Mit Totholz Brüssel überzeugen
Wie in Lengerich die EU-Wasserrahmenrichtlinie umgesetzt wird

Lengerich -

Am Lengericher Aabach in Höhe Kläranlage wird gebaggert. Zum einen geht es um einen Ausbau des Werkes, zum anderen um eine Maßnahme, die dazu beitragen soll, der EU-Wasserrahmenrichtlinie auch in Lengerich gerecht zu werden.

Dienstag, 29.10.2019, 05:21 Uhr aktualisiert: 29.10.2019, 06:01 Uhr
Nico Harmann von der Stadtentwässerung hatte jetzt Landwirt Ulrich Mundus, Wilhelm Stöppel (Vorsitzender des Unterhaltungsverbandes Lengericher Aabach), Udo Schneiders (Geschäftsführer der Naturschutzstiftung Kreis Steinfurt) und Annika Wegener von der Unteren Wasserbehörde zu Gast (von links). Sie machten such ein Bild vom Stand der Arbeiten am Aabach.
Nico Harmann von der Stadtentwässerung hatte jetzt Landwirt Ulrich Mundus, Wilhelm Stöppel (Vorsitzender des Unterhaltungsverbandes Lengericher Aabach), Udo Schneiders (Geschäftsführer der Naturschutzstiftung Kreis Steinfurt) und Annika Wegener von der Unteren Wasserbehörde zu Gast (von links). Sie machten such ein Bild vom Stand der Arbeiten am Aabach. Foto: Paul Meyer zu Brickwedde

Die Mühlen der Europäischen Union mahlen dann und wann in einem recht gemächlichen Tempo – aber sie mahlen. Die Wasserrahmenlichtlinie ist ein Beispiel dafür, dass Brüssel bei der Umsetzung von Maßnahmen nicht immer und unbedingt den Fokus auf die Geschwindigkeit legt. Dafür reichen die Auswirkungen dann aber weit und bis zu kleinen Gewässern wie dem Lengericher Aabach.

2000 trat die Richtlinie in Kraft. Zielsetzung: ein guter Zustand von Europas Flüssen, Seen und Grundwasser. Bis spätestens 2027 müssen vor Ort die dafür notwendigen Maßnahmen umgesetzt werden. In Lengerich ist schon einiges gemacht worden, soll aber auch noch einiges passieren. Aktuell wird auf städtischem Grund an der Kläranlage gebuddelt. Die Erdarbeiten sind zum einen vorbereitende Maßnahmen für den weiteren Ausbau des Werkes, zum anderen bekommt der Lengericher Aabach auf einer Länge von circa 250 Metern zwei große Ausbuchtungen, die mit Blänken, Vertiefungen und Totholz naturnah gestaltet werden. Mit dem Gesamtpaket werden zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen: Die Arbeiten am Bach sind gleichzeitig Ausgleichsmaßnahme für das Bauvorhaben im Klärwerk.

Annika Wegener von der Unteren Wasserbehörde beim Kreis und Udo Schneiders , Geschäftsführer der Naturschutzstiftung Kreis Steinfurt, sprechen von einer „eigendynamischen Gewässerentwicklung“, die in Gang gesetzt werde. Zugute kommen soll das unter anderem Bodenbrütern wie Blässhühnern und Enten.

Ebenfalls vor Ort sind Ulrich Mundus und Wilhelm Stöppel. Landwirt Mundus hat Flächen am Aabach, die ebenfalls für eine Wasserrahmenlichtlinie-Maßnahme vorgesehen sind. Stöppel ist Vorsitzender des Unterhaltungsverbandes Lengericher Aabach, in dem die Anlieger zusammengeschlossen sind. Grundsätzlich können sie die Vorgaben der EU nachvollziehen. Im Sinn haben die beiden Lengericher aber auch die Interessen der Betroffenen vor Ort. Beides unter einen Hut zu bekommen, da ist sich das Duo einig, sei nicht ganz einfach.

Neben den genannten Akteuren ist auch noch der Landwirtschaftliche Kreisverband mit im Boot, wenn es um die Umsetzung der Wasserrahmenrichtlinie geht. Bei allen Schwierigkeiten und manchen inhaltlichen Differenzen sprechen Stöppel und Schneiders von einem guten Miteinander. Klar sei, dass, verteilt auf insgesamt 28 Kilometer Lengericher Aabach und Aldruper Mühlenbach, eine ganze Reihe von Maßnahmen nötig seien, um die Vorgaben der EU zu erfüllen. Diese Last müsse auf möglichst viele Schultern verteilt werden.

Finanziell sind die Beteiligten durchaus gefordert. Zwar übernehme das Land 80 Prozent der Kosten. Doch die restlichen 20 bleiben bei der aktuellen Maßnahme bei der Stadtentwässerung und bei den anderen Projekten beim Unterhaltungsverband. Allein an der Kläranlage geht es nach den Worten von Wilhelm Stöppel um einen „niedrigen sechsstelligen Betrag“.

Er verweist darauf, dass mit den jetzt umgesetzten und anstehenden Maßnahmen manches von dem wieder rückgängig gemacht werde, was im Zuge der Flurbereinigung vor Jahrzehnten in Gang gesetzt worden sei. Zu den bereits realisierten Renaturierungsmaßnahmen gehört seinen Worten zufolge die Umwandlung sogenannter Sohlabstürze, die wie Sperren in einem Bach oder Fluss wirken, in durchlässige Sohlgleiten.

Ob all das, was in Lengerich passiert, reicht, um Brüssel zufriedenzustellen, werden nach den Worten von Stiftungsgeschäftsführer Schneiders am Ende Fachleute bewerten. Wilhelm Stöppel gibt sich optimistisch: „Wir sind zufrieden so wie es läuft.“

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