Villa Schlikker als Lernort der VHS
Integration mit Kultur und Geschichte

Lengerich -

Teilnehmer des Deutschkursus B1 der Volkshochschule (VHS) Lengerich haben eine Exkursion zum Museum Villa Schlikker in Osnabrück unternommen. Die zehn Teilnehmer kommen aus verschiedenen Ländern: Syrien, Libanon, Rumänien, Kosovo, Irak, Serbien, Dominikanische Republik und Dagestan.

Samstag, 13.07.2019, 18:12 Uhr aktualisiert: 14.07.2019, 15:54 Uhr
Die Villa Schlikker in Osnabrück wurde für die Teilnehmer am VHS-Kursus „Deutsch als Fremdsprache“ zu einem ungewöhnlichen Lehrort. Begleitet wurden sie von Ludmila Schallenberg (3. von links) und Ingrid Rolfes (3. von rechts).
Die Villa Schlikker in Osnabrück wurde für die Teilnehmer am VHS-Kursus „Deutsch als Fremdsprache“ zu einem ungewöhnlichen Lehrort. Begleitet wurden sie von Ludmila Schallenberg (3. von links) und Ingrid Rolfes (3. von rechts). Foto: Naljaa Bakrou

Ludmila Schallenberg , Fachleiterin für den Bereich „Deutsch als Fremdsprache“, sagt: „Die deutsche Sprache zu lernen ist das eine, die Kultur und Geschichte zu verstehen ist ein weiteres Ziel in den Integrationskursen der Volkshochschule . Das Interesse dafür wird besonders geweckt, wenn man auch mal über den Tellerrand schaut, den Unterrichtsraum verlässt und auf Reisen geht. Es war schon lange eine Überlegung von mir, eine Exkursion für die Teilnehmer zu organisieren. So erfahren sie das im Unterricht Gelernte an einem anderen Lernort und können dieses Wissen im Alltag viel besser anwenden.“

Nach einem privaten Besuch der kulturgeschichtlichen Ausstellung in der Villa Schlikker in Osnabrück entschied sie sich, für die Mi­granten in den Orientierungskursen eine Führung in diesem interessanten Museum zu organisieren. Die Teilnehmer folgten den Ausführungen des Museumspädagogen Ralf Langer mit großem Interesse.

Erst vor zwei Wochen haben die Teilnehmer im Integrationskursus 100 von Ingrid Rolfes die B1-Prüfung, also den Deutschtest für Zuwanderer, absolviert. Nun verfügen sie über so gute Sprachkenntnisse, dass sie im kulturgeschichtlichen Museum in Osnabrück gemeinsam durch 100 Jahre deutsche und europäische Geschichte streifen konnten.

Es war für die Deutschdozentin spannend, den Unterricht einmal an einem anderen Ort als in der VHS fortzusetzen. Anhand der Objekte wurde die erlernte Geschichte durch die museumspädagogische Vermittlung plastisch und spannend. „Das war erlebbare Geschichte“, meinte sie.

Doch manches hat die Teilnehmer schmerzlich an ihre eigene Geschichte und die aktuelle Situation in ihren Heimatländern erinnert, wenn es um die Bombardierung der Städte in den Kriegen, um Giftgasangriffe, Hunger und Elend ging.

Erstaunlich war für einige Teilnehmer die Entwicklung in der sogenannten Wirtschaftswunderzeit in Deutschland, die Zeit als es wieder aufwärts ging und in Europa eine Friedenszeit begann – eine Friedenszeit, die sie sich auch für ihre Heimatländer wünschen. Der Besuch im Geschichtsmuseum war nach Einschätzung der Teilnehmer spannend und eine gute Ergänzung zum Unterricht. Im aktuellen Orientierungskursus geht es in drei Lernmodulen eher theoretisch zu. In 100 Unterrichtsstunden erhalten die Teilnehmer derzeit ein umfassendes Grundwissen zum politischen und sozialen System und zur Geschichte Deutschlands. Sie befassen sich mit der Demokratie, dem Grundgesetz, der Verfassung sowie mit den Rechten und Pflichten des Staates und der Bürger.

Der Bereich Geschichte umfasst die Themen Nationalsozialismus und seine Folgen, die Teilung Deutschlands, die Wiedervereinigung, Europäische Union und so weiter. Der dritte Teil behandelt den Bereich Kultur und Alltagsleben, Themen wie Gleichberechtigung von Mann und Frau, Kindererziehung, interkulturelle Kompetenz, religiöse Vielfalt, Konfliktbewältigung und vieles mehr.

Parallel dazu erarbeiten die Teilnehmer in einem 300-Fragen-Katalog das Wissen, um den Test „Leben in Deutschland“ bestehen zu können. Der Test wird eine Auswahl von 33 Fragen zu Deutschland und dem jeweiligen Bundesland enthalten.

Die Prüfung „Leben in Deutschland“ bereitet die Teilnehmer nach der erfolgten Sprachvermittlung auch gesellschaftspolitisch auf ihr Leben in Deutschland vor. Er wird im Auftrag des BAMF (Bundesamt für Migration und Flüchtlinge) durchgeführt und kann erforderlich sein für eine Verlängerung des Aufenthaltstitels oder das Erhalten der deutschen Staatsbürgerschaft.

Man darf wohl mit Recht behaupten, dass die Teilnehmer nach Abschluss dieses Kurses über ein größeres Wissen zum Land verfügen als viele Deutsche. Nachfolgend einige Meinungen der Kursusteilnehmer: Andra Catirla aus Rumänen ist „froh, dass ich mehr über die Geschichte von Deutschland besonders nach dem Zweiten Weltkrieg erfahren habe“. Wafa Aldruich aus Libanon fand die Exkursion „sehr interessant, weil wir nicht nur theoretischen Unterricht haben, sondern auch solche praktischen Erfahrungen machen“. Khaled Budier aus Syrien meinte, „dieser Tag war für uns alle sehr informativ, aber die Fotos aus dem Zweiten Weltkrieg mit den zerstörten Städten haben mich emotional sehr bewegt und an meine Heimat Syrien erinnert“.

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