Ex-Auslandskorrespondent Dietmar Ossenberg referiert in Lengerich
Herausforderungen wachsen

Lengerich -

Die Schar der Zuhörer war zwar nicht sehr groß, lauschte aber intensiv den Worten Dietmar Ossenbergs, dem früheren ZDF-Auslandskorrespondenten. Dieser beeindruckte im Bistro der Gempt-Halle seine Zuhörer mit fundamentalem und differenziertem Wissen über die Krisenherde der Welt.

Dienstag, 01.10.2019, 19:54 Uhr aktualisiert: 01.10.2019, 20:01 Uhr
Aus seiner reichhaltigen Berufserfahrung schöpfte der ehemalige ZDF-Auslandskorrespondent Dietmar Ossenberg bei seinem Vortrag im Bistro der Gempt-Halle.
Aus seiner reichhaltigen Berufserfahrung schöpfte der ehemalige ZDF-Auslandskorrespondent Dietmar Ossenberg bei seinem Vortrag im Bistro der Gempt-Halle. Foto: Europa Union

Authentisch analysierte er die Geschehnisse in der arabischen Welt und half seinen Zuhörern dabei, sie einzuordnen. Als 2010/11 der arabische Frühling mit Protesten und Aufständen in Tunesien begann, herrschte in Europa eine große Euphorie, dass die arabische Welt bald demokratisiert sein könnte. Doch es kam anders. Die Aufstände führten zu Chaos in Libyen, zum Bürgerkrieg in Syrien, zu Tod und Hunger im Jemen und zum Zerbrechen des Iraks, schreibt die Europa Union.

Dietmar Ossenberg beschrieb, dass die Regierungen dieser Länder Europa – in sich häufig uneins und nicht einheitlich auftretend – nicht wirklich ernst nehmen. Es sei denn, man nutze sie als Geldgeber zur Vermeidung weiterer Flüchtlingsströme nach Europa. Wichtiger seien Russland und China mit ihren Handelsbeziehungen.

Vielfach herrscht nach seinen Worten in den Ländern der Arabischen Welt noch immer Korruption vor; Gelder kommen nicht dort an, wofür sie bestimmt sind. Auch die strengen religiösen Regeln werden nach außen hin propagiert, nach innen aber oftmals durchbrochen. Davon würden aber nur bestimmte Gruppen profitieren. Der einfache Bürger im Land habe davon nichts. „Aber die Menschen in diesen Ländern wollen Veränderungen“, so Dietmar Ossenberg, „vor allem die Heranwachsenden“. Noch immer flüchteten viele vor Terror und Krieg, aber auch vor der Perspektivlosigkeit im eigenen Land.

Das Ende des Arabischen Traums von mehr Freiheit, mehr sozialer Gerechtigkeit und mehr Perspektive für das eigene Leben werde den Westen und damit Europa noch vor Herausforderungen stellen, deren Ausmaße heute noch nicht abschätzbar sind. Davon ist der frühere Auslandskorrespondent überzeugt.

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