Pilotprojekt gegen Wildunfälle
Große Schilder und große Erwartungen

Lengerich/Lienen -

Es ist ein Pilotprojekt, das am Mittwoch mit dem Austausch von zwei Verkehrshinweistafeln begonnen hat. Mit den neuen Schildern sollen Verkehrsteilnehmer auf der Strecke zwischen Lengerich und Lienen verstärkt auf das Risiko von Wildunfällen aufmerksam gemacht werden. Gerade dort kracht es besonders häufig.

Mittwoch, 12.06.2019, 18:28 Uhr aktualisiert: 13.06.2019, 16:46 Uhr
In Höhe der Firma Wichmann montierten Arbeiter die erste große Hinweistafel, die vor Wildwechsel warnt. Ein altes, kleineres Schild ist dafür abgehängt worden.
In Höhe der Firma Wichmann montierten Arbeiter die erste große Hinweistafel, die vor Wildwechsel warnt. Ein altes, kleineres Schild ist dafür abgehängt worden. Foto: Paul Meyer zu Brickwedde

Ob fünf neue Schilder bei der Lösung des Problems wirklich helfen können? Jürgen Bauland hofft darauf. Der Leiter der Direktion Verkehr bei der Kreispolizeibehörde verweist auf den Landkreis Diepholz, wo mit den großen gelben Tafeln „gute Erfahrungen“ gemacht worden seien. Warum soll das Gleiche also nicht auch zwischen Lengerich und Lienen funktionieren? Auf jenem Teilstück der Iburger/Lengericher Straße, auf dem sich allein im Jagdjahr 2018/2019 (1. April bis 31. März) mehr als 30 Wildunfälle ereignet haben. Bauland und seine Mitstreiter setzen darauf, dass Verkehrsteilnehmer in Zukunft langsamer fahren, um das Risiko eines Zusammenstoßes mit Reh-, Dam-, Schwarz- und sonstigem Wild zu senken.

Mit dem Auswechseln des ersten Schildes am Mittwochvormittag begann ein Pilotprojekt für den Kreis Steinfurt. Polizei, Landwirte, Jäger, Straßen-NRW und Kreisverwaltung sind mit im Boot. Mindestens rund ein Jahr will man nun beobachten, ob die neuen Hinweistafeln den gewünschten Erfolg bringen. Verteilt auf 3,4 Kilometer werden an der Straße insgesamt fünf stehen, sagt Heinrich Lütke-Wenning von Straßen-NRW. Er erklärt auch, warum nicht einfach die zulässige Höchstgeschwindigkeit gesenkt wird. Aktuell gilt 80, das sei schon weniger als die an sich auf solchen Strecken geltende Richtgeschwindigkeit von 100. Er sähe die „Akzeptanz“ bei den Verkehrsteilnehmern in Gefahr, sollte noch einen Schritt weiter gegangen werden. „Wir wären ja schon froh, wenn sich die Leute an die 80 halten.“

Welche Dimension das Thema Jagdunfälle hat, verdeutlicht Jürgen Bauland mit einigen Zahlen: 2018 ereigneten sich allein in Lengerich 171 Wildunfälle, in Lienen waren es 93 und im gesamten Kreis 2262. Den letzten Wert versieht der Fachmann mit der Wertung „enorm“, seien das doch ein Prozent aller Wildunfälle in ganz Deutschland.

Inwieweit diese Zahlen die gesamte Dimension des Problems widerspiegelt, kann der Leiter der Direktion Verkehr nur schätzen. Es gebe natürlich eine Reihe von Wildunfällen, die der Polizei nicht gemeldet werden, sagt er. „Manche Autofahrer wenden sich beispielsweise direkt an die Jagdpächter.“ Auffällig sei zudem, dass Lkw in den Statistiken fast gar nicht auftauchen. Wenn ein 20-Kilo-Reh vor einen 40-Tonner gerate, „interessiert das die Fahrer gar nicht“.

„Stellschrauben“, etwas zu ändern, gebe es genau zwei: die Tiere und den Menschen. Die Menschen sollen nun mittels der kaum zu übersehenden Schilder sensibilisiert und zum Umdenken bewegt werden. Doch es ist noch mehr möglich. Hegeringleiter Hartmut Grotholtmann nennt das veränderte Freizeitverhalten: Mountainbiker, Nordic-Walker und Co. trügen durch ihre Aktivitäten erheblich dazu bei, dass das Wild immer wieder aufgescheucht werde und dann möglicherweise dem Verkehr in die Quere komme. „Das ist ein ganz wichtiger Aspekt.“ Er und Bauland werben zudem dafür, die aktuell so beliebten Blühstreifen nicht direkt an Straßen, sondern nur mit erheblichen Abstand dazu anzulegen. Denn die seien nicht nur für Insekten wichtig, sondern dienten dem Wild auch als Nahrungsquelle.

Die Frage, inwieweit auch ein wachsender Wildbestand eine Rolle spielt, bewerten Grotholtmann und Bauland indes nicht einhellig. Der Hegeringleiter ist sich nicht sicher, ob die Bestände derart gewachsen sind, dass dieses Mehr an Tieren ein Grund für die hohe Zahl an Unfällen sein könnte. Bauland zeigt sich überzeugt, dass auch das eine Rolle spielt, warum es derart oft knallt.

Sinkt die Zahl der Unfälle während der Pilotphase zwischen Lengerich und Lienen im erhofften Umfang, sollen die neuen, großen Schilder auch an anderen Stellen im Kreis aufgestellt werden.

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