Kirchengemeinde wächst gegen den Trend
Ein Plus von 70 Gläubigen

Lengerich -

Rund 20 000 Katholiken weniger im Bistum Münster im Vergleich der Jahre 2018 zu 2017. Warum die katholische Pfarrei Seliger Niels Stensen ein Plus von 70 Gläubigen in diesem Zeitraum verzeichnet – Peter Kossen weiß auf Anhieb keine Antwort.

Samstag, 03.08.2019, 06:28 Uhr aktualisiert: 03.08.2019, 06:30 Uhr

Möglicherweise könne das an Arbeitsmigranten liegen. „Der Arbeitsmarkt entwickelt sich positiv“, vermutet der leitende Pfarrer darin einen Grund. Da die Kirchengemeinde keine direkte Meldung erhält, wenn ein Katholik neu zuzieht, kann er keine definitive Antwort geben.

Auf den Rückgang der Zahl der Gottesdienstbesucher hat die Pfarrei bereits reagiert. Seit März gilt eine neue Gottesdienst-Ordnung. Alle 14 Tage findet im Wechsel in Kattenvenne beziehungsweise Ledde ein Gottesdienst statt. Eine entsprechende Regelung wurde auch für Lengerich und Leeden getroffen. Auslöser dafür waren personelle Engpässe, erläutert er im Gespräch mit den WN . Dass „Angebot und Bedarf nicht zueinander passen“, räumt er unumwunden ein.

Als Grund für die sinkende Zahl der Gottesdienstteilnehmer will er nicht nur die Demografie gelten lassen. „Wer mobil ist, nimmt auch schon mal in einer anderen Kirche am Gottesdienst teil.“ Aber unter dem Strich sei festzustellen, „dass die Leute nicht mehr so zur Kirche gehen“. Wobei die Gründe weitgehend verborgen bleiben. „Es gibt nur vereinzelt Rückmeldungen, warum jemand nicht mehr zum Gottesdienst kommt“, bedauert er. Nur dann könne man versuchen, im Gespräch die Gründe zu hinterfragen.

Nicht ausschließen will Peter Kossen , dass das Thema Missbrauchsskandal für Austritte verantwortlich ist. Ebenso hält er es für möglich, dass Gläubige das Verhalten der Amtskirche stört, beispielsweise beim Umgang mit wiederverheirateten Geschiedenen. „Es wäre schön, wenn man sich da im Gespräch erklären könnte.“

Eine Diskussion wie in Ostbevern – dort hat der Pfarrer dagegen interveniert, dass die Braut von ihrem Vater zum Traualtar geführt wird – hält der Seelsorger in seiner Pfarrei für unnötig. „Man hört im Traugespräch schon heraus, was die Brautleute wünschen und welche Intention dahinter steckt“, sagt er. Zudem glaube er nicht, dass Frauen heute noch glauben, vom Vater an den Mann übergeben zu werden.

Ob Trauungen, Taufen, Erstkommunion oder Firmung: „Die Zahlen stagnieren auf niedrigem Niveau“, stellt er fest. Das gerade mal die Hälfte der Erstkommunionkinder später zur Firmung komme liege möglicherweise daran, „dass einige mit diesem Sakrament nichts anfangen können“.

Die einzige Klarheit für die Kirchengemeinde gibt es bei den Austritten. „Das wird vom Amtsgericht mitgeteilt“, berichtet Peter Kossen. Bleibt die Frage, wie damit umzugehen ist. „Bis vor etwa einem Jahr haben wir diesen Personen einen Brief geschrieben.“ Die Intention dabei: „Wir wollten sie nicht einfach ziehen lassen.“ Warum diese Aktion gestoppt worden ist, hat er schnell erklärt: „Das sieht zu sehr nach Amtskirche aus.“

Ebenfalls statistischen Schwankungen unterworfen ist die Zahl der Wiedereintritte. Ein möglicher Grund für den vorherigen Austritt könnte die Kirchensteuer sein, vermutet der Pfarrer. Diejenigen, die sich wieder aufnehmen lassen, „haben vielleicht die Werte der Kirche erkannt“. Ein bewusstes Ja zur Kirche wertet er als „persönlichen Reichtum“.

Entscheidende Kriterien, Menschen für Kirche zu begeistern, sind für Peter Kossen „die handelnden Personen vor Ort und das Gefühl, Gemeinschaft zu vermitteln“.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6823314?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F105%2F175%2F
Nachrichten-Ticker