Ein Sommer gegen das „Tote Hose“-Gefühl
Lengerich wird zur Event-Stadt

Lengerich -

Viele Lengericher mokieren sich gerne darüber, dass in ihrer Stadt „nichts los ist“, „die Bürgersteige zeitig hochgeklappt“ werden. Ist dem wirklich so? Wer sich anschaut, was in den vergangenen zwei Sommer- und Ferienmonaten geboten worden ist, kommt zu einem anderen Ergebnis.

Samstag, 31.08.2019, 05:59 Uhr aktualisiert: 31.08.2019, 06:01 Uhr
Das Open-Air-Kino an der Gempt-Halle gehörte zu den vielen Veranstaltungen, die es in diesem sommer in Lengerich gab.
Das Open-Air-Kino an der Gempt-Halle gehörte zu den vielen Veranstaltungen, die es in diesem sommer in Lengerich gab.

Ob beim Gespräch mit Bekannten in der Innenstadt oder bei Diskussionen in den sozialen Netzwerken im Internet, ob bei Partys oder beim Plausch mit dem Nachbarn – viele Lengericher mokieren sich gerne darüber, dass in ihrer Stadt „nichts los ist“, „die Bürgersteige zeitig hochgeklappt“ werden und hier „der Hund begraben ist“. Ist dem schlicht und einfach so? Oder ist diese Sicht der Dinge einem übermäßig ausgeprägten kritischen Blick auf die Heimatkommune geschuldet?

Kaum zu bestreiten ist, dass es der örtliche Einzelhandel offenkundig schwer hat. Die Ladenlokal-Leerstände sprechen eine zu deutliche Sprache, um das Gegenteil zu behaupten. Und wer in der Woche abends durch die Stadt geht, kann sich dann und wann schon einmal recht einsam fühlen, weil es ihm nicht allzu viele gleichtun. Zudem, das betonen vor allem Jugendliche immer wieder, gibt es kein Kino, kein Café Extrablatt, kein McDonald‘s (in zentraler Lage), kein H&M und auch zu wenig passende Plätze, um sich zu treffen. Das ist die Seite der Medaille, die die Negativ-These bestätigt.

Doch da ist eben auch noch, wie so oft, eine andere Seite. Besonders deutlich wird deren Relevanz beim Blick auf die vergangenen rund zwei Monate. Es war Sommer- und Ferienzeit. Viele der über 23 000 Bürger der Stadt verabschiedeten sich in den Urlaub. Eigentlich eine klassische Tote-Hose-Phase. Und was passiert in Lengerich? Es findet eine Art Veranstaltungsmarathon statt.

Acht Wochen lang steppt Donnerstag für Donnerstag bei „Rock am Rathaus“ der Bär. Vorgestern, am neunten Donnerstag, folgt der DGB noch mit seinem „Rock gegen Hass und Hetze“-Konzert. Termine, die bei weitem nicht nur von Musikfans wahrgenommen werden. „Rock am Rathaus“ entwickelt sich vielmehr zu einem großen generationenübergreifenden Treffpunkt. Wer es lieber klassisch mag, ist bei der „Russischen Nacht“ am 24. August in der Gempt-Halle richtig.

Das fehlende Kino wird an drei Terminen kompensiert. Am ersten August-Wochenende gibt es zwei Open-Air-Filmabende an der Gempt-Halle. Der erste, der speziell für junges Publikum sein soll, findet nur wenig Resonanz. Ob es am Film lag oder doch eher am mauen Wetter, bleibt unklar. Dafür kommen am nächsten Tag stolze 500 Filmfreunde. Über 300 sind es zwei Wochen zuvor bei der Landjugend, die zusammen mit dem ATC Osnabrück erstmals zum Autokino einlädt.

Offenkundig überrascht vom großen Besucherinteresse sind die Macher des zweitägigen Leader-Parkleuchtens. Als sie im Vorfeld darauf angesprochen werden, dass die Parkplätze an der LWL-Klinik knapp werden könnten, wollen sie das erst einmal nicht so recht glauben – werden dann aber am 23. und 24. August eines besseren belehrt. Und das, obwohl viele Gäste mit dem Rad oder zu Fuß kommen.

Routiniert geht es hingegen bei der Knemühlenparty am gleichen Wochenende zu. Es ist das elfte Mal, dass die vom Schützenverein Hohne-Niedermark auf die Beine gestellt wird. Es wird eine lange Nacht für die Organisatoren und das Partyvolk.

Pünktlich um 22 beziehungsweise 23 Uhr ist hingegen Schluss beim Stöppelmarkt. Dafür ist die Kirmes für drei Tage im August in der Stadt. Karussell-Spaß par excellence, der auch seine Freunde hat.

Schützenfeste und Ferienprogramm sind in dieser Aufzählung noch nicht einmal enthalten. Und während der vielen heißen Tage ist natürlich auch das Freibad für viele ein heißer Event-Kandidat. Zudem ist der Marathon noch nicht am Ende. Am 31. August lädt das Bündnis für Familie zum Nachtflohmarkt ein, am 8. September Tagen folgt das Stadtteilfest „Hohne aktiv“.

Sicher, wenn die Tage wieder kürzer und kälter werden, wird es nicht mehr derart viele und so große Freiluftveranstaltungen in einem so engen Rhythmus geben. Aber man darf sich durchaus berechtigte Hoffnung machen, dass dieser Sommer kein einmaliges Event-Hoch war. Landjugend, Offensive, WGL, Schützenvereine, Jugendzentrum, und und und – es gibt eine Menge Akteure in der Stadt, die ihren Teil zur Widerlegung der „Nichts los“, These beitragen.

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