Anna Siegel erneut zu Gast beim Kulturforum
Viel Island, viel Wechte

Lengerich -

So etwas wie ein Stammgast ist Anna Siegel beim Kulturforum. Die gebürtige Lengericherin war am Dienstag wieder einmal da. Sie kam direkt von Island in die alte Heimat. An ihrem Auftritt hatte sie sichtlich Freude.

Mittwoch, 30.10.2019, 18:09 Uhr aktualisiert: 01.11.2019, 15:40 Uhr
Anne Siegel
Anne Siegel Foto: Detlef Dowidat

Das ist ihre Bühne. Vom ersten Augenblick fühlt sie sich heimisch, strahlt eine ansteckende Fröhlichkeit aus, die die Besucher sofort spüren. Anne Siegel ist zurück. „Egal wo ich auf der Welt unterwegs bin, ich trage immer ein Stück Lengerich und insbesondere Wechte bei mir“, sagt die Frau, deren Wurzeln in der Lengericher Bauerschaft liegen. Die Buchautorin, Radio- und TV-Journalistin, Hörspielautorin und Filmemacherin entpuppt sich einmal mehr als Plaudertasche. Ihre Verwandten, die Wechter Kolonie, die Realschulklasse und all die vielen Freunde und Bekannte im Publikum lieben das. „Wunderschön, wieder daheim zu sein“, strahlt Anne Siegel.

Nach Lengerich zu kommen, sei gar nicht so einfach gewesen. „Ich weilte gestern noch in Reykjavík. Von dort war ich mit dem Flieger schneller in Köln, als mit dem Zug von Köln aus in Lengerich.“ Abenteuerlich sei das Stück von Münster aus gewesen. Der Schienenersatzverkehr mit dem Bus funktionierte überhaupt nicht. „Und um schnell vom Bahnhof in die Stadt zu kommen, bin ich nach 30 Jahren das erste Mal wieder getrampt“, schmunzelt sie.

Das Publikum erlebt eine Veranstaltung der besonderen Art, die vom Kulturforum, einer Stiftung der Stadtsparkasse, durchgeführt wurde. Anne Siegel ist bereits zum dritten Mal zu Gast. Sie möchte aus ihrer Island-Romantrilogie den zweiten Teil mit dem Titel „Reykjavík Blues“ vorstellen, der erst im Juli erschienen ist. Doch bevor sie überhaupt zum Lesen kommt, hat sie viel zu erzählen. Zum Beispiel von ihren Aufenthalten auf Island. Dort traf sie jüngst mit dem Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier zusammen. „Den durfte ich bei seinem Besuch begleiten. Das war richtig aufregend“, plaudert Anne Siegel drauf los und kommt dann sehr schnell zu ihren aus Deutschland ausgewanderten Islandfrauen. Denen stattete der Bundespräsident einen Besuch ab. Und Alma, eine der Frauen aus dem ersten Teil der Trilogie, „NordBräute“, sei darüber derart entzückt gewesen, dass sie nur noch stammeln konnte: „Dass ich das noch erleben durfte“.

Natürlich hören die Besucher auch einiges aus dem neuen Roman. „Aber lesen könnt ihr das alles ja selbst. Ich erzähle viel lieber das, was im Buch nicht steht“, verkündet die Autorin. Immer wieder streut sie Wechte ein. Eine Hommage an ihre Geburtsstätte. „Island ist wie Wechte. Ein Stück davon ist in das neue Buch eingeflossen“, erzählt sie und gibt auch preis, dass sie nichts von der AfD hält: „Die Leute sind mit Vorsicht zu genießen“.

Wie sie darauf kommt? Sie beantwortete eine Frage aus dem Publikum, wie es denn Senora Greta Stern geht. Über die Jüdin hat Anne Seidel ein Buch geschrieben und darüber auch schon im Kulturforum gesprochen. „Ich hatte es schwer, in den AfD-Hochburgen im Osten daraus zu lesen. Jüdische Themen sind bei denen nicht beliebt.“ Greta, die Kosmetiksalonbesitzerin aus Panama ist mit 104 Jahren erst neulich verstorben, übt aber immer noch eine große Faszination auf Anne Seidel aus.

„Reykjavík Blues“ handelt von Christa, einer der Nordbräute aus dem ersten Teil der Romantrilogie, und ihrem Enkel Jón, einem jungen Cellisten, der in die Politik geht. Voller Humor und erzählerischem Geschick lässt Anne Siegel die Nordbräute im zweiten Teil ihrer Island-Trilogie auf eine ebenso amüsante wie abenteuerliche Suche nach dem verlorenen Geld aus der isländischen Bankenkrise aufbrechen, die sie bis nach Panama und in die Karibik führen wird. Im nächsten Jahr kommt der dritte Teil „Gletscherleuchten“ raus. Vielleicht liest sie daraus wieder im Kulturforum.

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