Was ein Lengericher Brite über den Brexit denkt
Klare Absage an die EU

Lengerich -

Wenn es um den Brexit geht, hat David Lance Taaffe eine sehr klare Position: Lieber heute als morgen raus aus der EU. Der 60-jährige Brite lebt seit vielen Jahren in Lengerich – und will daran auch nach einem Austritt nichts ändern.

Mittwoch, 30.10.2019, 05:36 Uhr aktualisiert: 30.10.2019, 11:30 Uhr
Union Jack und EU-Flaggen vor dem Parlament in London.
Union Jack und EU-Flaggen vor dem Parlament in London. Foto: AFP

Die EU ? „Ein undemokratischer Apparat.“ Großbritanniens Premierminister? „ Boris Johnson ist der neue Churchill.“ Eine Bilanz der Regierungszeit von Theresa May? „Drei verschwendete Jahre.“ Die Globalisierung? „Kommt in erster Linie großen Konzernen zugute.“ Wenn es ihm danach ist, kann David Lance Taaffe seine politischen Ansichten sehr prägnant auf den Punkt bringen. So zeigt der Brite, der in Lengerich lebt, auch bei der aktuell in seiner Heimat am heißesten diskutierten Frage klare Kante: „Ich bin für den Brexit – notfalls auch ohne Abkommen.“

Vor 40 Jahren kam er ins Tecklenburger Land und blieb, von einem Intermezzo abgesehen, bis heute in Deutschland. Der 60-Jährige stammt aus einer Soldatenfamilie, sein Vater war bei der Armee, auch er ging zur Armee. 1977 stationierte die ihn in der Caprivi-Kaserne in Osnabrück. Es dauerte nicht lang, da verliebte er sich in eine Deutsche und schlug Wurzeln.

Das Interesse an der Politik weckte Margaret Thatcher in David Lance Taaffe. Damals, in den 1980ern war er für ungefähr zwei Jahre wieder in Großbritannien und dort gewerkschaftlich aktiv. Der Mann aus der Grafschaft Wiltshire bezeichnet sich als „Kind der Arbeiterklasse“. Deshalb habe er seinerzeit die so streitbare Premierministerin „gehasst“, die die Gewerkschaften entmachtete, staatliche Unternehmen privatisierte und dem freien Markt vertraute. Seine Meinung über die „Eiserne Lady“ hat David Lance Taaffe längst revidiert. „Sie hat ausgemistet“, was seinerzeit dringend nötig gewesen sei.

Ausmisten, das wäre nach Ansicht des Rentners wohl auch bei der Europäischen Union notwendig. Brüssel bevormunde die Mitgliedsstaaten, die Zusammenarbeit gehe zu weit, da sie den Nationalstaaten ihre Identität raube, kritisiert der Brite. Deshalb sei es richtig und unumgänglich, dass Großbritannien die EU verlasse. Ein Vorhaben, für das sich der Vater dreier Kinder – sie sind Deutsche – schon seit der Zeit vor dem Referendum 2016 einsetzt, sei es in einer kleinen Partei, die mittlerweile nicht mehr existiert, sei es in einer einschlägigen Facebook-Gruppe.

Sorge, dass der Austritt seiner alten Heimat vor allem wirtschaftlich schlecht bekommen könnte, hat David Lance Taaffe nicht. Ökonomisch sei das Königreich so stark, dass Länder wie Deutschland ein großes Interesse daran hätten, möglichst schnell neue Handelsverträge zu schließen. „Wir sind zum Beispiel ein ganz wichtiger Markt für die deutschen Autohersteller.“

Im Gespräch wird deutlich, dass der Brite aus Lengerich zwar manchmal fast provozierend deutlich formuliert, er aber durchaus auch differenziert auf die Dinge schaut. Dem Argument, dass die EU doch auch eine Art Friedensprojekt sei, hält er entgegen, dass heute niemand mehr in Europa ernsthaft Krieg wolle – auch kein Gegner der Union. Um Konflikten zwischen den Staaten vorzubeugen, sei vor allem wichtig, dass die Menschen die Geschichte kennen und ihre Wurzeln und auch ihren Nationalstolz bewahren können.

Über Boris Johnson sagt David Lance Taaffe nicht nur, dass der ein „neuer Churchill“ sei. Der Premierminister sei einerseits „sehr intelligent“, andererseits aber auch „nicht perfekt“. Manchmal mache er sogar „richtig blöde Sachen“. Dass es der Mann aus der Downing Street 10 als Journalist in Brüssel mit der Wahrheit auch nicht immer so genau genommen hat, weiß der überzeugte Brexitianer ebenfalls.

Und die Folgen eines Austritts für ihn? Der 60-Jährige schaut gelassen. „Ich beziehe hier in Deutschland ganz normal meine Rente. Was soll mir also passieren?“ Dass viele seiner Landsleute, die in Deutschland leben, weniger gelassen sind, weiß er. Das hänge oftmals aber damit zusammen, dass die Betroffenen nicht gut informiert seien. Negative Konsequenzen, meint David Lance Taaffe, werde der Brexit für kaum einen von ihnen haben.

Schlussendlich seien die Tage der Europäischen Union ohnehin gezählt. „Irgendwann wird sie platzen“, prophezeit der EU-Kritiker.

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