Windmöller & Hölscher
Nachhaltigkeit wird immer wichtiger

Lengerich -

Auf der am Mittwoch zu Ende gehenden K-Messe in Düsseldorf hat die Firma Windmöller & Hölscher Neuheiten präsentiert, die beim Publikum der weltweiten Leitmesse für Kunststoff und Kautschuk auf große Resonanz gestoßen sind. Nicht nur dazu, sondern auch zu weiteren Themen wie beispielsweise Nachhaltigkeit und Entwicklung des Familienunternehmens haben der Vorstandsvorsitzende Dr. Jürgen Vutz und Vertriebs- und Service-Vorstand Peter Steinbeck im Gespräch mit Redakteur Michael Baar Stellung bezogen.

Mittwoch, 23.10.2019, 14:05 Uhr aktualisiert: 23.10.2019, 14:30 Uhr
Vorstandsvorsitzender Dr. Jürgen Vutz (links) und Technik- und Service-Vorstand Peter Steinbeck auf dem Messestand von W & H bei der K-Messe in Düsseldorf.
Vorstandsvorsitzender Dr. Jürgen Vutz (links) und Technik- und Service-Vorstand Peter Steinbeck auf dem Messestand von W & H bei der K-Messe in Düsseldorf. Foto: Michael Baar

Sind Sie mit der Resonanz kurz vor Ende der K-Messe zufrieden?

Jürgen Vutz : Sehr zufrieden. Wir hatten begeisterte Besucher aus der ganzen Welt auf unserem Stand in Düsseldorf und noch mal rund 1100 Gäste auf der Expo in unserem Technologiezentrum in Lengerich.

Wie waren die Reaktionen von Kunden, Besuchern und möglicherweise Mitbewerbern auf ihre in Düsseldorf präsentierten Neuheiten?

Peter Steinbeck : Im Vorfeld gab es schon ungläubige       Gesichter, als wir ankündigten, während der Messe eine Blasfolienextrusionsmaschine im laufenden Betrieb anzuhalten und wieder anzufahren. Das hat es in der Branche noch nie gegeben.

Was ist daran ungewöhnlich?

Peter Steinbeck: Diese Unterbrechung, die beispielsweise bei Reinigung oder Wartung erforderlich ist, kostet Zeit. Derzeit mindestens eine halbe Stunde. Hinzu kommen zwei bis drei Mitarbeiter, die beim Wechsel mit Hand anlegen müssen.

Und W & H hat das revolutioniert?

Peter Steinbeck: Ob man das Revolution nennen kann, sei dahingestellt. Aber mit unserer Automation „Turbostart“ wird so ein Wechsel wesentlich schneller und mit weniger Mitarbeitern möglich. Der Wechsel dauert rund zehn Minuten und nur noch ein Mitarbeiter muss wenige Handgriffe erledigen.

Und die Vorteile für den Kunden?

Jürgen Vutz: Die Maschine steht weniger und produziert schneller wieder gute Qualität. Durch die kürzere Wechselphase reduziert sich zudem der Ausschuss um einen erheblichen Prozentsatz.

In wie weit spielt da eine andere Neuheit, „Ruby“, eine Rolle?

Jürgen Vutz: Die Daten für den Produktionsvorgang sind in der Maschine vorhanden. Diese werden mit „Ruby“ beispielsweise für die Erhebung von Erfahrungswerten genutzt, die dann wieder in den Produktionsprozess einfließen.

Ist das schon künstliche Intelligenz?

Jürgen Vutz: Es ist die Vorstufe. Damit legen wir die Basis für den Einsatz künstlicher Intelligenz.

Recycling wird einfacher

Welche Rolle spielt das Thema Nachhaltigkeit bei W & H?

Jürgen Vutz: Eine sehr große. Nehmen wir als Beispiel einen Standbodenbeutel. Der wird bislang aus PET* und PE* hergestellt. Diese Kombination lässt sich aber nur schwer recyceln. Für einfache Wiederverwertung müssten die Bestandteile sortenrein sein. Das ist uns jetzt gelungen. Wir bieten unseren Kunden Maschinen an, auf denen sie sortenrein PET- oder PE-Standbeutel produzieren können.

Dann darf es aber keine Funktionseinschränkungen geben, die Beutel müssen weiter stehen, wie der Name ja sagt.

Jürgen Vutz: Natürlich sind die Produkte mindestens so funktional wie die Vorgänger. Anders ließe sich das nicht vermarkten.

Neue Maschinen und Technologien bedeuten auch Investitionen. Ziehen die Kunden mit oder müssen Sie Überzeugungsarbeit leisten?

Peter Steinbeck: Natürlich weisen wir unsere Kunden auf den Nachhaltigkeitsgewinn hin. Insgesamt ist ein hoher Wille in der Branche da, Verpackungen weiterzuentwickeln. Auch durch Druck von anderen Seiten, beispielsweise den Lebensmittelproduzenten.

Investitionen in Forschung und Entwicklung

Für derartige Entwicklungen braucht es viel Innovationskraft. W & H beschäftigt gut 400 Ingenieure, werden es bald mehr sein?

Jürgen Vutz: Ob es irgendwann mal 500 sein werden, kann ich nicht sagen. Aber entscheidend ist, dass wir weiter innovativ bleiben. Dazu gehört beispielsweise Packaging 4.0. Der Weg der Digitalisierung muss permanent weiter beschritten werden. Und mit dem Thema Nachhaltigkeit kombiniert werden.

