt. Was ihr jetzt, wie sie einräumt, „sehr zugute kommt“. Sie ist erste Kontaktperson, wenn sich jemand an den Hospiz-Verein wendet. „Ich mache mir ein Bild von dem Menschen und habe dann im Hinterkopf vielleicht schon eine Idee, welcher unserer Ehrenamtlichen der richtige Begleiter sein könnte“, fasst sie ihre Aufgabe zusammen.

Trotzdem könne es vorkommen, dass die Chemie zwischen Begleiter und Patient nicht stimme. Da Margarete Heitkönig-Wilp bei den ersten zwei, drei Treffen dabei ist, bekomme sie das schnell mit. Wobei es auch Äußerlichkeiten sein können, mit denen sich ein Ehrenamtlicher schwer tue. Beispielsweise, wenn der Klient starker Raucher sei oder viele Haustiere halte.

Was in den nächsten Jahren zunehmen werde, sei die Zahl der Patienten, die an Demenz erkrankt sind. Da sind sich Roswitha Apelt und die Koordinatorin sicher. Das sei immer eine Herausforderung für die Begleiter. Im gleichen Atemzug fordern die beiden Frauen, „in der Gesellschaft muss eine Sorgenkultur entstehen“.

Das fange damit an, dass eine Kommune wissen müsse, wo leben demente Menschen, wie leben die (allein, in einer Partnerschaft oder Familie), wie ist deren Lebensalltag. „Das fängt gerade erst an, dass überlegt wird, wie man mit diesen Menschen umgehen sollte“, beobachtet die Vorsitzende. Sie fordert auch mehr Mitgefühl von jedem Einzelnen. „Wenn ich eine Nachbarin drei Tage nicht gesehen habe, die ich sonst täglich sehe, sollte ich einfach mal bei ihr klingeln“, nennt sie ein Beispiel.

Dass auch die ehrenamtlichen Begleiter mit ihren Erfahrungen klarkommen, dafür sorgen Margarete Heitkönig-Wilp und die monatlich stattfindenden Supervisionen im Haus Jona. In der Begleitung erhalten sie vielfältige Einblicke in die Situation der betroffenen Personen, was zu einer Belastung werden könnte. Denn eines ist unabdingbar für alle Ehrenamtlichen: „Egal wie es in der Familie ist, sie haben absolute Neutralität und die Schweigepflicht zu wahren“, stellt die Koordinatorin fest. „Das ist nicht immer einfach“, weiß sie aus Erfahrung.

Zum Thema

Kontakt: Ute Kämmerling (' 0 54 81/30 61 51 – dienstags und donnerstags 9 bis 12 Uhr, Anrufbeantworter –, E-Mail info@hospiz-lengerich.de); Margarete Heitkönig-Wilp (' 01 51/ 20 29 10 62, E-Mail heitkoenig-wilp@hospiz-lengerich.de).

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