Wohnungsmarkt
„Seit Jahren wird zu wenig gebaut“

Lengerich -

„Ein- und Zweifamilienhäuser bleiben auf dem Wohnungsmarkt im Münsterland und auch in Lengerich dominant.“ Eine klare Ansage von Matthias Günther, der auf Einladung der Stadtsparkasse ein Kurzgutachten zu Bevölkerung und Wohnungsmarkt in Lengerich präsentierte.

Freitag, 05.07.2019, 06:14 Uhr aktualisiert: 05.07.2019, 06:30 Uhr
Matthias Günther vom Pestel Institut referierte auf Einladung der Stadtsparkasse über den Wohnungsmarkt in der Stadt.
Matthias Günther vom Pestel Institut referierte auf Einladung der Stadtsparkasse über den Wohnungsmarkt in der Stadt. Foto: Michael Baar

Bis zum Jahr 2025 müssen nach Einschätzung des Vorstandsmitglieds des Eduard Pestel Instituts (Hannover) jährlich 100 neue Wohnungen geschaffen werden. „Dadurch würde auch das in den vergangenen Jahren entstandene Defizit abgebaut.“

Eine weitere Empfehlung des Diplom-Ökonomen: „Bauen Sie kleine Wohnungen.“ Worte, die vom Fachpublikum aufmerksam registriert wurden. Politik und Markt müssten entscheiden, welche Entwicklung es bei Mehrfamilienhäusern und Eigentumswohnungen geben soll. Alles vor dem Hintergrund, „dass circa 200 Wohnungen in Lengerich fehlen“.

Allerdings wies Matthias Günther auch auf das Problem von Prognosen hin – mittels anschaulicher Grafiken. So habe das Statistische Landesamt immer mehr an Wachstum erwartet, als dann in der Realität registriert wurde.

In einem Punkt sei freilich keine den Vorhersagen gegenläufige Entwicklung zu erwarten: bei den Sozialwohnungen. „Wir können heute nicht mehr die mit Wohnungen bedienen, die darauf angewiesen sind“, verwies er auf die steigende Zahl armutgefährdeter Personen.

Dem gegenüber steht die Entwicklung beim Wohnraum. Vor knapp 30 Jahren betrug die verfügbare Wohnfläche pro Person in Lengerich rund 35 Quadratmeter. Dieser Wert ist bis zum Jahr 2017 auf etwa 45 Quadratmeter gestiegen.

Kommentar

Krasser Widerspruch

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Am Dienstag noch die einstimmige Entscheidung im Hauptausschuss für das Programm „Jung kauft Alt“. Es sieht die Unterstützung von Familien vor, die eine gebrauchte Immobilie kaufen wollen. Dadurch soll der Flächenverbrauch sinken, am besten gegen Null.

Am Mittwoch die Information, dass in Lengerich bis 2025 jährlich 100 neue Wohnungen entstehen müssen, um den Bedarf zu decken und das in den vergangenen Jahren entstandene Defizit abzubauen. Das geht nur mit der Ausweisung neuer Baugebiete.

Ein krasser Widerspruch, auf den eine klare Antwort gegeben werden muss – von den Kommunalpolitikern. Die dürfen sich an einem Spagat versuchen, bei dem ein einvernehmlicher Kompromiss zwischen den unterschiedlichen Interessenvertretern kaum möglich scheint.

Der Fachmann hat auch die Struktur des Wohnungsmarkts unter die Lupe genommen. Seit der Jahrtausendwende sind in der Stadt rund 1200 neue Wohnungen entstanden. In den zehn Jahren davor waren es etwa 1400. Der weitaus größte Teil der Wohnungen in der Stadt ist in den Jahren 1947 bis 1990 gebaut worden. Eine ökologische Konsequenz daraus: „Alle Effizienzgewinne der vergangenen 20 Jahre haben nur ausgereicht, den Mehrverbrauch zu kompensieren.“

Ein weiterer Faktor, der auf dem Wohnungsmarkt eine Rolle spielt, ist die Bevölkerungsentwicklung. Da könne die Stadt auf die ansässigen Unternehmen setzen. Täglich kommen mehr Menschen nach Lengerich, um zu arbeiten, als umgekehrt. „Vielleicht wollen die ja auch hier wohnhaft werden, wenn sie von weiter weg einen Arbeitsplatz in der Stadt gefunden haben.“

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