Dezentrale Wärmeversorgung für Gesamtschule
Eine Heizung für viele Gebäude

Lengerich -

Für den Neubau der Gesamtschule soll es eine dezentrale Wärmeversorgung geben. Eingebunden werden sollen etliche Gebäude in der unmittelbaren Nähe, beispielsweise das Hannah-Arendt-Gymnasium und die Volkshochschule. Bislang nur eine Idee: eine gläserne Heizzentrale.

Mittwoch, 29.05.2019, 06:20 Uhr aktualisiert: 29.05.2019, 06:30 Uhr
Die Skizze der Stadt Lengerich zeigt die potenziellen Gebäude, die bei einer dezentralen Wärmeversorgung im Zuge des Neubaus der Gesamtschule mit einbezogen werden könnten. Denkbar ist zudem, dass auch die Häuser der Wohnungsbaugenossenschaft an der Straße An der Mühlenbreede in Nachbarschaft des Gymnasiums in die Versorgung integriert werden.
Die Skizze der Stadt Lengerich zeigt die potenziellen Gebäude, die bei einer dezentralen Wärmeversorgung im Zuge des Neubaus der Gesamtschule mit einbezogen werden könnten. Denkbar ist zudem, dass auch die Häuser der Wohnungsbaugenossenschaft an der Straße An der Mühlenbreede in Nachbarschaft des Gymnasiums in die Versorgung integriert werden. Foto: Stadt Lengerich

Die Wärmeversorgung für den Neubau der Gesamtschule soll dezentral sichergestellt werden. Dafür hat sich der Haupt- und Finanzausschuss am Montagabend einstimmig ausgesprochen. Durch die Einbindung weiterer städtischer Gebäude soll der Wärmebedarf möglichst effizient gedeckt werden, heißt es in der Vorlage der Stadtverwaltung.

Alexander Osenberg hat den Kommunalpolitikern drei Varianten vorgestellt: ein Blockheizkraftwerk mit Solarthermie, ein Blockheizkraftwerk mit Biomasse-Kessel und eine Brennstoffzelle. Alle drei Vorschläge enthalten einen Erdgas-Spitzenlastkessel. Der dient zum Auffangen von Verbrauchsspitzen, „beispielsweise, wenn es mal sehr kalt werden sollte“, erläutert der Fachdienstleiter Zentrale Gebäudewirtschaft im Gespräch mit den WN .

Eine Wärmeversorgung mit Geothermie, also die Nutzung der Erdwärme, ist nach Angaben der Verwaltung für die Wärmeversorgung des Schulzentrums und weiterer Bestandsgebäude ungeeignet. Eine Realisierung würde gegenüber einer dezentralen Lösung Mehrkosten von rund 400 000 Euro verursachen. Ein Brennwertkessel kommt ebenfalls nicht in Frage, weil mit ihm die Anforderungen der Energieeinsparverordnung 2016 nicht erfüllt werden können und keine erneuerbaren Energien zum Einsatz kommen.

Mit einer Kombination von Brennwertkessel, Solarthermie, Speicher, zusätzlicher Dämmung und einer zentralen Lüftungsanlage würden sowohl die Anforderungen aus dem energiepolitischen Arbeitsprogramm der Stadt wie auch der Energiesparverordnung erfüllt. Angesicht von Mehrkosten von kalkulierten 540 000 Euro konnten sich die Ausschussmitglieder für diese Lösung nicht erwärmen.

Was auf alle Fälle kommen soll, ist ein Blockheizkraftwerk. Dafür wurden in der Sitzung zwei mögliche Standorte genannt: Im Wäldchen zwischen Bonhoeffer-Realschule und Gesamtschule oder – „das könnte eine gläserne Zentrale werden“, so Alexander Osenberg – zwischen Kreissporthalle und ehemaligem Berufskolleg auf der Nordseite der Bahnhofstraße.

