Jannik Welp war bei „Jugend und Parlament“ dabei
Als Tobias Fischer im Reichstag

Lengerich -

Für das Projekt musste Jannik Welp in die fiktive Rolle eines Bundestagsabgeordneten schlüpfen. In seinem Fall war das Tobias Fischer, 33 Jahre, aus Hamburg. Über vier Tage erstreckte sich das Projekt „Jugend und Parlament“. Was der 19-Jährige erlebt hat, wie er zur Teilnahme gekommen ist? Ein Gespräch.

Montag, 17.06.2019, 06:27 Uhr aktualisiert: 17.06.2019, 06:30 Uhr
Jannik Welp, der im Jugendzentrum Lengerich arbeitet und im Jugendbeirat aktiv ist, nahm auf Einladung der Abgeordneten Kathrin Vogler (Die Linke) am Bundestagsprojekt „Jugend und Parlament“ teil.  
Jannik Welp, der im Jugendzentrum Lengerich arbeitet und im Jugendbeirat aktiv ist, nahm auf Einladung der Abgeordneten Kathrin Vogler (Die Linke) am Bundestagsprojekt „Jugend und Parlament“ teil.   Foto: Henning Meyer-Veer

Einmal den parlamentarischen Betrieb in Berlin ganz aus der Nähe erleben. Einmal in die Rolle eines Bundestagsabgeordneten schlüpfen. Jannik Welp hat es getan. Auf Einladung der hiesigen Bundestagsabgeordneten Kathrin Vogler (Die Linke) nahm er am Bundestagsprojekt „Jugend und Parlament“ teil. Vier Tage lang hieß das für Jannik Welp Sitzung auf Sitzung auf Sitzung bis zur großen Bundestagsdebatte am Ende.

Jannik Welp. 19. Abitur 2018 am Goethe-Gymnasium Ibbenbüren. Jetzt FSJler. Im Jugendzentrum Lengerich. Und demnächst Student. Soziale Arbeit. In Münster. Oder Freiburg. Je nachdem. Den Kontakt zu Kathrin Vogler hatte der junge Mann bei einer FSJ-Bildungsfahrt geknüpft. Über einen Mitarbeiter. Vogler lud ihn dann ein, an dem Projekt teilzunehmen.

„Jugend und Parlament“ gibt es schon länger. „Seitdem ich im Bundestag bin in jedem Fall“, so Vogler. „Ich bewerbe mich jedes Mal und bin immer froh, wenn ich jemanden schicken darf.“ Nicht jeder Bundestagsabgeordnete bekommt die Möglichkeit, etwas mehr als 300 Jugendliche nehmen teil, Abgeordnete gibt es etwa doppelt so viele. „Das geht über die Fraktionen – nach Proporz.“

Vier Tage Berlin. Untergebracht in einem Hostel, das der Bundestag angemietet hatte. „Ich kannte natürlich niemanden“, sagt Jannik Welp. Aber schon beim Check-in sei man schnell ins Gespräch gekommen. Und dann ging es auch los: Landesgruppensitzung, Fraktionssitzung und und und. Es gab viel zu tun.

Für Tobias Fischer. 33 Jahre. Aus Hamburg. Das war der fiktive Abgeordnete, dessen Rolle Jannik Welp für vier Tage einnahm. Ein Abgeordneter der fiktiven konservativen Bewahrungs-Fraktion, einer von Dreien.

„Es gehört zum Konzept, dass die Jugendlichen nicht der politischen Richtung ihrer Mentoren zugeordnet werden“, sagt Kathrin Vogler. „Das führt dann dazu, dass man sich auch mal in eine Rolle reindenkt, die einem nicht so naheliegt.“

Am Anfang sei ihm der Wechsel der politischen Perspektive schon schwergefallen, so Jannik Welp. „Man lernt, die Rolle zu spielen.“ Aber es ging inhaltlich ja Schlag auf Schlag. „Wie ein richtiger Bienenstock“, so Jannik Welp. Viele Leute, die ständig von A nach B rennen. Fraktionssitzung, Ar-beitskreis, Arbeitsgruppe, Landesgruppe, Ausschuss, abends noch mal Arbeitskreis. „Zu sehen, wie viel Angeordnete wirklich arbeiten, ist interessant.“

Jannik Welp saß für die Opposition im Umweltausschuss und hatte den Regierungsvorschlag eines Einwegpfandes auf Kaffeebecher abzulehnen. „Opposition zu sein, das muss man erstmal begreifen. Man kann keine Kompromisse erzielen, muss man aber auch nicht.“

Am Ende stand die Debatte, die vom echten Bundestagpräsidium geleitet wurde: Thomas Oppermann, Claudia Roth, Petra Pau, Wolfgang Kubicki und Wolfgang Schäuble. Und ja, das war die Sitzung, die von Klimaaktivisten „gestört“ wurde. „Teilnehmer unseres Projektes“, so Jannik Welp. „Ich finde es schade, dass nur noch darüber berichtet wurde, und nicht über das, was wir eigentlich gemacht haben.“ Dabei stehe er natürlich persönlich total hinter dem Thema „Fridays for future“. „Ich fand auch die Reaktionen darauf doof. Das wurde total aufgebauscht.“

Und dennoch: „Die vier Tage waren für mich ein absoluter Gewinn“, sagt Jannik Welp. Auch Kathrin Vogler möchte als Abgeordnete aus dem Kreis Steinfurt weiter an dem Bundestagsprojekt, das in jedem Jahr aufgelegt wird, teilnehmen. „Man erlebt fast nur sehr engagierte Jugendliche“, so die Mandatsträgerin, es seien eigentlich alle zufrieden.

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