Studie: Mehr als jedes zehnte Kind ist in Lengerich auf Sozialgeld angewiesen
Große Armut, geringe Verschuldung

Lengerich -

In Lengerich sind vergleichsweise viele junge Menschen auf staatliche Leistungen in Form von Sozialgeld angewiesen. Mehr als jedes zehnte Kind unter 15 Jahren profitiert davon. Das ist ein Ergebnis einer Studie der Bertelsmann-Stiftung zur Lebenssituation in deutschen Kommunen.

Samstag, 07.09.2019, 06:08 Uhr aktualisiert: 08.09.2019, 16:32 Uhr
Mehr als jedes zehnte Kind in Lengerich lebt in Armut. Die Langzeitarbeitslosenquote von 1,6 Prozent ist vergleichsweise gering. Hoch ist hingegen der Anteil der Haushalte, die im Jahr weniger als 25 000 Euro zur Verfügung haben. Beim Angebot an Kita-Plätzen steht Lengerich gut da. Das geht aus einer Studie hervor, die Bertelsmann-Stiftung vorgelegt hat.
Mehr als jedes zehnte Kind in Lengerich lebt in Armut. Die Langzeitarbeitslosenquote von 1,6 Prozent ist vergleichsweise gering. Hoch ist hingegen der Anteil der Haushalte, die im Jahr weniger als 25 000 Euro zur Verfügung haben. Beim Angebot an Kita-Plätzen steht Lengerich gut da. Das geht aus einer Studie hervor, die die Bertelsmann-Stiftung vorgelegt hat. Foto: dpa

Wie lebt es sich in Lengerich? Wie reich oder arm sind die Menschen? Wie viele können ihren Lebensunterhalt mit eigener Hände Arbeit bestreiten? Und wie hoch hat sich die Stadt verschuldet? Antworten liefert eine Studie der Bertelsmann-Stiftung , die 17 sogenannte Sustainable Development Goals – also nachhaltige Entwicklungsziele – bestimmt und für jede Kommune in Deutschland überprüft hat, inwieweit diese erreicht werden. Lengerich steht, gemessen an diesen Zielen, von denen im Folgenden einige näher betrachtet werden, recht gut da. Die Beschäftigungsquote ist überdurchschnittlich, die Verschuldung vergleichsweise gering.

Alarmierend ist allerdings, wie viele Kinder und Jugendliche in Armut leben. Der Statistik zufolge ist 2017 mehr als jedes zehnte Kind (12,6 Prozent) unter 15 Jahren auf Sozialgeld angewiesen gewesen. Lengerich liegt damit noch weit unter großen Städten wie Münster (17,2 Prozent) und Osnabrück (23,9 Prozent). Betrachtet man aber die Durchschnittsquote aller kreisangehörigen Städte in Nordrhein-Westfalen (10,7 Prozent) ist die 23 000-Einwohner-Stadt schlechter als das Mittelmaß. Die Jugendarmutsquote (8,4 Prozent) entspricht in etwa dem Mittelwert, während die Altersarmutsquote (3,3 Prozent) um fast einen Prozentpunkt über dem Vergleichswert liegt.

Ein weiteres, in der Studie formuliertes Ziel ist Menschenwürde. Ein wichtiger Indikator hierfür ist, inwieweit es gelingt, Menschen in Arbeit zu bringen. Mit einer Langzeitarbeitslosenquote von 1,6 Prozent (Stand 2017) schneidet Lengerich gut ab (Mittelwert: 2,3 Prozent). Nicht so bei der Anzahl der sogenannten Aufstocker, also jener Menschen, die trotzdem sie einen Job haben, auf Sozialgeld angewiesen sind. In Lengerich sind fast ein Drittel (30,6 Prozent) aller Hartz-IV-Bezieher gleichzeitig in einem sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungsverhältnis (Durchschnittswert: 27,6 Prozent). Gegenüber 2013 (27,6 Prozent) ist ihre Zahl leicht gestiegen. Mit einer Beschäftigungsquote von 62,7 Prozent liegt die Stadt mit Weitblick, wie sie sich gerne bezeichnet, aber über dem Durchschnitt (57,7 Prozent).

Zugleich gibt es hier aber mehr Haushalte mit niedrigen Einkommen (45 Prozent) als anderswo (Durchschnittswert 42,9 Prozent). Laut Definition sind das jene, die im Jahr weniger als 25 000 Euro zur Verfügung haben. Wobei die jeweiligen Quoten in Münster (52,8 Prozent) und Osnabrück (50,6 Prozent) noch darüber liegen. Das Kriterium soll Aufschluss darüber geben, wie nah eine Kommune dem Ziel „Weniger Ungleichheiten“ gekommen ist.

Als einen Indikator für das Ziel „Hochwertige Bildung“ haben die Macher der Studie den Betreuungsgrad von Unter-Drei-Jährigen bestimmt. Demnach ist in Lengerich fast jedes fünfte Kind in der Altersgruppe in einer Tageseinrichtung, was in etwa dem Durchschnittswert entspricht. In der Gruppe der Drei- bis Fünf-Jährigen haben 94,3 Prozent einen Kita-Platz und damit etwas mehr als im Durchschnitt aller kreisangehörigen Städte.

Um den Erreichungsgrad des Indikators „Frieden, Gerechtigkeit und starke Institutionen“ zu beschreiben, blicken die Macher der Studie unter anderem auf die kommunale Verschuldung. Rein rechnerisch hätte demnach jeder Lengericher Kreditschulden in Höhe von 618 Euro (Stand 2017). Das ist nur halb so viel wie im Durchschnitt aller kreisangehörigen Städte (1284 Euro) und rund 300 weniger als noch vor sechs Jahren.

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