Schweren Weg gemeinsam gehen
Neue Selbsthilfegruppe für junge Abhängige

Lengerich -

Eine Selbsthilfegruppe für junge Menschen mit einer Abhängigkeit soll Anfang November in Lengerich gegründet werden. Dabei es ist egal, ob jemand ein Alkohol- oder Drogenproblem hat, ob er oder sie übermäßig Medikamente oder auch Medien konsumiert oder es um Spielsucht geht.

Mittwoch, 23.10.2019, 05:15 Uhr aktualisiert: 23.10.2019, 05:30 Uhr
Das Leben kann aus den Fugen geraten, wenn es von einer Sucht geprägt ist.
Das Leben kann aus den Fugen geraten, wenn es von einer Sucht geprägt ist. Foto: DAK-Gesundheit

Im ersten Anlauf, das räumt Alena Große-Honebrink ein, hat es nicht geklappt mit der jungen Selbsthilfegruppe. Das war zu Jahresbeginn. Jetzt wagt die Sozialarbeiterin und -pädagogin, die im Beratungszentrum der Diakonie arbeitet, einen zweiten Anlauf. Unterstützt wird sie dabei von Anna Meyer (*). Die junge Frau ist die einzige, die vom ersten Anlauf, eine junge Selbsthilfegruppe zu etablieren, übrig geblieben ist.

„Angesprochen sind alle Abhängigen im Alter zwischen 20 und 35 Jahren“, sagt Alena Große-Honebrink. Ob Spiel-, Alkohol-, Drogen- oder Mediensucht spiele keine Rolle. Wichtig sei nur, dass die Betreffenden den Wunsch haben, ihr Konsumverhalten zu ändern und sich auf Gespräche einlassen. „Die sind unheimlich hilfreich“, blickt Anna Meyer auf den ersten Versuch zurück.

Gründe, auf eine Gruppe zu setzen

Warum das so ist, beschreibt die junge Frau mit wenigen Worten. „Die Leute sind alle an einem Punkt. Sie verstehen einen, man muss sich nicht schämen für das, was man sagt oder tut.“ Das gelte prinzipiell für jede Selbsthilfegruppe. „Aber wenn die Teilnehmer alle aus der gleichen Altersgruppe kommen, ist das ein Stück weit einfacher“, fügt sie hinzu.

Dass es zu Jahresbeginn nicht geklappt hat, bedauert die junge Frau. Immer wieder von vorne anzufangen sei nicht einfach. „Wenn man gemeinsam auf dem Weg ist, wird es nicht so schwer, auf Dauer abstinent zu bleiben.“ Von den Erfahrungen profitieren durch den Austausch in der geschützten Gruppe, das Wissen, nicht allein mit seinem Problem auf der Welt zu sein – für sie gibt es eine Reihe von Gründen, auf eine Gruppe zu setzen. „Ich werde aufgefangen von Leuten, die verstehen und es aus eigener Erfahrung kennen, wie schwer der Weg aus der Abhängigkeit ist.“

Ohne Eingeständnis geht's nicht

Das Schwierigste sei, da stimmt sie mit Alena Große-Honebrink überein, sich einzugestehen, dass man ein Problem hat. „Erst wenn einem das bewusst ist, kann man handeln, erste Schritte gehen.“ Anna Meyer hat das getan, arbeitet mit einem Verhaltenstherapeuten, ist Mitglied einer Nachsorge-Gruppe, hat für sich ein „gutes Netzwerk“ aufgebaut und wieder Arbeit gefunden. Aus ihrer Erfahrung entscheidende Faktoren, „dass mich andere Dinge nicht mehr so schlimm runterziehen können“.

Was für die junge Frau sehr wichtig ist: „In der Gruppe kann alles und muss nichts erzählt werden. Die Teilnahme ist freiwillig, jeder bringt sich so ein, wie er ist.“ Alena Große-Honebrink weist auf einen weiteren Faktor hin: „Für mich gilt die Schweigepflicht. Was in der Gruppe gesagt wird, bleibt dort.“ Langfristig soll sich die Gruppe nicht nur auf Gespräche verständigen. Aktivitäten, ob gemeinsames Kaffeetrinken, Fahrradtouren oder was auch immer, könnten die Teilnehmer untereinander vereinbaren. 

Ein neuer Anlauf

Ein weiterer Hinweis der Sozialpädagogin: „Auf Dauer werde ich nicht dabei sein. Die Gruppe soll sich selbst managen.“ Wesentliche Voraussetzung sei ein Kern von vier bis fünf Leuten. „Deshalb ist der Start am schwierigsten.“ Ein neuer Anlauf soll am Dienstag, 5. November, ab 18.30 Uhr im Beratungszentrum der Diakonie, Stettiner Straße 25, unternommen werden. Weitere Treffen sollen im Rhythmus von zwei Wochen stattfinden. „Wenn die Gruppe das will. Letztlich entscheiden die Teilnehmer darüber, in welchen Abständen sie sich treffen“, betont sie.

(*) Name von der Redaktion geändert.

Zum Thema

Alena Große-Honebrink ist unter ' 0 54 81/30 54 280 oder per E-Mail ( a.grosse-honebrink@dw-te.de ) zu erreichen. Weitere Treffen sind am 19. November sowie am 3. und 17. Dezember geplant.

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