Der ökologische „Fußabdruck“ des Durchschnittsbürgers

127 Tonnen Kohlendioxid (CO) können jährlich eingespart werden, wenn die dezentrale Wärmeversorgung für den Neubau der Gesamtschule realisiert wird. Jeder Bundesbürger hinterlässt im Jahr einen „Fußabdruck“ von zehn Tonnen CO. Dazu tragen, das hat die Verbraucherzentrale Bayern ausgerechnet, zu 23 Prozent Mobilität, zu 15 Prozent Ernährung, zu 18 Prozent Heizung, zu sieben Prozent Strom, zu zwölf Prozent Infrastruktur und zu 25 Prozent „sonstiger Konsum“ bei.Das klimaverträgliche Pro-Kopf-Budget in Deutschland läge bei einer Emission von zwei Tonnen COim Jahr. Allein durch den häufigeren Umstieg aufs Fahrrad lassen sich zehn Millionen Tonnen COeinsparen, wenn die Deutschen ihre Durchschnittsstreckenlänge im Jahr von 300 Kilometern auf das Niveau der Niederländer – 1000 Kilometer – hochstrampeln.Einige Vergleiche:Ein Kühlschrank emittiert im Jahr 150 Kilogramm CO. Ein Auto (Jahresfahrstrecke 12 600 Kilometer) lässt 2,2 Tonnen COaus dem Auspuff entweichen. Ein Urlaubsflug in die Karibik emittiert 6,6 Tonnen Kohlendioxid in die Umwelt. Diese Werte haben die Verbraucherschützer in Relation zu den klimatischen Fußabdrücken anderer Staaten gesetzt. Der Kühlschrank-Wert entspricht der Emission von zwei Menschen in Äthiopien, der Auto-Wert der Jahresemission eines Bürgers der Dominikanischen Republik, und was auf dem Urlaubsflug in die Karibik in die Luft geblasen wird, entspricht dem ökologischen Fußabdruck von 110 Menschen in Tansania.Die zurückgelegten Strecken (in Kilometern) verschiedener Verkehrsmittel, bei denen eine Tonne COausgestoßen wird: 32 258 Reisebus; 21 739 Bahn-Fernverkehr; 14 286 Linienbus; 12 987 Bahn-Nahverkehr; 7246 Pkw; 2809 Flugzeug.

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Ein Argument, mit dem der Fachdienstleiter aufwartete, stießt bei den Kommunalpolitikern auf positive Resonanz. Bei einer dezentralen Versorgung könnte der jährliche Ausstoß von Kohlendioxid (CO) um 127 Tonnen gesenkt werden. Diese Menge des klimaschädlichen Gases errechnet sich aus den Emissionen der Gesamtschule mit eigener Wärmeversorgung (Brennwertkessel) von 85 Tonnen COim Jahr und der bestehenden Gebäude im Schulzentrum Bahnhofstraße von 288 Tonnen COim Jahr. Eine dezentrale Versorgung dieser Immobilien würde den CO-Ausstoß von 373 auf 246 Tonnen im Jahr reduzieren.

Potenzielle Kandidaten für eine dezentrale Wärmeversorgung sind neben dem Gesamtschul-Neubau das Hannah-Arendt-Gymnasium, die Bonhoeffer-Realschule, die Dreifach-Sporthalle, die Volkshochschule, das Haus Bahnhofstraße 108 (in städtischem Besitz) und die Kreissporthalle. Das ehemalige Berufskolleg, im Besitz des Kreises, hält Alexander Osenberg als weiteren Bestandteil des Wärmenetzes für „denkbar“. „Das hängt allerdings davon ab, was der Kreis mit dem Gebäude vorhat“, schränkt er ein.

Theoretisch könnten auch die Häuser auf der östlichen Seite der Straße An der Mühlenbreede zwischen ehemaliger VHS und der Eduard-Lagemann-Straße in die dezentrale Wärmeversorgung integriert werden. Die Stadtwerke Lengerich, Partner der Stadt bei diesem Projekt, soll den Kontakt zur Wohnungsbaugenossenschaft Lengerich aufnehmen. Der Wohnbau gehören diese Mehrfamilienhäuser.

Wie teuer das alles wird? „Die finanziellen Auswirkungen hängen von der letztendlichen vertraglichen Ausgestaltung ab. Grundsätzlich sind die Kosten im Budget für den Neubau der Gesamtschule Lengerich/Tecklenburg enthalten“, heißt es dazu in der Sitzungsvorlage.

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