Heute beginnen für viele junge Menschen die Lehrjahre
Neue Azubis sind heiß begehrt

Lengerich -

In Lengerich und Umgebung kommt laut Statistik der Agentur für Arbeit aktuell weniger als ein Bewerber auf einen freien Ausbildungsplatz. Die Einsteiger ins Berufsleben sind somit heiß begehrt.

Donnerstag, 01.08.2019, 05:20 Uhr aktualisiert: 01.08.2019, 05:50 Uhr
In vielen Berufsfeldern gibt es gute oder sogar sehr gute Zukunftsperspektiven. Doch das heißt noch lange nicht, dass sie bei jungen Menschen deshalb auch beliebt sind.
In vielen Berufsfeldern gibt es gute oder sogar sehr gute Zukunftsperspektiven. Doch das heißt noch lange nicht, dass sie bei jungen Menschen deshalb auch beliebt sind. Foto: Waltraud Grubitzsch

Der Empfang für die jungen Menschen, die heute eine Berufsausbildung beginnen, dürfte von Arbeitgeberseite in vielen Fällen sehr freundlich ausfallen. Schließlich sind Azubis inzwischen ein rares Gut geworden, das pfleglich behandelt werden will. Zwar melden die drei größten Arbeitgeber Lengerichs (Windmöller & Hölscher, Bischof + Klein sowie die LWL-Klinik), dass sie alle freien Stellen auch besetzt haben. Doch das ist längst keine Selbstverständlichkeit mehr, wie Anke Hermeling von der Agentur für Arbeit berichtet.

Die Teamleiterin Arbeitgeberservice sagt, dass in der Region die Statistik zwar besagt, dass auf einen gemeldeten Ausbildungsplatz ein Bewerber kommt. „Aber in der Realität geht diese Rechnung nicht auf.“ Und für den Geschäftsstellenbezirk Lengerich, zu dem auch noch die Kommunen Ladbergen, Lienen und Tecklenburg gehören, besagen die Zahlen der Agentur sogar, dass es im aktuellen Geschäftsjahr (seit Oktober) sogar mehr Lehrstellen (255) als Bewerber (205) gibt.

Kleine Betriebe seien vom knappen Angebot an jungen Menschen, die eine Ausbildung beginnen wollen, tendenziell eher stärker betroffen als große. „Die machen Marketing, können ihren Mitarbeitern oft bessere Weiterentwicklungschancen bieten und sind von vornherein bekannter“, benennt die Expertin Gründe. Zudem gibt es ihren Worte zufolge starke Unterschiede zwischen den Branchen.

Demnach streben nach wie vor viele Bewerber in den kaufmännischen Bereich. „Da existiert ein Überangebot an Kandidaten“, so Hermeling. Ganz anders sähe die Situation etwa in der Lagerlogistik, der Baubranche, im Einzelhandel und auch in vielen Handwerksbereichen aus.

Was das für die Gesamtwirtschaft bedeutet, macht Hermeling am Beispiel Bau deutlich. Dort seien die Auftragsbücher vieler Unternehmen voll bis zum Anschlag. Private Investoren wie auch die öffentliche Hand hätten teilweise Probleme, ihre Projekte zu realisieren, weil sie keine Firma finden. „Gleichzeitig will kaum noch jemand Maurer werden.“ So etwas könne sich zum Wachstumshemmer entwickeln, konstatiert die Frau von der Agentur für Arbeit.

Belegt werden ihre Einschätzungen durch die Zahlen für Lengerich und Umgebung aus ihrem Haus. Während in den Bereichen Kaufmännische Dienstleistungen, Unternehmensorganisation und Verwaltung sowie Gesundheit, Soziales und Erziehung das Verhältnis Bewerber/Plätze passt beziehungsweise sogar die Zahl der Interessenten größer ist als die der Ausbildungsangebote, kommen im Baubereich 2,6 Stellen auf einen Bewerber, ein Spitzenwert. Und von den 27 gemeldeten Ausbildungsstellen waren im Juli noch zehn unbesetzt.

Auffällig ist zudem, dass die Zahl derjenigen, die eine Ausbildung beginnen wollen, von 2017/18 auf 2018/2019 im Geschäftsstellenbezirk von 234 auf besagte 205 gesunken ist. Festzuhalten ist aber auch, dass die Zahl der gemeldeten Ausbildungsstellen in den vergangenen Jahren zurückgegangen ist. Die 255 in diesem Geschäftsjahr bedeuten den niedrigsten Wert zumindest seit 2013/14.

Arbeitgebern rät Hermeling, sich möglichst attraktiv für den Nachwuchs zu machen und auch darüber nachzudenken, die Anforderungen zu senken. Von den jungen Menschen, die sich auf die Suche nach einer Ausbildungsstelle machen, erhofft sie sich vor allem zwei Dinge: mehr Flexibilität und mehr Bereitschaft, sich zu informieren.

„Seit Jahren tut sich in den Top Ten der beliebtesten Berufe fast nichts“, weist sie auf ein offenbar ziemlich starres Muster bei den „Traumberufen“ hin. Ihrer Ansicht nach hat das viel mit zu geringen Kenntnissen über die Vielfalt des heimischen Arbeitsmarktes zu tun. Als Beispiel erzählt sie die Geschichte eines Abiturienten, der in den kaufmännischen oder Verwaltungs-Sektor wollte, keinen Ausbildungsplatz fand und dann von einem Unternehmen eine Stelle als Fachkraft für Abwassertechnik angeboten bekommen habe. „Der wusste nichts über den Beruf, hat ein Praktikum gemacht, dann das Angebot angenommen und ist heute bestens zufrieden.“

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