Zehn Jahre Trägerverein Johanneskirche
Menschen retten „ihre“ Kirche

Lengerich -

Am Anfang herrschte Ratlosigkeit und Traurigkeit. Es war im Mai 2008, als in einer Versammlung verkündet wurde, dass das Presbyterium der evangelischen Kirchengemeinde beschlossen hatte, sich von der Johanneskirche zu trennen.

Dienstag, 01.10.2019, 06:41 Uhr aktualisiert: 01.10.2019, 06:50 Uhr
Seit zehn Jahren kümmert sich der Trägerverein um den Erhalt der Johanneskirche in Stadtfeldmark. Als Spendenbox dient ein Holzmodell des Gotteshauses.
Seit zehn Jahren kümmert sich der Trägerverein um den Erhalt der Johanneskirche in Stadtfeldmark. Als Spendenbox dient ein Holzmodell des Gotteshauses. Foto: Paul Meyer zu Brickwedde

Stadtfeldmark drohte somit das gleiche Schicksal wie Wechte. Dort stand parallel die Bodelschwingh-Kirche vor dem Aus. In beiden Fällen fanden sich Menschen, die sich zu einem Trägerverein zusammenschlossen, um „ihre“ Kirche zu retten. Der in Stadtfeldmark wird nun zehn Jahre alt.

Silke Buddenkuhl und Wilfried Neuenfeld waren bereits damals dabei und sind es noch heute. Er war lange Vorsitzender des Trägervereins und ist heute zweiter Vorsitzender, sie steht derzeit an der Spitze des Vereins. Im Rückblick sagen sie, dass die Nachricht seinerzeit zwar nicht wirklich überraschend gekommen sei, aber gleichwohl starke Emotionen hervorgerufen habe. Der Beschluss des Presbyteriums habe die Menschen zusammenrücken lassen – die in Stadtfeldmark, aber auch die aus Vortlage, Settel und Ringel. Denn für sie alle sei die Kirche nicht „nur“ ein Gotteshaus gewesen, sondern auch ein wichtiger Identifikations- und Versammlungspunkt und ein Kommunikationszentrum, in dem sich viele Gruppen zusammenfanden und bis heute zusammenfinden.

Wilfried Neuenfeld erzählt, es sei schon während der Versammlung klar gewesen, dass sich zumindest einige Personen für den Erhalt einsetzen würden. „Wir haben uns gegenseitig angeschaut, das hat gereicht.“ In der Folge gründete sich ein Arbeitskreis, der das weitere Vorgehen beriet. Ein wichtiger Schritt: Es wurden Briefe verschickt, in denen die Adressaten gefragt wurden, ob sie bereit wären, mindestens 30 Euro pro Jahr in den Erhalt der Kirche zu investieren. Schriftführerin Bärbel Haar hat die genauen Zahlen parat: 1143 Schreiben seien rausgegangen, 209 Antworten zurückgekommen und in 189 davon hätten Mitbürger ihre Unterstützung signalisiert. „Das hat Mut gemacht“, so Silke Budden­kuhl über diese Etappe auf dem Weg zur Gründung des Trägervereins.

Wichtig und hilfreich, das betonen die Verantwortlichen, sei auch der Kontakt nach Wechte gewesen, um sich mit den dort Aktiven zu beratschlagen. Parallel sei zudem die Kirchengemeinde immer „offen eingebunden“ gewesen, was sich später bei den Gesprächen mit der Landeskirche ausgezahlt habe, die alles absegnen musste. Am 14. Dezember 2008 stand die Satzung des Trägervereins, am 1. Januar 2009 folgte die Eintragung.

Seitdem ist in die Unterhaltung der Kirche eine Menge Arbeit und Geld geflossen. Wilfried Neuenfeld überschlägt, dass im Schnitt pro Jahr so um die 12 000 bis 15 000 Euro aufgebracht werden mussten, um alles wie gewünscht am Laufen zu halten und die nötigsten Instandhandhaltungsmaßnahmen in Angriff zu nehmen. Im Lauf der Zeit wurde unter anderem in eine neue Heizung, eine neue Küche und eine neue Geläutanlage investiert.

Aufgebracht werden die Mittel zum einen durch die Beiträge der Mitglieder – aktuell sind es rund 145 –, von denen einige die genannten 30 Euro jährlich zahlen, andere, so Bärbel Haar, aber auch „viel mehr“. Zum anderen fließen immer wieder Spenden, etwa aus Anlass von Familienfeiern. Und der Verein erlöst Geld durch allerlei Aktionen wie Konzerte oder den Verkauf von Kunst-Postkarten. Damit beliefert eine kleine Gruppe den Verein in schöner Regelmäßigkeit. „Die sind toll und immer gefragt“, betont Silke Buddenkuhl.

Überhaupt ist der Vorstand mehr als froh, dass sich so viele Menschen für die Johanneskirche engagieren. Längst nicht jeder von diesen Helfern – Wilfried Neuenfeld spricht mit einem Lächeln von „fleißigen Heinzelmännchen“ – sei Mitglied im Trägerverein. Aber sie alle würden ihre Tätigkeiten zuverlässig erledigen, vom Blumenschmuck in der Kirche über den Küsterdienst bis zur Pflege der Grünalagen. Wie viele es sind, kann von den Gesprächspartnern keiner auf Anhieb genau sagen. Gudrun Heemann, die ebenfalls im Verein aktiv ist, verweist auf ein Helferfest, bei dem rund 60 Gäste dabei gewesen seien. „Und da fehlten noch welche von den Ehrenamtlichen.“

All das mache durchaus stolz, bilanzieren Silke Buddenkuhl und Wilfried Neuenfeld. Aber sie und die anderen Verantwortlichen verschließen auch nicht die Augen vor der Realität. Was die Zukunft angeht, sehen sie den Verein zwar grundsätzlich gut aufgestellt. Doch sollte einmal „von oben“, sprich etwa der Landeskirche, aufgrund negativer Entwicklungen wie sinkender Einnahmen und weniger Kirchengliedern ein weiteres Sparprogramm gefahren werden, könne das auch den Trägerverein und die Johanneskirche treffen.

Zudem konstatieren die Vertreter des Vereins, dass die Gottesdienste in der Johanneskirche nicht gut besucht seien. Und die, die kommen, seien fast ausschließlich der Senioren-Generation zuzurechnen. Damit verbunden ist ein Ziel, das man sich für 2020 gesetzt hat: junge Menschen für den Verein und die Kirche gewinnen.

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Der Trägerverein feiert sein zehnjähriges Bestehen am Sonntag, 6. Oktober. Um 9.30 Uhr beginnt in der Johanneskirche ein von Pfarrer Torsten Böhm gestalteter Familiengottesdienst zum Erntedankfest. Es singt der Chor der Johanneskirche unter Leitung von Reinhard Jöllenbeck. Im Anschluss lädt der Trägerverein zu einem Gedankenaustausch ein. „Besonders freuen wir uns auf neugierige und interessierte Besucher, die an einer Zusammenarbeit interessiert sind“, so die Verantwortlichen.

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