Gericht verurteilt Rentner zu Bewährungsstrafe
Attackiert, bedroht und beleidigt

Lengerich/Tecklenburg -

Wegen versuchter gefährlicher Körperverletzung sowie Beleidigung in mehreren Fällen hat das Amtsgericht Tecklenburg am Mittwoch einen Rentner zu einer Freiheitsstrafe von zehn Monaten auf Bewährung sowie einer Geldbuße in Höhe von 1500 Euro verurteilt. Die Staatsanwältin hatte neun Monate und eine Geldbuße in Höhe von 1000 Euro gefordert.

Mittwoch, 04.09.2019, 17:34 Uhr
 Weil er seine beiden Nachbarn mit einem Klappmesser angegriffen hat, hat das Amtsgericht Tecklenburg am Mittwoch einen 76-jährigen Rentner aus Lengerich zu einer zehnmonatigen Freiheitsstrafe auf Bewährung verurteilt.
 Weil er seine beiden Nachbarn mit einem Klappmesser angegriffen hat, hat das Amtsgericht Tecklenburg am Mittwoch einen 76-jährigen Rentner aus Lengerich zu einer zehnmonatigen Freiheitsstrafe auf Bewährung verurteilt. Foto: Michael Baar

Der Richter sah es als erwiesen an, dass der 76-jährige Rentner am 27. Januar seine beiden Nachbarn, eine 46-jährige Frau und einen 50-jährigen Mann, mit einem Klappmesser angegriffen hat. Der Vorfall ereignete sich in der Nähe eines Doppelhauses, das zur einen Hälfte von dem Angeklagten und seiner Familie und zur anderen von dem Paar bewohnt wird. „Ich halte Ihre Darstellung nicht für glaubhaft“, bilanzierte der Richter in seiner Urteilsbegründung. „Sie sind nicht das Opfer. Von Ihnen ist vielmehr die ganze Geschichte ausgegangen.“

Der Angeklagte hatte zuvor zu Protokoll gegeben, dass er sich in der Auseinandersetzung sowohl von dem Paar als auch von dessen beiden Hunden bedroht gefühlt und deshalb sein – zusammengeklapptes – Messer hervorgeholt habe. Der Nachbar habe ihn zusammengeschlagen und auf den Boden gedrückt. „Ich dachte, ich müsste sterben“, sagte der Rentner. Die zahlreichen Vorwürfe, die die Staatsanwältin verlesen hatte – „alle gelogen“. Die Anklageschrift enthält neben dem Tatvorwurf der versuchten gefährlichen Körperverletzung auch eine ganze Reihe von Anzeigen wegen Beleidigung verschiedener Zeugen.

Nach den Schilderungen der Nachbarin hatte sich der Vorfall ganz anders zugetragen. Die 46-jährige Verkäuferin erzählte dem Gericht von unentwegten Beleidigungen, die sie und ihr Freund seit nunmehr fast einem Jahr ertragen müssten. An dem besagten Sonntag im Januar hätten sie das Haus mit ihren beiden Hunden für einen Spaziergang verlassen. Fast zeitgleich sei auch der Angeklagte auf die Straße getreten. Weil er, wie er es in der Vergangenheit schon häufig getan hätte, hinter ihnen ausspuckte und sie grundlos auslachte, habe sie sich zu dem Nachbarn umgedreht, um ihn zur Rede zu stellen, berichtete die Frau im Zeugenstand.

Woraufhin die Situation offenbar eskalierte. Der Angeklagte habe sein Messer hervorgeholt, aufgeklappt und auf einen der Hunde einstechen wollen. Nur durch ihre schnelle Reaktion und das Eingreifen ihres Freundes habe verhindert können, dass jemand verletzt wurde. Dieser habe den Rentner zu Fall gebracht und auf dem Boden fixiert. Sie selbst habe dann bei einem Nachbarhaus geklingelt und um Hilfe gebeten.

Ein 45-jähriger Mann, der gerade mit seiner Frau bei seiner Mutter zu Besuch war, eilte herbei und half ihrem Freund, den weiterhin am Boden liegenden Rentner im Zaun zu halten, der zunächst noch das aufgeklappte Messer in einer Hand gehalten habe. Sie hätten ihn lediglich festgehalten, betonte der 45-jährige Zeuge, nicht aber auf ihn eingeschlagen, wie es der Angeklagte sowie seine Ehefrau, die ebenfalls als Zeugin auftrat, versicherten.

Auch ein 14-jähriger Junge, der mit seinem Fahrrad in der Straße unterwegs war und Zeuge des dramatischen Geschehens wurde, konnte nicht bestätigen, dass der Angeklagte Schläge einstecken musste.

Die Ehefrau war es schließlich, die dem Angeklagten das Messer aus der Hand nahm. Dieses, das versicherte sie dem Gericht, sei da zusammengeklappt gewesen. Die Aussage dürfte für sie noch ein Nachspiel haben: „Ich bin überzeugt, dass Sie eine Falschaussage gemacht haben. Da wird noch ein Verfahren auf Sie zukommen“, sagte der Richter.

In der Verhandlung hatte er weitere Zeugen zu Wort kommen lassen, die davon berichteten, wie der Angeklagte sie in der Vergangenheit immer wieder zum Teil aufs Gröbste beleidigte – übern Gartenzaun hinweg, in einem Café und auf der Straße.

Der Richter riet dem Angeklagten, sich in eine Therapie zu begeben. Nur weil er bislang noch nicht strafrechtlich in Erscheinung getreten ist, habe er die Strafe zur Bewährung ausgesetzt. „Sie müssen sich das mal vergegenwärtigen“, sagte der Richter in Richtung des Angeklagten. „Sie laufen mit einem Messer in der Tasche herum.“ Nur durch das Eingreifen des Nachbarn hätte wahrscheinlich Schlimmeres verhindert werden können. „Sie haben jetzt drei Jahre lang die Chance, sich zu bewähren. Wenn es noch einmal zu einem ähnlichen Vorfall kommt, bekommen Sie keine Bewährung mehr.“

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6900703?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F105%2F175%2F
Hoeneß wütet wie in den 80er-Jahren
Uli Hoeneß 
Nachrichten-Ticker