Wie viel Geld investiert W & H in Forschung und Entwicklung?

Jürgen Vutz: Etwa acht Prozent unseres Umsatzes. Das ist deutlich mehr als im Branchenschnitt. Aber für uns auch unerlässlich, um unsere Marktposition zu halten und auszubauen.

Heißt das im Umkehrschluss, dass sie künftig weniger Handwerker benötigen werden?

Peter Steinbeck: Nein, die fortschreitende technische Entwicklung wird keinen gewerblichen Arbeitsplatz überflüssig machen. Allerdings steigen die Anforderungen an die Bewerber.

Haben Sie denn noch die große Auswahl, was Auszubildende angeht?

Peter Steinbeck: Die Zahl der Bewerbungen passt, aber man merkt auch, dass immer weniger in einer Fabrik arbeiten wollen. Dabei bieten wir hochqualifizierte Arbeitsplätze.

Wie steht W & H international da? Spüren sie eine abflauende Konjunktur?

Jürgen Vutz: Ich würde eher von einer Atempause sprechen.

Umsatz in etwa auf Vorjahresniveau

Mit welchen Auswirkungen auf den Umsatz?

Jürgen Vutz: Nach dem Rekordumsatz von 895 Millionen Euro im vergangenen Jahr sieht es in diesem Jahr bislang so aus, dass wir das Umsatzniveau in etwa wieder erreichen werden.

Wie sehr spielen dabei internationale Themen, beispielsweise der Zollstreit zwischen den USA und China oder die endlose Brexit-Diskussion, eine Rolle?

Jürgen Vutz: Die Strafzölle zwischen den USA und China betreffen ja nicht nur diese beiden Staaten. Da werden andere mit hineingezogen und davon berührt. Gerade in China sind viele Firmen beunruhigt.

Wie wichtig ist der chinesische Markt für W & H?

Peter Steinbeck: China gehört bei uns zur Vertriebsregion Südost-Asien mit Japan und Korea als weitere große Märkte. Die Gesamtregion trägt ungefähr 20 Prozent zu unserem Umsatz bei, mit seit Jahren steigender Tendenz.

Und die USA?

Peter Steinbeck: Laufen bei uns zusammen mit Kanada im Vertriebsbereich Nordamerika. Auch dort erwirtschaftet Windmöller & Hölscher rund 20 Prozent des Umsatzes. Für unsere Hightech-Produkte sind die USA einer der wichtigsten Märkte. Dort haben wir über viele Jahre enge Partnerschaften aufgebaut.

Spielt Südamerika eine große Rolle für das Unternehmen?

Peter Steinbeck: Auf jeden Fall. Aber in dieser Region, zu der wir auch Mexiko und Mittelamerika zählen, sind immer wieder politische Schwierigkeiten in den großen Ländern eine Herausforderung.

Beeinflussen die Ihre Kunden?

Peter Steinbeck: Es herrscht dort in einigen Bereichen eine abwartende Haltung. Der Bedarf an Maschinen ist unzweifelhaft vorhanden, aber es fehlt auch an Devisen.

Ist eine Exportquote von über 90 Prozent für das Familienunternehmen eher eine Lust oder eine Last?

Jürgen Vutz: Wir sind froh über diese Quote, denn so viele Maschinen könnten wir in Deutschland gar nicht verkaufen. (lacht) In der Regel, das haben die vergangenen Jahre und Jahrzehnte gezeigt, gleichen sich die Regionen aus. Wenn es in einer mal nicht so läuft, brummt es an anderer Stelle.

Wie viele Kundenkontakte haben Sie im Jahr?

Peter Steinbeck: Rund 100 000 werden das sein. Wir haben eben das Ohr am Markt. Das ist ganz wichtig.

Wie würden Sie das Verhältnis zu Ihren Partnern und Kunden beschreiben?

Jürgen Vutz: Bei unserer Hausmesse Expo, die parallel zur K-Messe stattfand, und beim Kundenevent zum Jubiläum haben wir ein überwältigendes Feedback von unseren Kunden erhalten. Es scheint so, dass die Kunden nicht nur die Maschinen lieben, sondern auch die W&H-Mitarbeiter und ein Teil dieser Familie sein möchten.

Welche Hausaufgaben stehen nach den Jubiläumsfeiern in der W & H-Familie an?

Jürgen Vutz: Den Abschluss der Feiern bildet der Tag der offenen Tür am Samstag. Ab 1. November wird unsere Tochter Garant in die neuen Hallen in Antrup einziehen. Für W & H heißt das, die Montagebereiche, die jetzt in der Logistik-Halle in Antrup untergebracht sind, werden in die ehemaligen Garant-Gebäude einziehen.

Zum Thema

* PET = Polyethylenterephthalat, PE =Polyethylen

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Tag der offenen Tür

Am Samstag, 26. Oktober, lädt W & H ab 12 Uhr alle Interessierten zum Tag der offenen Tür ein. Besucher erleben auf einem großen Rundgang durch Technologiezentrum und Produktion die Hightech-Maschinen von W & H live. Für die jüngeren Besucher gibt es eine Kids-Rallye. 

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