Unterwegs mit einem Service-Mann von Straßen-NRW
Arbeitsplatz Autobahn-Toilette

Lengerich -

Tag für Tag ist Hartmut Lippmann auf der A1 zwischen Münster und Lotter Kreuz unterwegs. Er arbeitet für den Landesbetrieb Straßen-NRW. Sein Job ist es Park- und Rastplätze sauber zu halten – inklusive der Toiletten.

Samstag, 24.08.2019, 07:41 Uhr aktualisiert: 24.08.2019, 07:50 Uhr
Hartmut Lippmann bei der Arbeit. Die Toilettenanlagen an der Autobahn werden von ihm und seinen Kollegen an jedem Tag des Jahres gereinigt. Manchmal ist das Routine, manchmal wartet auf die Serviceleute ein Knochenjob mit erheblichem Ekelfaktor.
Hartmut Lippmann bei der Arbeit. Die Toilettenanlagen an der Autobahn werden von ihm und seinen Kollegen an jedem Tag des Jahres gereinigt. Manchmal ist das Routine, manchmal wartet auf die Serviceleute ein Knochenjob mit erheblichem Ekelfaktor. Foto: Paul Meyer zu Brickwedde

Nicht alles, was Hartmut Lippmann aus seinem Berufsalltag erzählt, soll an dieser Stelle wiedergegeben werden. Denn manchmal erlebt der 61-Jährige Dinge, die über das für einen Normalbürger vorstellbare Maß hinausgehen. Der Mann aus Hilter a.T.W. nimmt diese abstrusen und ekelhaften Erlebnisse inzwischen meist mit bewundernswerter Gelassenheit hin. In fast 19 Jahren beim Service-Team von Straßen-NRW hat er auf den Parkplätzen an der A1 zwischen Münster und Lotter Kreuz wohl zu viel erlebt, um ständig aus der Haut zu fahren.

Ihr Revier ist die A1

Sein Job ist es, zusammen mit zwei Kollegen für Sauberkeit zu sorgen. Tag für Tag, das ganze Jahr. Sie leeren die Mülleimer, sammeln Unrat ein und reinigen die Toilettenanlagen (außer die an den Raststätten Tecklenburger Land und Münsterland). Ihr Revier ist die A1, aber auch an Teilstücken der A43 und der B54 schauen sie nach dem Rechten. Insgesamt sind es 31 Parkplätze, neun davon mit WCs. Dafür legt Hartmut Lippmann täglich rund 180 Kilometer mit seinem Dienstfahrzeug zurück.

An diesem Morgen geht es von der Autobahnmeisterei in Lengerich zuerst zum Parkplatz Buddenkuhle. Ein kurzer Blick zeigt dem Service-Mann, dass in Sachen Müll(eimer) alles im grünen Bereich ist. Er geht zu den Toiletten. Der 61-Jährige ist zufrieden, „nichts Außergewöhnliches“. Das heißt, es liegt etwas Toilettenpapier auf dem Boden und in einer Toilette sind deutliche „Bremsspuren“ zu sehen.

Hartmut Lippmann hat sein Arbeitsgerät zum Teil dabei, das meiste findet sich aber in einem abgeschlossenen Materialraum zwischen Herren- und Damen-WC. Die Handgriffe sitzen nun. Nachdem er das Toilettenpapier vom Boden aufgesammelt und die Mülleimer geleert hat, sprüht er Boden, Wände, Waschbecken und Toiletten mit einem Reinigungsmittel ein. Danach geht er mit einem Schlauch durch die Räume und spült alles ab. Dann nimmt er sich einen Abzieher für Boden und Wände. Waschbecken, Kloschüsseln und Türen werden mit Schwamm und Papiertüchern abgeputzt. Schließlich die Müllbehälter noch mit leeren Säcken versehen. Letzter Schritt ist der Eintrag in ein Kontrollbuch. Fertig.

Was auf Autobahn-Parkplätzen so alles passiert

Doch so einfach und schnell geht es längst nicht immer. Der Fachmann fürs „Grobe“ kann eine Geschichte nach der anderen erzählen, wenn es darum geht, zu beschreiben, was auf deutschen Autobahn-Parkplätzen und -Toiletten an Absonderlichkeiten so alles passiert, was an Schmutz und sonstigen Hinterlassenschaften immer und immer wieder zu finden ist und wie es dem ein oder anderen Zeitgenossen offenbar sogar Spaß macht, Mitbürger zu schockieren, indem man öffentliche Toilettenräume beispielsweise mit seinen Exkrementen einschmiert.

Aktuell hat Hartmut Lippmann es wieder mit einem solch besonderen Fall zu tun: Ein Unbekannter fährt in der Region anscheinend in schöner Regelmäßigkeit nacheinander mehrere Autobahnparkplätze an, geht zu den Toiletten und stopft in die Schüsseln ganz tief und fest Windeln für Erwachsene hinein, erzählt der 61-Jährige. Was passiert, wenn die nächsten Personen kommen, um das WC zu nutzen, ist vorprogrammiert. Lippmann und seine Kollegen müssen dann dafür sorgen, die Sauerei samt Verstopfung der Rohre zu beseitigen.

Putzprofi plädiert für härtere Strafen

Völlig harmlos ist im Vergleich dazu die Hinterlassenschaft eines Fußballfans auf einer Toilettenwand auf dem Rastplatz Settel. Der Schreiber hat offensichtlich eine Aversion gegen Preußen Münster, der er in der Kabine mit einigen Worten Ausdruck verleihen musste. Hartmut Lippmann – selbst Anhänger des VfL Osnabrück – benennt die reisende Anhängerschaft von Erst-, Zweit- und Drittligisten als eine Problemgruppe, die immer wieder für Arbeit sorge. Reden mache bei dieser Klientel selten Sinn. Der Putzprofi glaubt, dass nur eines helfen kann, um die Zahl der Fälle von Vandalismus und Co. zu senken: härtere Strafen.

Treffen sollten die zum Beispiel jene, die ihr „Geschäft“ nicht auf den Toiletten machen, sondern auf den Rasenflächen oder gar auf den Bürgersteigen. Oder die Brummi-Fahrer, die, so Hartmut Lippmann, während der Fahrt in Flaschen urinieren und diese dann auf den Parkplätzen irgendwo hinwerfen. Oder die, die ihren Haus-, Garten- oder Sperrmüll ins Auto packen und ihn dann an der Autobahn entsorgen. Oder die, die auf den Toiletten Drogen nehmen und die Spritzen anschließend so zurücklassen, dass die Service-Leute höllisch aufpassen müssen, nicht in sie hineinzugreifen.

Keine Spur von Verbitterung

All das macht aus dem Straßen-NRW-Mann indes keinesfalls einen dauergefrusteten Meckerpott. Seinen Job beschreibt Hartmut Lippmann als „abwechslungsreich“. Was ihn freut: Es gebe zunehmend mehr Menschen, die seine und die Arbeit seiner Kollegen zu würdigen wissen. „Wir haben sogar Stammkunden“, erzählt er.

Es gebe jedoch auch jene, die kein Verständnis dafür haben, wenn Toiletten an den Rastplätzen für einige Minuten nicht genutzt werden könne, weil sie gereinigt werden. „Beleidigungen weit unter der Gürtellinie“ müssten dann hingenommen werden. Geistig schrubbt Hartmut Lippmann aber auch das einfach beiseite.

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