Rund 30 Anbieter in Lengerich und Umgebung
Was Airbnb und Co. für den regionalen Tourismus bedeuten

Tecklenburger land -

Rund 30 Anbieter aus Lengerich, Ladbergen und Tecklenburg tummeln sich bei Airbnb. Das Unternehmen gehört zu jenen Internet-Plattformen, auf denen man Unterkünfte von privaten und gewerblichen Anbietern buchen kann. Was bedeuten solche weltweiten Marktplätze für die Tourismusbranche vor Ort?

Freitag, 23.08.2019, 12:30 Uhr aktualisiert: 23.08.2019, 12:35 Uhr
Rund 30 Anbieter aus Lengerich, Ladbergen und Tecklenburg heißen über Airbnb Gäste willkommen.
Rund 30 Anbieter aus Lengerich, Ladbergen und Tecklenburg heißen über Airbnb Gäste willkommen. Foto: Jens Kalaene

Der eine Anbieter wirbt mit Lagerfeueratmosphäre, der andere mit einer „top ausgestatteten Wohnung“. Es kann ein „altes Ärztehaus am Jakobsweg zwischen Altstadt und Canyon“ gebucht werden oder auch ein „zauberhafter Oldtimerbus im Grünen“. Wer in Lengerich und Umgebung seinen Urlaub oder ein langes Wochenende verbringen möchte, eine Unterkunft für eine Nacht sucht, weil er auf dem Jakobsweg unterwegs ist, oder auf Montage ist, kann auch abseits von Hotels und Pensionen fündig werden. Der wohl bekannteste Internet-Marktplatz dafür ist Airbnb .

"Marketing für die Region"

Rund 30 Treffer werden dort allein für Lengerich, Tecklenburg und Ladbergen (in Lienen gibt es keine) angezeigt. Wie bewerten Tourismusfachleute dieses noch recht neue Segment? Ist es womöglich eine Gefahr für die klassischen Betriebe? Oder kann vielleicht sogar die gesamte Branche profitieren, weil insgesamt mehr Gäste an den Teuto kommen?

Die Expertinnen Alexia Finkeldei und Anne Gildehaus ziehen beide den selben Schluss. Für sie sind Airbnb und ähnliche Anbieter grundsätzlich positiv zu sehen. Finkeldei, Geschäftsführerin beim Tecklenburger Land Tourismus, macht dazu eine klare Aussage: Eine Region, die für Besucher von außerhalb attraktiv sein möchte, könne auf die Präsenz in derlei Portalen gar nicht mehr verzichten. Somit gehöre das auch für ihr Haus zum Alltag – wenn auch nicht direkt bei Airbnb. Finkeldei nennt es „Marketing für die Region“, wenn auf den einschlägigen Seiten Zimmer, Wohnungen und Häuser beworben werden.

Zusätzliche Gäste statt Konkurrenzkampf

Anne Gildehaus sitzt im Alten Rathaus in Lengerich, wo unter anderem die örtliche Tourist-Information beheimatet ist, die sie leitet. Im Verzeichnis der Übernachtungsbetriebe, das dort geführt wird, finde sich keiner der örtlichen Airbnb-Player, sagt sie. Weil es im Alltag somit kaum direkte Überschneidungen gebe, sei es für sie schwierig, den Markt exakt einzuschätzen.

Doch trotz des fehlenden Detailwissens ist sich Gildehaus in einer wichtigen Frage sicher: Die Klientel, die auf Airbnb zurückgreift, gehe Hotels und Pensionen nicht verloren, sondern komme zur Gesamtgästezahl obendrauf. Sie begründet diese Einschätzung damit, dass die Ansprüche und Bedürfnisse, jener Menschen, die die klassischen Beherbergungsbetriebe bevorzugen, einfach nicht kompatibel sind mit dem, was in der Regel bei Airbnb geboten wird. Das gelte auch umgekehrt. Soll heißen, wer wert auf eine individuell gestaltete Privatwohnung legt oder einen netten Kotten im Grünen, der geht nicht in ein Vier-Sterne-Doppelzimmer.

Positive Entwicklung der Tourismusbranche

Ganz ähnlich äußert sich Alexia Finkeldei. Und sie fügt noch einen weiteren Punkt hinzu, der ihrer Meinung nach für Airbnb und Co spricht. Insgesamt entwickele sich die Tourismus-Branche in der Region momentan sehr positiv. Zu Spitzenzeiten führe das inzwischen dazu, dass die Zahl der Übernachtungsmöglichkeiten kaum reiche, um die Nachfrage zu befriedigen. Neue Anbieter seien deshalb immer willkommen – wenn sie denn gut seien. Der Preis müsse stimmen, die Lage und die Ausstattung.

Neue Angebote sind willkommen

Auch in diesem Punkt liegen die beiden Fachfrauen auf einer Linie. Anne Gildehaus sagt, dass es in Lengerich momentan an günstigen Übernachtungsmöglichkeiten für eine Nacht mangele. Dabei hat sie vor allem Pilger und Wanderer im Blick, die keinen Luxus bräuchten, aber möglichst zentrumsnah zur Ruhe kommen wollten. „Werlemann fehlt uns schon“, schaut sie zurück auf jene Zeit, als das Hotel in der Altstadt noch betrieben wurde.

Es wäre sicher bemerkenswert, wenn die Lücke, die das Traditionshaus offenbar hinterlassen hat, durch Angebote, die die neue Medienwelt erst möglich machen, kompensiert würde.

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