Hausfriedensbruch, Üble Nachrede, Beleidigung, Körperverletzung
Gericht gibt eine letzte Chance

Lengerich/Münster -

Die Erleichterung dürfte am Montag groß gewesen sein bei einem Lengericher. Der 32-Jährige war im März vom Amtsgericht Tecklenburg zu einer sechsmonatigen Gefängnisstrafe verurteilt worden. In einer Berufsverhandlung gewährte das Landgericht Münster dem Mann nun noch einmal Bewährung.

Montag, 28.10.2019, 18:20 Uhr aktualisiert: 01.11.2019, 15:40 Uhr
 
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Das Strafregister des 32-Jährigen umfasst eine Vielzahl von Eintragungen. Deshalb bedurfte es wohl keiner Frage, warum das Amtsgericht Tecklenburg eine Freiheitsstrafe für den erneut straffällig gewordenen Angeklagten für unerlässlich gehalten und den Mann im März dieses Jahres wegen Hausfriedensbruch und anderer Straftaten zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von sechs Monaten verurteilt hatte.

Dennoch fasste der Familienvater allen Mut zusammen, legte gegen das Urteil Berufung ein – und hatte am Montag Erfolg damit. Das Landgericht Münster änderte nach Einstellung eines der Anklagevorwürfe – Beleidigung in Tateinheit mit übler Nachrede – das Urteil der Vorinstanz ab und sprach eine Bewährungsstrafe von fünf Monaten bei Zahlung von 900 Euro an eine gemeinnützige Einrichtung aus.

Anders als vor dem Amtsgericht gab der Angeklagte im Berufungsverfahren klein bei und räumte die weiteren Tatvorwürfe – Hausfriedensbruch, Beleidigung in Tateinheit mit übler Nachrede, Körperverletzung und Beleidigung – ein.

Wie im Prozess erkennbar, war der Lengericher durch die Kausalkette Schmerzen, gesundheitliche Einschränkungen und allgemeine Unzufriedenheit viele Jahre mit sich und seiner Umwelt nicht im Reinen und leicht erregbar.

Ein ungebührliches Benehmen legte der Angeklagte unter anderem an den Tag, als ihm in einer Arztpraxis eine sofortige Überweisung verwehrt wurde. Der Mann geriet in Rage und wurde laut. Der Aufforderung, leise zu sein und dem Verweis, die Praxis zu verlassen, kam der Mann zunächst nach, kehrte dann aber zurück. Auch die herbeigerufene Polizei könne ihn nicht aus der Praxis verweisen, soll er gesagt haben. Dadurch verbreitete er Angst und Schrecken.

Auf die nächste verbale Entgleisung – Beleidigung und üble Nachrede in einem Lebensmittelmarkt im Mai 2018 in Lengerich – folgte in einem Schnäppchenmarkt eine weitere. Dort nahm der 32-Jährige einen Zeugen in den Schwitzkasten und soll diesen leicht verletzt haben, nachdem dieser der Frau des Angeklagten ein Bein gestellt haben soll.

„Es geben viele Angeklagte kurz vor der Hauptverhandlung eine Persönlichkeitsänderung vor“, hießt es vor dem Landgericht. Das könnte in manchen Fällen schlüssig sein. Der Angeklagte sei x-mal wegen kleinerer Straftaten vorbestraft, warf der Staatsanwalt ein. Dennoch gab er in seinem Antrag dem Angeklagten eine letzte Chance und beantragte die zum Urteil gekommene Bewährungsstrafe. Das Gericht setzte die Bewährungszeit auf vier Jahre fest und machte dem 32-Jährigen zur Auflage, eine Schuldnerberatung zu konsultieren. „Tun Sie alles, um Ihren Job zu behalten“, riet der Richter dem Angeklagten.

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