Aktion für mehr Personal in der Psychiatrie
An der Überlastungsgrenze

Lengerich -

Mitarbeiter der LWL-Klinik haben sch an einer bundesweiten Aktion der Gewerkschaft Verdi beteiligt. Die hat ein „Versorgungsbarometer“ erstellt, an dem abzulesen ist, wie aus Sicht von Psychiatriemitarbeitern die Arbeitsbedingungen sind und was das für Patienten bedeutet. Dahinter steht die Forderung nach mehr Personal.

Mittwoch, 11.09.2019, 05:13 Uhr aktualisiert: 11.09.2019, 05:20 Uhr
Während einer „aktiven Mittagspause“ informierte die Verdi-Betriebsgruppe Mitarbeiter der LWL-Klinik über die Ergebnisse einer Umfrage zu den Arbeitsbedingungen in der Pflege.
Während einer „aktiven Mittagspause“ informierte die Verdi-Betriebsgruppe Mitarbeiter der LWL-Klinik über die Ergebnisse einer Umfrage zu den Arbeitsbedingungen in der Pflege. Foto: Paul Meyer zu Brickwedde

Im grünen Bereich ist nichts, wenn es um die Versorgung in der Psychiatrie in Deutschland geht. Zu diesem Ergebnis kommt zumindest die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi . Die hat die Antworten von mehr als 2300 Beschäftigten an 168 psychiatrischen Krankenhäusern ausgewertet und in einem „Versorgungsbarometer“ verarbeitet. Hintergrund ist die Forderung an die Politik nach mehr Geld für mehr Personal. An der Aktion beteiligt hat sich auch die Verdi-Betriebsgruppe an der LWL-Klinik Lengerich.

Andrea Telljohann , Vorsitzende des Personalrats an der Klinik, und ihre Stellvertreterin Marion Konermann erläuterten am Dienstag im Gespräch mit den WN, was in ihrem Haus zutage getreten ist. Demnach haben sich rund zehn Prozent der Beschäftigten im Pflegebereich an der Umfrage beteiligt. Die Ergebnisse hält das Duo „auf jeden Fall“ für so aussagekräftig, um daraus Schlüsse auf die Gesamtsituation zu ziehen. Demnach bewerten ihre Kollegen die Lage etwas besser als sie sich im bundesweiten Durchschnitt darstellt.

Gleichwohl ist der Tenor derselbe: Der Pfeil zeigt jeweils auf ein Feld, das im Verdi-Barometer mit „Unzureichende Versorgung, Gefährdungsanzeige stellen“ beschrieben ist. Eine Gefährdungsanzeige steht dann im Raum, wenn sich Mitarbeiter überlastet fühlen.

So stellt die Gewerkschaft für Gesamt-Deutschland fest, dass rund 77 Prozent der Pflegekräfte in der Psychiatrie die personelle Besetzung als „knapp“ oder „viel zu gering“ bewerten. Mehr als 80 Prozent sagen, sie seien während der vier Wochen vor der Befragung von Patienten beschimpft worden, knapp 50 Prozent berichten sogar von körperlichen Übergriffen.

Für die LWL-Klinik, die nach Einschätzung von Telljohann und Konermann „ein guter Arbeitgeber“ ist, bestätigen die beiden Personalratsvertreterinnen diese Werte zwar nicht. Aber auch sie sagen, dass es, „wie allgemein in der Gesellschaft“, weniger Hemmungen gebe, das Personal zu beschimpfen oder sogar körperlich zu attackieren. Zu schaffen mache zudem ein Mehr an Bürokratie und die kürzere Verweildauer bei den Patientenaufenthalten, die zu einem erhöhten Durchlauf und damit zu mehr Arbeit führe.

Allerdings betonen die beiden LWL-Mitarbeiterinnen, dass die Personalknappheit nicht dazu führe, dass es mehr Fixierungen von Patienten gebe. Es werde großer Wert auf eine 1:1-Betreuung bei entsprechenden Fällen gelegt, um eine „deeskalierende Arbeit“ zu gewährleisten. Zur Konsequenz könne das aber wiederum haben, dass andernorts Kapazitäten knapp würden.

Verschiedene Medien hatten am Montag mit Verweis auf die Verdi-Befragung berichtet, dass es aufgrund von Personalengpässen in Kliniken zu Zwangsfixierungen kommt.

An der LWL-Klinik Lengerich gibt es rund 400 Mitarbeiter im Pflegebereich. Nach Einschätzung der Personalratsvorsitzenden und ihrer Stellvertreterin wäre es nicht damit getan, eine Handvoll neue Stellen zu schaffen, um die Situation grundlegend im Sinne von Patienten und Personal zu verbessern. Dafür bräuchte es mehr Verstärkung. Das sehe auch die Klinikleitung so.

Die Verdi-Aktion zielt auf den Donnerstag kommender Woche. Dann tagt der sogenannte Gemeinsame Bundesausschuss, um unter anderem über neue Regelungen zur Personalausstattung der Psychiatrie zu entscheiden. Bei dem Bundesausschuss handelt es sich um das höchste Entscheidungsgremium der Selbstverwaltung im Gesundheitswesen. Vertreten sind Krankenkassen, Krankenhäuser und Ärzte.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6917039?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F105%2F175%2F
So will das Münsterland die Raupenplage bekämpfen
Die Brennhaare des Eichenprozessionsspinners können beim Menschen allergische Hautreaktionen auslösen.
Nachrichten-Ticker