Prozessauftakt
Turnhallen-Drama vor Gericht - Anklage wegen erpresserischen Menschenraubs

Lengerich/Münster -

Die Anklage lautet unter anderem auf erpresserischem Menschenraub gegen einen 25 Jahre alten Mann aus Tecklenburg. Der soll, so lautet der Vorwurf, im Januar in einer Sporthalle in Lengerich 43 Mitglieder einer Sportgruppe sowie deren zwei Übungsleiterinnen in seine Gewalt gebracht haben . Vor dem Landgericht Münster sind für den Prozess zwei Verhandlungstage angesetzt worden. Beginn ist am 19. Juni.

Donnerstag, 13.06.2019, 05:29 Uhr aktualisiert: 13.06.2019, 06:57 Uhr
Mit einem Großaufgebot war die Polizei am Abend des am 7. Januar an der Zweifachhalle an der Bahnhofstraße präsent.
Mit einem Großaufgebot war die Polizei am Abend des am 7. Januar an der Zweifachhalle an der Bahnhofstraße präsent. Foto: Jens Keblat

Am Mittwoch, 19. Juni, beginnt der Prozess gegen jenen Mann aus Tecklenburg, der am 7. Januar in Lengerich insgesamt 45 Menschen in seine Gewalt gebracht und dann mit einer Bombe sowie der Ermordung mehrerer Personen gedroht haben soll. Der 25-Jährige muss sich vor der 8. Großen Strafkammer am Landgericht Münster unter anderem wegen erpresserischen Menschenraubs verantworten. „Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass er aufgrund einer psychischen Erkrankung nicht schuldfähig war“, heißt es in einer Mitteilung des Gerichts zu dem Fall.

Geiseln blieben unverletzt

Bei den Opfern handelte es sich um Mitglieder des Vereins RSG Teuto Antrup-Wechte, 43 Kinder und Jugendliche im Alter von elf bis 18 Jahren sowie zwei 23 Jahre alte Betreuerinnen. Sie alle blieben körperlich unversehrt.

Wenige Tage vor der Tat in Klinik eingewiesen

Der 25-Jährige war wenige Tage vor der Tat in die LWL-Klinik in Lengerich eingewiesen worden. Grund dafür war ein Vorfall in Ibbenbüren. Dort hatte sich der Mann Ende Dezember in einem Hotelzimmer einquartiert und mit Selbstmord durch das Zünden einer Bombe gedroht. Er wurde in Gewahrsam genommen; bei der Durchsuchung des Zimmers fand die Polizei große Mengen Silvesterfeuerwerk.

Großeinsatz: Geiselnahme in Sporthalle

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  • Am frühen Montagabend hat ein 25-jähriger Mann aus dem Kreis Steinfurt die Sporthalle in Lengerich betreten.

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  • Dort bedrohte er eine etwa 40-köpfige Übungsgruppe mit dem Zünden einer Bombe, teilte die Polizei mit.

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  • Der Mann hat die Kinder dann nach und nach gehen lassen.

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  • Kurze Zeit später ließ er auch die beiden Betreuerinnen der Kindergruppe frei.

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  • Kräfte eines Spezialeinsatzkommandos konnten den Mann noch in der Sporthalle festnehmen.

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  • Bei der Geiselnahme wurde nach Informationen der Polizei niemand verletzt.

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  • Die betroffenen Kinder wurden nach ihrer Freilassung betreut.

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  • Die Polizei geht aktuell von einem Einzeltäter aus.

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  • Gerüchte, dass es noch einen zweiten Täter geben könnte, bestätigten sich somit nicht.

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  • Die Bahnhofstraße war für die Zeit der Spurensicherung gesperrt.

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In der LWL-Klinik wurde der Tecklenburger untersucht und therapeutisch begleitet. Nach Angaben der Verantwortlichen trat dabei das Risiko einer Eigengefährdung zutage, nicht jedoch auch die Tatsache, dass der Mann für Dritte eine Gefahr darstellen könnte. Am Tattag hatte er die Erlaubnis, sich frei auf dem Klinikgelände zu bewegen, nachdem es zuvor bei Gruppenausgängen keine Probleme gegeben haben soll.

Er hielt sich nicht an die Absprache und verließ das LWL-Areal Richtung Stadt. Gegen 17.15 Uhr betrat er die Halle und nahm die RSG-Sportler als Geiseln. Gut eine Stunde später wurde der 25-Jährige festgenommen, nachdem zuvor alle 45 Kinder, Jugendlichen und Erwachsenen frei gekommen waren.

Staatsanwaltschaft: Gefahr für die Allgemeinheit

Bereits im Mai hatte die Staatsanwaltschaft mitgeteilt, dass sie den Tecklenburger aufgrund einer langjährigen psychischen Erkrankung für eine Gefahr für die Allgemeinheit hält und deshalb eine Sicherheitsverwahrung in einer psychiatrischen Klinik beantragt habe.

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