Amtsgericht verhängt Ordnungsgelder
Zeugen fehlen unentschuldigt

Lengerich/Tecklenburg -

Neuer Termin, altes Problem. Wie in der ersten Hauptverhandlung am Amtsgericht Tecklenburg vor eineinhalb Jahren ist der Angeklagte da, die meisten der geladenen Zeugen fehlen jedoch unentschuldigt.

Donnerstag, 11.07.2019, 19:34 Uhr aktualisiert: 12.07.2019, 18:00 Uhr
Das Amtsgericht Tecklenburg. 
Das Amtsgericht Tecklenburg.  Foto: Michael Baar

Laut Anklage soll ein 30-Jähriger aus Lengerich in einer Septembernacht im Jahr 2016 gemeinsam mit anderen Männern zwei Brüdern an der Wohnadresse des einen Bruders aufgelauert und einen von ihnen mit einem Messer an der Oberlippe verletzt haben.

Der Angeklagte bestreitet, ein Messer gezückt zu haben, glaubt sich zu erinnern, er habe einen Schlüssel in der Hand gehabt, den er im Eifer des Gefechts verloren habe.

Er räumt aber unumwunden ein, einem der Brüder ein paar Kopfnüsse verpasst zu haben. An die kann sich der Zeuge aber nicht erinnern. Er weiß nur noch, dass der Angeklagte sich auf seinen Bruder gestürzt habe, während er selber von mehreren Männern angegriffen wurde, die plötzlich von der anderen Straßenseite gekommen seien. Ob es Schläge oder Tritte waren, die ihn trafen, weiß er ebenfalls nicht mehr. Lediglich dass die Angreifer „genauso schnell wieder weg waren, wie sie gekommen sind“. Sein Bruder, der eventuell Licht ins Dunkel bringen könnte, ist einer der Zeugen, die nicht erschienen sind.

Der körperlichen Auseinandersetzung an der Wohnadresse der Geschädigten war wenige Stunden zuvor ein Streit an der Bodelschwingh-Realschule vorausgegangen. In einer Hauptverhandlung, ebenfalls vor eineinhalb Jahren, war der jüngere, einschlägig vorbestrafte Bruder des 30-Jährigen wegen Bedrohung zu einer Geldstrafe verurteilt worden.

Den Anklagepunkt der gefährlichen Körperverletzung gegen ihn hatte das Gericht eingestellt, weil während der Hauptverhandlung deutlich geworden sei, dass eine Aufklärung nicht möglich sei, stellte das Gericht damals fest.

Danach sieht es jetzt auch in der Hauptverhandlung gegen den älteren Bruder aus. Dessen Verteidiger regt an, seinen Mandanten wegen der eingeräumten Körperverletzung zu einer Bewährungsstrafe zu verurteilen und die Anklage wegen gefährlicher Körperverletzung fallen zu lassen. Der 30-Jährige steht aktuell aufgrund eines Urteils aus dem Jahr 2017 unter Bewährung. Sein Bewährungshelfer bescheinigt ihm aber einen „eher positiven“ Bewährungsverlauf.

„Ich würde das Verfahren auch gerne zu Ende bringen“, macht der Richter deutlich. Dennoch möchte er versuchen, die fehlenden Zeugen zu einer Aussage zu bewegen, um zu klären, ob nun ein Messer im Spiel gewesen sei und woher die Schnittverletzung an der Oberlippe des Geschädigten stamme. Den Schlüssel des Angeklagten hatten Polizeibeamte noch in der Tatnacht am Ort des Geschehens gefunden.

Gegen vier der unentschuldigt nicht erschienenen Zeugen verhängte das Gericht ein Ordnungsgeld von je 500 Euro. Sie sollen in einer Fortsetzungsverhandlung am Mittwoch, 24. Juli, zu dem Geschehen im September 2016 aussagen.

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